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Die französischen Konservativen sind von allen guten Geistern verlassen!

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Fabrice LEROUGE/GettyStock
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Er wollte Frankreichs Vorstädte "mit dem Kärcher reinigen", gewann mit einer liberal-konservativen Agena 2007 haushoch die Wahl zum französischen Staatspräsidenten, fiel dann allerdings eher durch seinen Frauentausch auf und dadurch, dass er Libyen ohne allzu ernste Gründe in Schutt und Asche bomben ließ. Nicolas Sarkozy war ein schillernder französischer Präsident, Sohn eines Ungarn und einer Griechin mit einem richtig gut besetzten Kabinett - der es dann so richtig ordentlich vermasselte.

Die Franzosen wandten sich daraufhin 2012 Francois Hollande zu, der als Staatspräsident eine noch armseligere Figur macht, obwohl Sarkozy die Latte schon richtig tief gehängt hatte. Hollandes Präsidentschaft ist ein Desaster in jedem nur denkbaren Politikfeld.

Seine Regierung gleicht einem Autounfall, bei dem man nicht hinschauen möchte, aber wegschauen geht auch irgendwie nicht. Galt Sarkozy in Sicherheitskreisen als jemand, der erst schoss und dann fragte, so fällt Hollannde hier in die Kategorie erst ganz viel fragen und dann gar nichts tun.

Die Franzosen hatten zuletzt wirklich kein besonders glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Präsidenten und die ultratrechte Marine Le Pen läuft sich schon warm. Aber nicht nur sie. Ausgerechnet Nicolas Sarkozy will es auch noch einmal wissen. Angesichts der für Frankreich wenig günstig verlaufenen Jahre seit seiner Abwahl 2012 werden dem aktuellen Amtsinhaber nur Außenseiterchancen eingeräumt, und das auch nur noch von seinen wenigen verbliebenen Fans.

Aber wer zieht für Frankreichs Konservative in die Schlacht gegen die Ultrarechten? Ende November bestimmen alle Franzosen den Kandidaten der Konservativen für die Präsidentenwahl. Die Franzosen kopieren damit erstmals das amerikanische Vorwahlsystem. Dabei tun sie jedoch etwas, wobei es jedem Sicherheitsexperten übel wird: Die konservative Partei lässt tatsächlich jeden Franszosen für zwei Euro abstimmen. Man muss nur irgendeinen Wisch unterschreiben, auf dem man bestätigt, die Werte der Partei zu teilen. Überprüfung? Keine!

In Sicherheitskreisen rauft man sich die Haare ob dieser völlig aberwitzigen Vorgehensweise. Parteimitglieder in einer Urwahl zu befragen, das ist das eine. Aber jedermann an die Frage heranzulassen, mit wem man ins Rennen geht, ist geradezu die Aufforderung an den politischen Gegner, zur Wahl zu eilen und die größte Gurke zu wählen, um dem Kandidaten der eigenen Partei einen Vorteil zu verschaffen.

In der Sicherheitsbranche sind wir normalerweise nüchterne Charaktere. Aber hier fragt man sich schon, welcher Knallkopf diese Idee hatte. Wäre es nicht dermaßen dämlich, könnte man glatt an Sabotage denken oder an einen unbewussten "Todestrieb" der konservativen Partei. Es ist unglaublich.

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