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Attila Schmidt  Headshot

Deutschland hatte schon einen Trump

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Liebe Leserinnen und Leser,

machen wir doch gemeinsam einen Test. Das Folgende ist ein Text bestehend nur aus Zitaten von? Ja, raten Sie mal:

„Mit einer demokratischen Gesellschaft ist das Konzept von Multikulti schwer vereinbar. Vielleicht auf ganz lange Sicht. Aber wenn man fragt, wo denn multikulturelle Gesellschaften bislang funktioniert haben, kommt man sehr schnell zum Ergebnis, daß sie nur dort friedlich funktionieren, wo es einen starken Obrigkeitsstaat gibt. Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten.

Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen. Die Vorstellung, daß eine moderne Gesellschaft in der Lage sein müßte, sich als multikulturelle Gesellschaft zu etablieren, mit möglichst vielen kulturellen Gruppen, halte ich für abwegig. Man kann aus Deutschland mit immerhin einer tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen. Wenn wir auf Jahrzehnte so weiterfahren wie bisher, dann muß ich für unser Vaterland schwarz sehen.

Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man, daß die politischen Journalisten eigentlich mehr zur politischen Klasse gehören und weniger zum Journalismus. Politiker und Journalisten teilen sich das traurige Schicksal, daß sie oft heute schon über Dinge reden, die sie erst morgen ganz verstehen.

Wenn wir uns überall einmischen wollen, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann riskieren wir den Dritten Weltkrieg. Ich teile die Menschheit in drei Kategorien ein: Wir normalen Menschen, die irgendwann in ihrer Jugend Äpfel geklaut haben; die zweite hat eine kleine kriminelle Ader, und die dritte besteht aus Investmentbankern.

Die Glaubwürdigkeit der Politiker war noch nie so gering wie heute. Das liegt nicht zuletzt an einer Gesellschaft, die in die Glotze guckt. Die Politiker reden nur oberflächliches Zeug in Talkshows, weil sie meinen, es sei die Hauptsache, man präge sich ihr Gesicht ein. Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an Geilheit, in Talkshows aufzutreten."

Niemand geringeres als der allseits geliebte und kürzlich verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat diese Dinge gesagt. Man stelle sich nur einmal für eine Millisekunde vor, ein Politiker der AfD oder gar der CSU hätten Derartiges gesagt. Der Himmel wäre über ihnen hereingebrochen.

Es scheint eine deutsche Eigenart zu sein, das Aussprechen kantiger Meinungen erst zu gestatten, wenn derjenige schon ein Greis oder anderweitig entschuldigt ist. In den USA ist derzeit Donald Trump mit einem ähnlichen Zungenschlag auf dem Weg ins Weiße Haus und die deutschen Pressekollegen empören sich.

Bei Schmidt empörte sich niemand. Man staunt.

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