Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Attila Schmidt  Headshot

Der wahre Donald Trump

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP RALLY
fleetingphoto via Getty Images
Drucken

Menschen im Bereich der Sicherheitsszene sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Andernfalls wäre man im falschen Job. Die gegenwärtig in Deutschland grassierende Anti-Trump Hysterie ist jedoch besorgniserregend. Wie aus den Fugen die Verhältnisse geraten sind, erkannte man stellvertretend für alle Hysteriker an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die dem gewählten US-Präsidenten Trump entgegen allen internationalen Gepflogenheiten nur unter Bedingungen zum Wahlsieg gratulierte.

Jene Angela Merkel, die freudestrahlend mit dem Politbüro in Peking kooperiert (was taktisch klug ist), mit Herrn Erdogan politische Geschäfte macht (was unklug ist) und selbst über Herrn Putin nichts Schlimmeres zu sagen hat, als dass er wohl in einer eigenen Welt lebe - diese Angela Merkel versteigt sich dazu, den demokratisch gewählten Präsidenten des engsten deutschen Verbündeten öffentlich eine diplomatische Ohrfeige zu verpassen. Welch eine Peinlichkeit!

Außenminister Steinmeier, der Trump angeblich einen "Hassprediger" genannt hatte, gratulierte offenbar gar nicht. Wie unendlich stillos und unter jeder Würde für jemanden, der davon träumt, demnächst selbst Präsident zu werden - in Deutschland. Die gesamte deutsche Politkaste plus weiter Teile der Presse scheint in diesen Tagen von allen guten Geistern verlassen.

Man besorge sich einfach die Transskripte der Trumpreden oder schaue sie sich im Originalton und ungeschnitten auf Youtube an. Man findet dort weder Rassismus noch Neokonservatismus oder andere Schreckgespenster der liberalen Mitte. Trumps Programm ist im wesentlichen protektionistisch, er lehnt TTIP ab (die berühmten Chlorhühner), ist für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und war einer der ersten und am lautesten Trauernden nach dem Attentat auf eine schwule Disco in Orlando. Explizit sprach er in Reden davon, dass die schwul-lesbische Community ein Stolz der amerikanischen Freiheit ist und er diese mit allen Mitteln vor jeder Form von Gewalt beschützen werde. Das ist alles nachlesbar, aber keiner will es hören.

Stattdessen wird das Zerrbild eines Minderheitenfressers gezeichnet, den die deutsche Bundeskanzlerin am Tag seines Sieges belehren muss. Da stellt sich schon die Frage: Beim wem genau sind ein paar Sicherungen lose? Gerade ein US-Präsident Trump wird dank seiner unkonventionellen Art neue "Fenster an Möglichkeiten" öffnen, weil er außerhalb der festgefahrenen Strukturen des Politbetriebs denkt. Dieser Mann plant keine ultrakonservative Revolution und schon gar keinen kriegerischen Kurs. Präsident Trump ist im Kern ein Bauunternehmer, ein Technokrat und Pragmatiker alten Schlages, der Amerika mehr managen als regieren wird.

Einzig sein Vizepräsident Pence passt in das Raster des bibeltreuen, ultrakonservativen Republikaners. Trump dagegen ist ein Liberaler durch und durch. Nicht immer mit dem besten Stil, aber vollkommen harmlos. Und wie "stilvoll" deutsche Politiker sein können, haben wir ja bereits erleben können. Wenn ein Vizekanzler sein Volk als "Pack" bezeichnet, ist jede Aufregung über einen Kalauer jenseits des Atlantiks hinfällig.

Mit Präsident Trump eröffnen sich sicherheitspolitisch neue Chancen. Natürlich wird er die NATO nicht auflösen, das hat er auch nie gesagt. Aber er wird mit einiger Sicherheit Versuche unterlassen, die Demokratrie mit Waffengewalt in dafür unreife Gesellschaften zu exportieren. Der Mann ist schlicht ein Realist. Damit wird er wiederum Kanäle nach Moskau öffnen, wobei Präsident Putin sich noch wundern wird, dass er nicht mehr der "Alpha-Male" der Weltpolitik ist.

Doch die beiden werden miteinander können und der Deal wird so aussehen: Ihr hört auf, euch in die Politik unserer Nachbarstaaten einzumischen, die nicht Mitglied der NATO sind - dafür lassen wir das Kriegsgeheul sein und gehen lieber gemeinsam gegen den globalen Terrorismus vor. Dies wird sich auf den gesamten Nahen Osten positiv auswirken. Trump wird das unter Obama/Clinton zerstörte Verhältnis zu Ägypten reparieren und mit Präsident Sisi für Stabilität in Nordafrika sorgen.

Selbst eine Normalisierung der Beziehungen zum Erzfeind Iran ist unter Trump denkbar. Denn die Nation der Öl-Mullahs hat in ihrer DNA einen Respekt für starke Führung und klare Kante. Was uns Westler abstoßen mag, macht dort Eindruck. Kompromisse verstehen die Iraner gerne als Einladung zum Feilschen, ein Basta dagegen verstehen sie. Obama war zu weltfremd akademisch, um all das zu verstehen. Mit Trump betritt nun ein Präsident die Bühne, der instinktiv das Richtige tun wird. Zumindest in den Kulturen des Nahen Ostens.

Einzig die Beziehungen zu China könnten sich unter Präsident Trump zum Problem entwickeln. Seine Einlassungen in dieser Hinsicht lassen auf wenig tiefere Kenntnisse der chinesischen Befindlichkeiten schließen. Hier ist auf gute Berater zu hoffen.

Was bleibt ist der Appell eines Sicherheitsberaters: Glauben Sie den Anti-Trump-Hysterikern kein Wort. Der Mann ist völlig in Ordnung und die Welt wird unter ihm ein sichererer Ort werden. Wirklich.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.