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Politiker, beseitigt den Streisand-Effekt!

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mokee81 via Getty Images
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Barbra Streisand ist nicht nur ein gefeierter Musikstar, sie ist auch die Namensgeberin eines Phänomens des Web 2.0, also jenes Entwicklungsstands des World Wide Web, in dem wir derzeit (noch) leben. Das Web 3.0 ist gerade im Entstehungsprozess, aber das soll nicht das Thema am heutigen Tag sein. Zurück also zu Barbra Streisand und dem obskuren "Streisand-Effekt". Darum geht es: Die Dynamiken im Internet reagieren bisweilen wie ein Bumerang und hier kommt die echte Barbra Streisand ins Spiel. Was war passiert?

Im Jahr 2003 veröffentlichten der Fotograf Kenneth Adelman und die Website "Pictopia" eine Sammlung von unzähligen Fotos der malerischen kalifornischen Pazifikküste. Ziel war es laut Adelman, für das "California Coastal Records Project" die Erosion der Küstenstrukturen fotografisch zu dokumentieren. Unter den unzähligen Bildern befand sich auch eine Aufnahme des Anwesens von Barbra Streisand. Die weltberühmte, empfindsame und sehr auf ihre Privatsphäre bedachte Sängerin reagierte, wie man eben so reagierte in jeder Zeit vor dem Web 2.0 - sie reichte Klage ein und forderte 50 Millionen US-Dollar vom Fotografen und die Beseitigung des Bildes. Was Frau Streisand allerdings nicht bedachte, in der Frühphase der sozialen Medien auch gar nicht bedenken konnte, war dies: das Internet hatte die Spielregeln komplett geändert und Frau Streisand löste mit ihrer Reaktion eine Katastrophe für sich selbst aus.

So kam es, wie es kommen musste: Nachdem Streisand dafür gesorgt hatte, dass die Verbindung zwischen ihr und dem Foto irgendeines Gebäudes in Adelmans Sammlung bekannt wurde, verbreitete sich die Information wie ein Lauffeuer viral im Internet. Jetzt wollte jeder Barbras Haus sehen, eine Immobilie, die sonst niemanden interessiert hätte. Binnen eines einzigen Monats besuchten über 400.000 Menschen die Seite des California Coastal Records Projects, um Streisands Haus zu betrachten. In dieser Zeit hatten ihre teuren Anwälte vermutlich noch nicht einmal das Klageschreiben beendet. Der Streisand-Effekt war geboren und er wirft bis heute Fragen auf: Wie können Endverbraucher, aber auch größere Akteure, sich besser gegen Angriffe aus dem Internet wehren.

Die Politik verschläft dieses Problem derzeit noch in fahrlässiger Weise. Es wird allerdings gelöst werden müssen, will man auf Dauer keinen Zustand dulden kann, in dem der Willkür kein Riegel vorgeschoben wird. Wenn eine neue Technik die bewährten Abwehrinstrumente der Bürger stumpf macht, müssen neue her. So einfach ist es in der Theorie. In der Praxis steht der Einzelne nach wie vor im Regen und muss mit den langsamen Vorgehensweisen des letzten Jahrhunderts (Rechtsweg etc.) den ultraschnellen Angriffe des Social Media Zeitalters Paroli bieten. Ein schier hoffnungsloses Unterfangen. In meinem Job füllen wir diese Lücke aus. Aber eine echte Lösung wäre auch uns Profis lieber. Sprechen Sie Ihren lokalen Landtags- oder Bundestagsabgeordneten darauf an. Machen Sie Druck. Die Politik muss aufgeweckt werden.

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