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Internet vorbei: Die 80er kommen wieder

27/05/2017 17:17 CEST | Aktualisiert 27/05/2017 17:17 CEST
mihailomilovanovic via Getty Images

Gemeinsam von Idan Attila Schmidt, Dr. Alexander Freudig und Jeremy Williams.

Nein, keine Sorge, niemand außer ein paar kriminellen Subjekten oder staatlichen Kriegstheoretikern plant das Internet zu beschädigen. Aber es neigt sich seinem Ende zu - nicht technisch, aber in seiner Bedeutung. Wir steuern mit rasender Geschwindigkeit in das Post-Web-Zeitalter und keinem fällt es bisher bewusst auf. Dabei werden wir spätestens 2020 wieder da sein, wo wir 1980 waren, nur mit Videotelefonie, E-Mail, Messengern und Streamingdiensten. Was genau ist gemeint?

Ertrinken in der Datenflut?

Zunächst einmal war das Internet revolutionär, weil es die Welt kleiner und vernetzter gemacht hat. Das wird bleiben. Es war aber auch ein Game Changer, weil plötzlich Unternehmen, Gruppierungen und Medien einen ganz neuartigen Kommunikationsweg zur Verfügung hatten.

Haben Sie sich zum Beispiel schon einmal gefragt, warum es kaum noch Reisebüros gibt? Ganz einfach, weil die Airlines und Reiseveranstalter dank des Netzes keine Vetriebler mehr benötigen. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form auch für die Dichte an Apotheken, Elektrogeschäfte oder Buchläden. Ja, das alles wird bleiben, aber...

Es kippt, schon jetzt!

Spätestens seit die Technik so weit ist, dass jede Hausfrau, die bis Drei zählen kann, sich fast gratis einen Webauftritt schustern kann, für den man 2008 noch locker 10.000 Dollar oder Euro hinlegen musste, begann die ganze Sache zu kippen. Heute besteht das Internet im Wesentlichen aus Datenmüll, der kostengünstig sehr hübsch aufgemacht ist.

Jeder Schwachkopf kann eine Petition online starten, Verschwörungsulk erreicht atemberaubende Klickzahlen und Pseudonews-Portale wirken so professionell, dass man kaum noch weiss, wie einem geschieht. Algorithmen lotsen uns sanft in eine sich selbst verstärkende Meinungsblase und alles was der Politik dagegen einfällt ist eine Art ausgelagerter sanfter Zensur.

So wird es im Bereich Social Media bald nur noch von goldigen Katzenbilden und lustigen Videos wimmeln, das Netz wird zur Datenmüllhalde. Einzig Streamingdienste, Email und Messenger sowie andere "one to one" Kommunikationsplattformen werden von Bedeutung sein.

Inseln des Vertrauens!

Die künstlich aufgeblasene Debatte über Fake News wird bis 2020 längst vergessen sein. Jedem wird bis dahin klar sein, dass die übergroße Mehrheit des Contents im Netz nichts als geistige Abgase sind. Online-Shops werden zunehmend Probleme bekommen, weil auch die unsaubersten Buden sich schicke Seiten leisten können. Welchem Unsinn, welchem Anbieter soll man da noch vertrauen?

Wenn alle jeden Mist und jedes halbseidene Tun gleichermaßen professionell ins Netz stellen können, kann man einfach keinem mehr trauen. Dass Google in Deutschland über 90% Marktanteil in der Suche hat, in den USA über 80% macht es noch schlimmer.

Der undurchsichtige Datenriese entscheidet weiter selbstherrlich, welcher Datenmüll an wen ausgeliefert wird. SEO, also die Optimierung von Suchergebnissen, wird immer unmöglicher werden. Ein aussterbender Beruf. Was dagegen kommen wird, ist eine Rückkehr der 80er, allerdings digital.

Es wird wie früher, nur digital?

Die Älteren werden sich erinnern: früher ging man zum Händler seines Vertrauens, las die Zeitung seines Vertrauens und ging zum Arzt, der einem persönlich und unverfälschbar empfohlen wurde. Genau so wird es wieder werden, nur webbasiert. Spätestens ab 2020 wird das "Web 3.0" Realität sein, in dem es wenige "Inseln des Vertrauens" in einem riesigen Meer von Datenmüll geben wird.

95% der Daten würde man aus dem Netz löschen können, ohne dass irgendjemand irgendetwas Essentielles vermissen müsste. Das wird natürlich nicht passieren. Doch den Konsumenten, also uns allen, dämmert jeden Tag mehr, dass wir im Netz nur auf den wenigen "Inseln des Vertrauens" sicher sind.

Beim "Kaufhaus" unseres Vertrauens, bei der Online-Apotheke unseres Vertrauens, beim Bewertungsportal unseres Vertrauens und bei der Zeitung unseres Vertrauens. Den Rest werden wir mit jedem Tag kritischer betrachten und irgendwann ganz ignorieren.

Die Politik dreht durch!

Deswegen ist auch diese ganze Fake News Diskussion eine lächerliche Hysterie. Die Menschen sind viel zu intelligent, als dass sie den ganzen Mist glauben, der jeden Tag mehr und mehr durch die Glasfaserkabel rauscht. Trotz des Netzes, oder gerade weil es eine solche Flut an Unsinn im Web gibt, holen sich die allermeisten Menschen schon längst wieder ihre Infos von den Seiten der klassischen Medien, deren Name man kennt, wo man weiß, woran man ist.

Alle seriösen Zahlen deuten darauf und es wird mit jedem Tag deutlicher. Die ganze Fake News Diskussion ist deswegen nicht nur unnötig, sie ist auch dumm - denn sie lenkt die Aufmerksamkeit erst so richtig auf jene Medien, die keine "Inseln des Vertrauens" sind. Oder glaubt wirklich irgendjemand bei Verstand, dass der russische Staatssender RT in der Lage ist, die öffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen?

Deren Einschaltquoten liegen im nichtmessbaren Bereich. Die einzige, die an einen Einfluss von RT auf die US-Wahlen 2016 glauben will, ist die unselige Hillary Clinton, weil es ihr etwas zu groß geratenes Ego nicht erträgt, wegen einer handwerklich grottenschlecht gemachten Wahlkampagne gegen einen Trump verdient verloren zu haben.

Denken Sie 2020 an diesen Beitrag!

Wenn sie 2020 und danach einen Browser nutzen, der in der Basiseinstellung nur noch Ihre "Inseln des Vertrauens" ansteuert und den Rest ausblendet, wissen Sie, dass wir endgültig im "Web 3.0" angekommen sind. Denken Sie dann an diesen Artikel. Sie können angeben und sagen: ich wusste es schon vorher.

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