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Erdogans Politik - Grund für die mangelnde Unterstützung bei den Bombenanschlägen?

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ISTANBUL ATTACK
Getty
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  • Anschläge in Istanbul erfahren nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Orlando oder Paris
  • Erdogan verärgert die Europäer
  • Ist Erdogans Politik der Grund für die mangelnde Solidarität?

In Deutschland besteht großer Unmut gegen Erdogan und seine Politik. Fehlender Beistand für die Türken beim Attentat in Istanbul ruft die Frage hervor: warum eigentlich?

Vor einer Woche haben Attentäter in Istanbul am Atatürk Flughafen das Feuer eröffnet und dabei 45 Menschen ermordet und 239 verletzt.
Anfänglich haben die Medien dem Thema viel Aufmerksamkeit geschenkt, doch mittlerweile scheint der Anschlag bereits uninteressant zu sein. Anders wie bei Orlando und Paris wurde nicht eine Woche lang getrauert und mitgefühlt.

Zu Zeiten des Pariser Anschlags gab es überall in Europa einen Ausnahmezustand. Thomas de Maizière sorgte für eine größere Präsenz von Polizeikräften an deutschen Bahnhöfen, Flughäfen und belebten Plätzen.

Der britische Premierminister Cameron sicherte Frankreich seine Solidarität zu, „Großbritannien werde tun, was immer wir tun können, um zu helfen".

Auf Youtube wurde ein Gedenksong von einem Mann aus Oberbayern in den sozialen Kanälen viral und hat mehrere Millionen Aufrufe.

Kein #prayforistanbul

Genauso wie bei Paris färbten sich auch bei Orlando die Profilbilder auf Facebook entweder blau-weiß-rot oder bunt. Die Menschen drückten ihren Zusammenhalt auch auf den sozialen Medien aus - #prayforparis oder #prayfororlando.

#prayforistanbul, ein Term des Zusammenhalts und der Unterstützung war auf den sozialen Kanälen mäßig vertreten. Ebenfalls mäßig wurden Kerzen vor der türkischen Botschaft angezündet. Grundsätzlich fiel die Solidarität sehr mäßig aus.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, erzählte der Rheinischen Post, dass er mehr Zusammenhalt und „eine internationale Anti-Terror-Initiative" fordere.

Wieso fehlt also der Zusammenhalt zwischen der Türkei und Deutschland?

Fakt ist, die Politik des türkischen Präsidenten Erdogan hat zu mangelnder Sympathie geführt.
Die Einschränkungen der Pressefreiheit wurden vielerorts, auch in Deutschland, als Akt der Diktatur eingestuft. Die Türkei ist auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 151 von 180.

Immer häufiger werden Journalisten willkürlich verhaftet.
2013 bezeichnete Erdogan den Mikroblogging-Dienst Twitter als „Unruhestifter" als die Regierungspolitik zu Unruhen im Land führte.

"der Westen liebt Muslime nicht"

Aussagen, wie der Westen „liebt die Muslime nicht", sondern hat es lediglich auf „Öl, Gold, Diamanten" abgesehen, führen zu Ärger und Groll.

Dieser Zorn wurde merkbar, als Jan Böhmermanns Satire Song in den sozialen Medien abnormal häufig geteilt wurde. Man sah ihn als den Mann, der den Mut hatte, das auszusprechen, was sonst keiner öffentlich gemacht hat.

Noch wütender wurden die Leute, als vom Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den Moderator erlassen wurde. Metaphorisch betrachtet, wurde der Held der Stunde vom Tyrann unrechtmäßig besiegt.

Die Missgunst gegen den türkischen Präsidenten wirkt sich auch auf das türkische Volk aus. Der Gedanke, es bestünde eine Verbindung zwischen der Politik Erdogans und der Denkweise der Türken, scheint sich zu etablieren.

Keine Solidarität "wegen Erdogan"

Auf die Frage, weshalb Istanbul nicht dieselbe Unterstützung erhielte wie Orlando oder Paris antwortete ein Facebook Nutzer: „wegen Erdogan".

Dabei hat Erdogan auch unter den Türken viele Gegner und vor allem die türkische Diaspora in Europa teilt seine Einstellungen nicht. Viele Frauen betrachten ihn als schlechten Präsidenten, da er Abtreibungen als „Mord" bezeichnet hat.

Trotz allem ist es falsch, ein ganzes Land nur auf seinen Präsidenten zu beschränken. Beispielsweise ist auch der demokratische Obama Präsident und dennoch gibt es für Trump eine Chance, gewählt zu werden.

Vor allem zu jetziger Zeit, die dominiert wird von Terroranschlägen und Extremismus, brauchen wir Zusammenhalt und Freundschaft. Durch Kooperationen könnte der Terrorismus effektiver bekämpft werden, der für die ganze Welt eine Bedrohung darstellt.

Die deutsch-türkischen Beziehungen haben eine lange Geschichte und sollten vor allem bei Terrorattacken nicht aufhören. Auch nicht „wegen Erdogan".

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