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Cyber-Destruction: Wie der Mittelstand sich schützen kann

11/11/2016 17:38 CET | Aktualisiert 12/11/2017 11:12 CET
OcusFocus via Getty Images

Das Problem wird immer größer, aber was kann man tun? Die Rede ist von Cyber-Destruction gegen kleine und mittelgroße Betriebe im Internet. Unter diesem neuen Anglizismus versteht man eine verschärfte Form des Cyber-Mobbings, bei welcher das Opfer nicht nur getroffen, sondern regelrecht wirtschaftlich vernichtet werden soll.

Dies kann einen niedergelassenen Arzt ebenso treffen wie eine lokale Bäckereikette oder einen mittelständischen Industriebetrieb. Großkonzerne haben gewaltige PR- und Anwaltsmaschinen im Hintergrund, an diese trauen sich die Übeltäter seltener heran - und wenn doch, greift das Räderwerk und löst das Problem.

Alle anderen Betroffenen sind sich selbst überlassen, vor allem jene Schicht von Betrieben, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden.

Welche Maßnahmen sind im Notfall dennoch praktikabel? Leider ist eine pauschale Antwort nicht möglich, denn es geht stets um individuelle Fälle, in denen spezifische Maßnahmen bewertet werden müssen. Der erste Weg wird Online-Rufmord-Opfer zweifellos zum Anwalt führen, denn „üble Nachrede" ist laut §186 StGB strafbar. Leider wird dies nur in den seltensten Fällen helfen, denn das deutsche Strafrecht endet - wie jedes andere deutsche Gesetz auch - an der Staatsgrenze.

Erfolgreiche juristische Hilfe gibt es nur in den seltenen Fällen, in denen die Täter innerhalb der Bundesrepublik dingfest gemacht werden können. Formal betrachtet ist das Internet in der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung zwar kein rechtsfreier Raum, aber es ist eben das World Wide Web und sobald der deutsche Rechtsraum verlassen wird, gestalten sich die Dinge extrem kompliziert.

Erschwert wird die Rechtsverfolgung dadurch, dass Inhalte beispielsweise bei ausländischen Webseitenbetreibern eingestellt sind und auf diesen Webseiten oftmals keinerlei Kontaktmöglichkeit zum Betreiber der Seite besteht. Diese Betreiber berufen sich meist ganz legal auf die Gesetze anderer Staaten. Hier ist es meist unmöglich den Betreiber der Webseite zu ermitteln und dementsprechend gerichtlich gegen diesen vorzugehen, vor allem wenn es "nur" um einen Eintrag im Internet geht. Dass dieser "kleine" Eintrag im Internet aber zum Beispiel eine Arztpraxis ruinieren kann, ist zwar Fakt, aber zunächst keine Frage des Rechts.

Darüber hinaus warnen Experten, dass die Kosten bei transnationaler Rechtseinklagung schnell explodieren können. Zudem kann es unter Umständen dazu kommen, dass eine Rechtsverfolgung des Verstoßes zwar theoretisch leicht möglich ist, eine Rechtsdurchsetzung in Deutschland dann aber de facto unmöglich ist. Anwaltlicher Rat ist dennoch meist ratsam, um zumindest die Lage korrekt eingeschätzt zu bekommen.

Was kann man selbst - als Privatperson und Unternehmer - tun?

  • Googeln Sie regelmäßig Ihren eigenen Namen, setzen Sie diesen in Anführungszeichen und geben Sie ihn in die Suchmaske ein.
  • Füllen Sie im Netz keine Fragebögen aus, geben Sie nie Ihre Handynummer, Ihre Anschrift oder Ihre Kontodaten weiter.
  • Achten Sie bei Diskussionsbeiträgen in Foren oder Communities darauf, zu welchen Themen Sie sich wie äußern. Tun Sie dies nie unter Ihrem vollen Namen und legen Sie für solche Postings am besten eine eigene E-Mail-Adresse an, die keine Rückschlüsse auf Ihre wahre Identität zulässt. Das gilt im Übrigen auch für die Anmeldung in Netzwerken wie Facebook oder Lokalisten.
  • Sollte Ihnen eine Ihrer Bemerkungen im Nachhinein doch noch sauer aufstoßen, reagieren Sie prompt: In vielen privaten Foren können Sie Ihre Einträge selbst zurückziehen oder bearbeiten.
  • Stellen Sie nie Fotos ins Internet, die im Zweifel für andere Zwecke missbraucht werden könnten, wie zum Beispiel Urlaubsfotos in Bikini oder Badehose, extreme Partysituationen etc. Zeigen Sie sich von Ihrer besten Seite.
  • Sollte einer Ihrer Kunden oder ein anderer Dritter ein Foto von Ihnen ungefragt in seinem (Facebook-)Profil veröffentlichen, reagieren Sie sofort und bitten Sie ihn, das Bild zu löschen.
  • Das bedeutet im umgekehrten Fall: Veröffentlichen Sie nie Bilder von Mitarbeitern, Betriebsstätten, Partnern, Verwandten, Freunden, Kollegen im Netz, ohne dass Sie vorher deren Zustimmung eingeholt haben.
  • Wann immer Sie ein Passwort benötigen, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf: Ein gutes Passwort besteht aus mehreren Groß- und Kleinbuchstaben sowie aus Ziffern und Sonderzeichen - auf den Sinn kommt es hier am wenigsten an.
  • Gehen Sie mit Ihrem virtuellen Gegenüber genauso um, als würde er im wirklichen Leben vor Ihnen stehen. Persönliche Angriffe in Foren und Chats sind daher absolut tabu.
  • Lassen Sie bei Ihren Profilen auf Xing oder Facebook große Sorgfalt bei den Voreinstellungen zum Datenschutz walten. Sie persönlich entscheiden, wer wann was über Sie erfährt.

Wenn die Lage sich zu sehr zuspitzt, können sich Betroffene außer an versierte Anwälte parallel auch an jene Unternehmen wenden, welche sich professionell mit solchen Problemstellungen befassen. Auch diese haben ihre Grenzen, aber sind zumindest die richtige "Notruf-Adresse" mit der nötigen Expertise.

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