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Internet vorbei: Die 80er kommen wieder

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mihailomilovanovic via Getty Images
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Gemeinsam von Idan Attila Schmidt, Dr. Alexander Freudig und Jeremy Williams.

Nein, keine Sorge, niemand au├čer ein paar kriminellen Subjekten oder staatlichen Kriegstheoretikern plant das Internet zu besch├Ądigen. Aber es neigt sich seinem Ende zu - nicht technisch, aber in seiner Bedeutung. Wir steuern mit rasender Geschwindigkeit in das Post-Web-Zeitalter und keinem f├Ąllt es bisher bewusst auf. Dabei werden wir sp├Ątestens 2020 wieder da sein, wo wir 1980 waren, nur mit Videotelefonie, E-Mail, Messengern und Streamingdiensten. Was genau ist gemeint?

Ertrinken in der Datenflut?

Zun├Ąchst einmal war das Internet revolution├Ąr, weil es die Welt kleiner und vernetzter gemacht hat. Das wird bleiben. Es war aber auch ein Game Changer, weil pl├Âtzlich Unternehmen, Gruppierungen und Medien einen ganz neuartigen Kommunikationsweg zur Verf├╝gung hatten.

Haben Sie sich zum Beispiel schon einmal gefragt, warum es kaum noch Reiseb├╝ros gibt? Ganz einfach, weil die Airlines und Reiseveranstalter dank des Netzes keine Vetriebler mehr ben├Âtigen. ├ähnliches gilt in abgeschw├Ąchter Form auch f├╝r die Dichte an Apotheken, Elektrogesch├Ąfte oder Buchl├Ąden. Ja, das alles wird bleiben, aber...

Es kippt, schon jetzt!

Sp├Ątestens seit die Technik so weit ist, dass jede Hausfrau, die bis Drei z├Ąhlen kann, sich fast gratis einen Webauftritt schustern kann, f├╝r den man 2008 noch locker 10.000 Dollar oder Euro hinlegen musste, begann die ganze Sache zu kippen. Heute besteht das Internet im Wesentlichen aus Datenm├╝ll, der kosteng├╝nstig sehr h├╝bsch aufgemacht ist.

Jeder Schwachkopf kann eine Petition online starten, Verschw├Ârungsulk erreicht atemberaubende Klickzahlen und Pseudonews-Portale wirken so professionell, dass man kaum noch weiss, wie einem geschieht. Algorithmen lotsen uns sanft in eine sich selbst verst├Ąrkende Meinungsblase und alles was der Politik dagegen einf├Ąllt ist eine Art ausgelagerter sanfter Zensur.

So wird es im Bereich Social Media bald nur noch von goldigen Katzenbilden und lustigen Videos wimmeln, das Netz wird zur Datenm├╝llhalde. Einzig Streamingdienste, Email und Messenger sowie andere "one to one" Kommunikationsplattformen werden von Bedeutung sein.

Inseln des Vertrauens!

Die k├╝nstlich aufgeblasene Debatte ├╝ber Fake News wird bis 2020 l├Ąngst vergessen sein. Jedem wird bis dahin klar sein, dass die ├╝bergro├če Mehrheit des Contents im Netz nichts als geistige Abgase sind. Online-Shops werden zunehmend Probleme bekommen, weil auch die unsaubersten Buden sich schicke Seiten leisten k├Ânnen. Welchem Unsinn, welchem Anbieter soll man da noch vertrauen?

Wenn alle jeden Mist und jedes halbseidene Tun gleicherma├čen professionell ins Netz stellen k├Ânnen, kann man einfach keinem mehr trauen. Dass Google in Deutschland ├╝ber 90% Marktanteil in der Suche hat, in den USA ├╝ber 80% macht es noch schlimmer.

Der undurchsichtige Datenriese entscheidet weiter selbstherrlich, welcher Datenm├╝ll an wen ausgeliefert wird. SEO, also die Optimierung von Suchergebnissen, wird immer unm├Âglicher werden. Ein aussterbender Beruf. Was dagegen kommen wird, ist eine R├╝ckkehr der 80er, allerdings digital.

Es wird wie fr├╝her, nur digital?

Die ├älteren werden sich erinnern: fr├╝her ging man zum H├Ąndler seines Vertrauens, las die Zeitung seines Vertrauens und ging zum Arzt, der einem pers├Ânlich und unverf├Ąlschbar empfohlen wurde. Genau so wird es wieder werden, nur webbasiert. Sp├Ątestens ab 2020 wird das "Web 3.0" Realit├Ąt sein, in dem es wenige "Inseln des Vertrauens" in einem riesigen Meer von Datenm├╝ll geben wird.

95% der Daten w├╝rde man aus dem Netz l├Âschen k├Ânnen, ohne dass irgendjemand irgendetwas Essentielles vermissen m├╝sste. Das wird nat├╝rlich nicht passieren. Doch den Konsumenten, also uns allen, d├Ąmmert jeden Tag mehr, dass wir im Netz nur auf den wenigen "Inseln des Vertrauens" sicher sind.

Beim "Kaufhaus" unseres Vertrauens, bei der Online-Apotheke unseres Vertrauens, beim Bewertungsportal unseres Vertrauens und bei der Zeitung unseres Vertrauens. Den Rest werden wir mit jedem Tag kritischer betrachten und irgendwann ganz ignorieren.

Die Politik dreht durch!

Deswegen ist auch diese ganze Fake News Diskussion eine l├Ącherliche Hysterie. Die Menschen sind viel zu intelligent, als dass sie den ganzen Mist glauben, der jeden Tag mehr und mehr durch die Glasfaserkabel rauscht. Trotz des Netzes, oder gerade weil es eine solche Flut an Unsinn im Web gibt, holen sich die allermeisten Menschen schon l├Ąngst wieder ihre Infos von den Seiten der klassischen Medien, deren Name man kennt, wo man wei├č, woran man ist.

Alle seri├Âsen Zahlen deuten darauf und es wird mit jedem Tag deutlicher. Die ganze Fake News Diskussion ist deswegen nicht nur unn├Âtig, sie ist auch dumm - denn sie lenkt die Aufmerksamkeit erst so richtig auf jene Medien, die keine "Inseln des Vertrauens" sind. Oder glaubt wirklich irgendjemand bei Verstand, dass der russische Staatssender RT in der Lage ist, die ├Âffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen?

Deren Einschaltquoten liegen im nichtmessbaren Bereich. Die einzige, die an einen Einfluss von RT auf die US-Wahlen 2016 glauben will, ist die unselige Hillary Clinton, weil es ihr etwas zu gro├č geratenes Ego nicht ertr├Ągt, wegen einer handwerklich grottenschlecht gemachten Wahlkampagne gegen einen Trump verdient verloren zu haben.

Denken Sie 2020 an diesen Beitrag!

Wenn sie 2020 und danach einen Browser nutzen, der in der Basiseinstellung nur noch Ihre "Inseln des Vertrauens" ansteuert und den Rest ausblendet, wissen Sie, dass wir endg├╝ltig im "Web 3.0" angekommen sind. Denken Sie dann an diesen Artikel. Sie k├Ânnen angeben und sagen: ich wusste es schon vorher.

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