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Macron Leaks: Die gefährliche Fake News Falle!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EMMANUEL MACRON
POOL New / Reuters
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Digitale Daten von Emmanuel Macron sollen geleaked worden sein. Kennen wir das nicht schon? Letzter Herbst? Clinton gegen Trump? Zu einem äußerst geschickten Zeitpunkt. Die Rufe sind auf allen Kanälen wieder zu hören, "das waren die Russen..!" Kann sein, muss aber nicht.

Oder wie Donald Trump einst sagte, "vielleicht waren es auch die Chinesen oder ein pickliger Nerd mit einem Laptop auf seinem Bett". Aber vor allem sollten wir alle jetzt mal schön die Kirche im Dorf lassen.

Das ist keine Wahlmanipulation!

Erstens sollten wir alle in diesem Zusammenhang die Vokabel "Wahlmanipulation" umgehend streichen. Das Geschehene so zu benennen wäre Fake News. "Versuch einer Wählerverunsicherung" ist die richtige Terminologie. Eine "Wahlmanipulation" wäre eine Verfälschung des Wahlergebnisses durch digitale oder analoge Maßnahmen beim Wahlvorgang.

Also eine Manipulation von Wahlzetteln, Wahlmaschinen, der Auszählung oder jener IT-Infrastrukturen, welche die Daten sammeln und die Resultate daraus generieren. Dies war weder beim Sieg Trumps der Fall, noch wird es vermutlich in Frankreich der Fall sein. Dafür sind die technischen Wahlvorgänge in Frankreich zu transparent und die Wahlaufsicht zu gut.

Zu schnelle Erklärungen?

Sicher, es ist für Herrn Macron mehr als nur ärgerlich, dass der Leak zum unpassendsten Zeitpunkt kam. Doch genauso ärgerlich ist, dass Medien bereits zu wissen meinen, dass einige oder alle Dokumente gefälscht seien.

Das müssen sehr talentierte und fast hellsichtig begabte Analysten gewesen sein. Wenn wir solche Fälle auf den Tisch bekommen, dauert das Ganze gerne mal drei bis vier Wochen, bis endlich feststeht, ob ein geleaktes Dokument echt oder gefälscht ist.

Der Fehlerquellen gibt es viele, etwa wenn ein Dokument nicht im Original herausgegeben wurde, sondern als Kopie, Scan, pdf-Druck und dergleichen vieles mehr.

Da können sich selbst vermeintliche Fälschungen am Ende als völlig athentisch darstellen. Zum jetzigen Zeitpunkt von Fälschungen im Indikativ zu sprechen, ist im Fall Macron die zweite Fake News.

Was, wenn es stimmt?

Stellen wir uns jetzt einen Moment lang vor, in den aufgetauchten Daten befänden sich tatsächlich echte Hinweise auf irgendein Fehlverhalten des Kandidaten. Hätte die Öffentlichkeit kein Recht auf diese Informationen? Erinnern wir uns nochmal an den Fall Hillary Clinton.

Die E-Mails damals waren ganz offensichtlich echt, wie sich in der Zwischenzeit erwies. "Fake News" war der politische Kampfbegriff des Clinton-Lagers, der von diesem Desaster ablenken sollte.

Jetzt rennt Frau Clinton immer noch in der Gegend herum und fühlt sich um ihren Wahlsieg betrogen. Neuerdings behauptet sie sogar weinerlich, wären die US-Wahlen ein paar Wochen früher gewesen, hätte sie gewonnen.

Mag sein, ändert aber nichts daran, dass der Leak zwar ein brutaler Angriff gegen Clinton war, aber keine "Fake News", wie behauptet wurde. Die tragische Hillary hat sich das selber eingebrockt und der Welt Donald Trump beschert.

Ist das etwas Neues?

Hinzu kommt noch eine andere Binsenweisheit: auf Wahlen wurde schon immer Einfluss genommen. Schalten Sie mal eine Suchmaschine an, vielleicht heute mal zur Abwechslung Bing, Yahoo, DuckDuckGo oder Yandex, und recherchieren Sie mal, wer den zweiten Wahlkampf von Boris Jelzin damals in Russland geleitet und finanziert hat: staatsnahe Agenturen aus den USA.

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Das ist keine gemunkelte Verschwörungstheorie, das können sie überall hochamtlich nachlesen. Und wie war das damals mit Bundespräsident Lübcke, den DDR-Agenten rückwirkend zum Ober-Nazi gemacht haben?

Oder die Tatsache, dass Willy Brandt nur Kanzler blieb, weil mehrere Abgeordnete beim versuchten Kanzlersturz 1972 wegen Bestechung aus der DDR nicht gegen Brandt stimmten.

Von einem toten Ministerpräsidenten in einer Genfer Badewanne 1987 und der Vorgeschichte wollen wir gar nicht erst anfangen. Heute wird eben geleaked. Die Techniken sind andere, aber die Politik war schon immer ein recht schmutziges Geschäft.

Blöde Situation!

FĂĽr Emmanuel Macron kommt die ganze Sache natĂĽrlich zur Unzeit. Doch alle, die jetzt nicht neutral an diese Leaks herangehen, produzieren Fake News zugunsten von Herrn Macron. Gut, bei einer Gegnerin namens Le Pen ist das fast verzeihlich. Aber nur fast.

Denn indem die Vorwürfe gegen Macron so schnell und dilletantisch weggewischt und Russland in die Schuhe geschoben werden, fühlen sich die laut Umfragen 40 Prozent Le Pen Wähler umso bestärkter in ihrem Glauben, sie müssten in Paris mal ordentlich ausmisten.

Es wäre klüger gewesen, inhaltlich gar nichts zu den Leaks zu sagen und das Datenmaterial erst einmal in Ruhe und nach allen Regeln der Kunst zu analysieren. Alles andere wäre... genau: Fake News. Und diese erleben wir gerade zum Schaden der Demokratie.

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