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Unsere Freiheit ist derzeit so bedroht, wie lange nicht mehr

11/03/2016 12:29 CET | Aktualisiert 12/03/2017 10:12 CET
Thomas Lohnes via Getty Images

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Zugegebenermaßen scheint der Gang zur Wahlurne nicht immer verlockend. Man möchte sonntags lieber ausnüchtern und Netflix schauen, statt in einem muffigen Klassenzimmer Kreuze auf einem Stück Papier zu machen. Hinzu kommt noch die weit verbreitete Annahme, dass es ohnehin keinen Unterschied mache, wen man wählt. Ein gefährlicher Irrglaube.

Um es hip und jugendgerecht mit der Rap-Combo K.I.Z auszudrücken: „Ihr könnt im Wahllokal ankreuzen wer den Puff besitzt, es bleiben immer die gleichen Freier denen ihr einen lutschen müsst". Drastische Worte, die jedoch vielen jungen Menschen aus der Seele zu sprechen scheinen. Dabei ist es schlichtweg falsch.

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"Rechte Parteien profitieren von rassistischer Grundstimmung"

Wie sehr Wahlen eben doch etwas ändern können und wie wichtig es für jeden Einzelnen von uns sein kann wer regiert, könnte uns erst dann schmerzhaft bewusst werden, wenn es zu spät ist.

Die Kommunalwahl in Hessen am vergangenen Sonntag hat bereits gezeigt, wie sehr rechte und rechtsextreme Parteien von der derzeitigen rassistischen Grundstimmung profitieren. Es wurde ganz gezielt das Lager rechtsaußen gewählt, die AfD erzielte Rekordergebnisse und wo sie nicht antrat, legte die NPD massiv zu. Obwohl AfD und NPD keine praktikablen Lösungsvorschläge bieten, sondern lediglich Ängste schüren und Minderheiten gegeneinander ausspielen, scheint genau das bei vielen Wählern anzukommen.

Doch nicht nur die sogenannte „Flüchtlingskrise" spielt diesen Parteien in die Hände, auch der hohe Anteil an Nichtwählern begünstigt die erschreckend hohen Wahlergebnisse für Rechtspopulisten und -extremisten. Denn je weniger Leute zur Wahl gehen, desto größer ist deren prozentualer Stimmenanteil. Die Folgen könnten für uns alle verheerend sein.

Die individuelle Freiheit ist bedroht

Denn aktuell haben wir mit Abstand die längste Phase demokratischen Zusammenlebens in Deutschland und gleichzeitig das höchste Maß an individuellen Freiheiten. Doch genau diese Freiheit ist derzeit so bedroht wie lange nicht mehr.

Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren Körper, die Gleichstellung von sexuellen Minderheiten oder auch Errungenschaften im Bereich der sozialen Absicherung, all das wird tagtäglich mehr und mehr durch die AfD und ihre Anhänger in Frage gestellt. Plötzlich scheinen rassistische, sexistische und homophobe Ansichten wieder salonfähig zu sein, selbst der Schießbefehl auf Flüchtlinge wird öffentlich diskutiert.

In dieser Zeit gibt es keine Ausreden mehr, wir alle müssen wählen gehen. Der gesellschaftliche Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte ist in Gefahr und wird gerade auch mit dem Stimmzettel verteidigt.

In dieser Zeit gibt es keine Ausreden mehr, wir alle müssen wählen gehen

Überhaupt gibt es keine Gründe, nicht wählen zu gehen. Oftmals bringen bekennende Nichtwähler als Argument, dass ihnen die politischen Zusammenhänge viel zu komplex seien und es sie zu viel Anstrengung koste, sich über die einzelnen Positionen der Parteien zu informieren.

Doch genau darum bieten fast alle größeren Parteien ihre Wahlprogramme mittlerweile auch in einfacher Sprache an, um ihre Forderungen für wirklich alle Menschen verständlich zu machen. Für wen selbst das Lesen einer solchen Broschüre noch zu viel Aufwand ist, der kann sich ja am Wahl-o-mat oder an ähnlichen Angeboten ausprobieren.

Schlechtes Wetter ist übrigens auch keine Ausrede, es gibt schließlich Regenjacken und ein bisschen frische Luft schadet niemandem. Also, machen Sie einen Spaziergang und tun Sie das Richtige.

Nichtwählen ist kein Akt der Rebellion

Lassen Sie sich dabei auch nicht beirren, ignorieren Sie Aufrufe zum Wahlboykott. Immer wieder hört man nämlich beispielsweise von Nichtwählern aus dem linken Spektrum, die am Wahlsonntag zu Hause bleiben und das ernsthaft als Akt der Rebellion darstellen. So unterstütze man nämlich nicht „das System".

Während diese Leute also lieber im Autonomen Zentrum sitzen und auf den Anarcho-Kommunismus warten, verhelfen sie so genau den Parteien zu mehr Prozenten, welche eine ernsthafte Bedrohung für die Rechte jener Minderheiten darstellen, die linke Aktivisten eigentlich schützen wollen.

Bitte, gehen Sie wählen. Denn die Leute, die in Clausnitz ankommende Flüchtlinge beschimpfen, gehen mit Sicherheit wählen. Auch jene, die Flüchtlingsheime anzünden, werden das Feuerzeug gegen den Kugelschreiber tauschen und zur Wahl gehen. Und wem die ganzen „besorgten Bürger", die montags in Dresden spazieren gehen, so ihr (Haken-)kreuz geben, kann man sich auch schnell ausrechnen.

Eines Tages werden uns unsere Enkel vielleicht fragen, warum wir es nicht verhindert haben, dass an den deutschen Grenzen auf Flüchtlinge geschossen wird. Zugegeben, es klingt wie ein Horrorszenario und nach einer drastischen Übertreibung, doch ganz so abwegig ist diese Vorstellung nicht. Wer dieses Szenario vermeiden will, muss wählen gehen.

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