BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Attila Schmidt  Headshot

Blutige Nase, heulende Mutter, totes Riesenkaninchen: Industrie-Sabotage bei United Airlines?

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
UNITED AIRLINES
csfotoimages via Getty Images
Drucken

Was ist blo├č bei United Airlines los? Eine Serie abstrusester Peinlichkeiten zieht das Image der US-Traditionslinie in den Abgrund.

Erst wurde ein ├Ąlterer Passagier unter grobster Gewaltanwendung aus einem Airbus entfernt, weil ein United-Mitarbeiter den Sitzplatz im ├╝berbuchten Flug f├╝r sich haben wollte, dann folgte ein unterirdisches Krisenmanagement durch die F├╝hrung der Fluggesellschaft, gefolgt von einem ├╝bergriffigen Steward, der eine Frau mit Kinderwagen attackierte - alles sch├Ân auf Handycam festgehalten und im Internet viral gestreut.

Als w├Ąre das des Wahnsinns noch nicht genug, erleben wir jetzt die gute alte United als Killer eines recht sympathischen Rekordkaninchens. Kurzum, die Airlines steht kinnhoch in der PR-H├Âlle.

Man denkt, das kann doch nicht sein?

Doch der Fall des toten Kaninchens ist real, ebenso wie der Rest. Simon, so der Name des edlen Zuchtkaninchens, ist an Absurdit├Ąt nicht zu ├╝bertreffen und man fragt sich - doch dazu gleich mehr. Auf jeden Fall hat United Simon umgebracht, wie es scheint.

Und anstelle einer ehrlichen Aufkl├Ąrung dieses mehr als wahnsinnigen Falls wird dem Unternehmen jetzt nicht ganz zu Unrecht auch noch Vertuschung nachgesagt. Simon, das tote Riesenkaninchen, wurde n├Ąmlich ohne Zustimmung seiner Z├╝chterin abgeholt und einge├Ąschert.

Sie habe United Airlines unabl├Ąssig nach Simon gefragt, damit er in seiner britischen Heimat autopsiert werden k├Ânne, klagte seine Besitzerin, Annette Edwards, gegen├╝ber der "Daily Mail" - das Tier war immerhin eine Menge wert. Doch United habe nur herumgedruckst.

Ein PR-GAU erster Klasse!

Die Z├╝chterin hatte Simon im April zu seinen neuen Eigent├╝mern in die USA bringen wollen und war deshalb mit dem fluffigen Kaninchen von London nach Chicago geflogen.

Das Tier war mit seinen fast ein Meter L├Ąnge nicht irgenein Hase, sondern ein teurer Rekordkandidat. Eine Wettbewerbsauftritt in Iowa war schon gebucht, doch nach der Landung in Chicago war Simon tot.

Erst steckten sie Simon in einen K├╝hlschrank, dann ├Ąscherten sie ihn ein!

"United Airlines murders fluffy bunny" (United ermordet flauschiges H├Ąschen) war denn auch der logische Tenor, des folgenden Shitstorms. Kein Wunder, dass der Kurs der United-Airlines-Aktien an den B├Ârsen ordentlich einbrach.

Wer fliegt schon mit einer Airline, die Rentner blutig schl├Ągt, heulenden Frauen mit Kinderwagen Pr├╝gel androht und kuschlige Riesenkaninchen umbringt und heimlich ein├Ąschert - und das waren nur die Highlights der vergangenen Tage!

Der Rentner mit der blutigen Nase hat derweil einen Deal mit United und zog seine Klage zur├╝ck. Der Fall der attackierten Mutter und des toten Rekordkaninchens sind indes noch offen.

Glaubten sie wirklich, dass es keiner merkt?

Die doch sehr einfache Frage, wieso das Tier wohl kurz in einen K├╝hlschrank gesteckt und dann sofort verbrannt wurde, vermochte United Airlines nicht zu kl├Ąren. Laut der Tierschutzorganisation Peta haben in den vergangenen zw├Âlf Jahren mehr als 300 Tiere Fl├╝ge mit United Airlines nicht ├╝berlebt.

Keine gute Bilanz. Wundervoll, kann man jetzt zynisch sagen, jetzt hat United Airlines auch noch Peta am Hals. Der Grund f├╝r Simons Tod bleibt wohl f├╝r immer ein Mysterium. Nach Aussage der Z├╝chterin wurde das Tier noch kurz vor dem Abflug untersucht und war mopsfidel.

Die entr├╝stete Z├╝chterin verlangte nun, die Aufnahmen der ├ťberwachungskameras ausgeh├Ąndigt zu bekommen, die Simon nach der Landung zeigen - vergeblich. Vermutlich wollte United Airlines nicht auch noch ein weiteres Video viral sehen, auf dem ein Rekordkaninchen erst tiefgek├╝hlt und dann verkohlt wird.

Was ist dort wirklich los?

Was sich nach einer v├Âllig irren Verkettung ebenso v├Âllig irrer Vorf├Ąlle darstellt, kann genau das sein: Irrsinn und Zufall. Dass United Airlines derzeit einfach grottenschlecht und unsensibel ist, stellt eine plausible Erkl├Ąrung dar.

Doch blutig geschlagene Rentner, attackierte M├╝tter und ein erst tiefgek├╝hltes und dann einge├Ąschertes Rekordkaninchen mit in der Folge fallenden Aktienkursen lassen bei einem Sicherheitsberater die roten Warnlampen angehen. Insbesondere wenn die Vorf├Ąlle ihren Weg zuverl├Ąssig in die internationalen Medien finden.

Nicht nur Staaten sind seit einiger Zeit Opfer feindlicher Propaganda. Auch Unternehmen sind zunehmend betroffen. Wenn United Airlines klug ist, l├Ąsst sie diese M├Âglichkeit auch ausermitteln, selbst wenn eine Verkettung menschlicher Dummheit hier plausibler erscheint.

Doch langsam wird es ein wenig zu viel an abstrusen Ereignissen bei United. Dort sollten Experten f├╝r Sabotageabwehr mal einen genaueren Blick auf die Ereignisse werfen.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.