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Nordkorea greift nach der Zweitschlagskapazität

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NORTH KOREA
KCNA KCNA / Reuters
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Nordkorea gibt Grund zur Sorge, einmal mehr. Dass das bitterarme Land in einer Art Paranoia meinen, sich mit Atomwaffen vor dem Rest der Welt schützen zu müssen, während es in seiner infrastrukturellen Basis verfällt, ist dabei sicherheitspolitisch noch nicht einmal das Entscheidende. Eine Atombombe alleine macht noch keinen Unterschied. Entscheidend sind die Trägersysteme und andere sekundäre Techniken und genau da wird es gerade brisant.

Der deutsche FOCUS berichtet aktuell: "Nordkorea setzt seine Raketentests fort - ungeachtet aller UN-Resolutionen. Zwar scheinen die jüngsten Tests von ballistischen Raketen mehr oder weniger Fehlschläge gewesen zu sein. Im Ausland werden solche Versuche gleichwohl scharf verurteilt. Unter Missachtung von UN-Resolutionen hat Nordkorea erneut eine ballistische Testrakete von einem U-Boot aus abgefeuert.

Der Druck auf Pjöngjang soll erhöht werden

Während das wegen seiner Atom- und Raketenprogramme isolierte Nordkorea den Abschuss am Sonntag bestätigte und von einem vollen Erfolg sprach, gab es in Südkorea Zweifel am Gelingen des Tests. Südkorea warf dem Nachbarn eine Provokation vor und kündigte an, den Druck auf das Regime in Pjöngjang durch die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft erhöhen zu wollen.

Machthaber Kim Jong Un habe den Test selber überwacht und festgestellt, dass das Land 'ein weiteres Mittel für einen schlagkräftigen atomaren Angriff zur Verfügung steht', berichteten die staatlich kontrollierten Medien in Nordkorea. Die Marine könne nun 'die Köpfe der südkoreanischen Marionettenkräfte und US-Imperialisten zu jeder Zeit nach Belieben treffen'. Der Test habe die 'Zuverlässigkeit des koreanischen Unterwasser-Abschusssystems' demonstriert. Ort und Zeitpunkt des Tests wurden nicht genannt."

Der Laie könnte dieses Meldung als unwichtig überlesen. Beim Fachmann schrillen die Alarmglocken. Der Grund ist einfach: Stellen Sie sich vor, Sie sind ein kleines Land und werden atomar angegriffen. Dann war es das für Sie. Moderne Atomwaffen haben Sprengkräfte, die mehrere Ballungsgebiete mittels einer einzigen Rakete mit multiplen Sprengköpfen in Saharastaub verwandeln können.

Besitzt Nordkorea eine Geheimwaffe?

Da nützt es nichts, wenn Sie selbst Atomwaffen besitzen, denn diese werden ebenfalls zerstört sein. Es sei denn, und hier wird es spannend, Sie besitzen atomwaffenfähige U-Boote, die ständig unentdeckt abseits möglicher Angriffsziele unterwegs sind. In diesem Fall haben sie eine so genannte "Zweitschlagskapazität". Das bedeutet, sie könnten atomar von See zurückschlagen, auch wenn ihr Land schon gar nicht mehr existiert.

Wenn Nordkorea sich jetzt tatsächlich eine Zweitschlagskapazität aufbaut, ist das höchst alarmierend. Es bedeutet, dass das Land tatsächlich weitaus weiter und aggressiver mit seiner Aufrüstung sein könnte, als man bislang dachte. Hinzu kommt ein zunehmender Kontrollverlust der Chinesen über ihre südlichen Nachbarn, der den durchaus klugen und besonnenen Köpfen in Peking schon sein einiger Zeit Sorgen macht.

China ist zwar historisch eine Schutzmacht Nordkoreas, doch keineswegs glücklich mit den Eskapaden des verarmten Arbeiter- und Bauernstaates des Kim Jong-un, der auch gegenüber Peking nicht den Respekt zeigt, den eine befreundete Nation eigentlich erwarten darf. In der Summe ist dies keine gute Situation und man kann den an sich sehr fähigen Sicherheitspolitikern in Peking nur die Daumen drücken, dass sie das Regime in Pjönjang wieder in den Griff bekommen.

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