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Warum Männer Depressionen so oft verstecken

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DEPRESSION
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"Sag etwas. Es ist Zeit über psychische Erkrankungen zu sprechen. Sag, was dir auf dem Herzen liegt."

Das ist der Slogan der "It's ok to talk-Kampagne", die Männer dazu aufruft, über ihre Depressionen zu sprechen.

Im Jahr 2014 haben sich 7.624 Männer das Leben genommen - und 2.585 Frauen. Dreimal mehr Männer. Aus Verzweiflung, Wut, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit. "Ich bin stark." "Ich darf nicht aufgeben." "Depressionen sind etwas für schwache Menschen!" - Das sind Sätze, die die Psychologen bei humly oft hören.

Frauen weinen, Männer schweigen

Während Frauen dazu tendieren, sich im Krankheitsfall aktiv Hilfe zu suchen und nach Unterstützung sowie Behandlung zu fragen, zeigen Männer oft ein weniger hilfesuchendes Verhalten. Sie ziehen sich zurück, verdrängen und schweigen.

Eine Ursache dafür ist häufig, dass Depressionen nicht in das traditionelle männliche Rollenbild passen, welches Stärke, Unabhängigkeit und Dominanz suggeriert. Das führt dazu, dass Männer die Symptome einer Depression häufig auf allgemeinen Stress und ihre Arbeitsbelastung zurückführen.

Unterschätzung der Krankheitsanzeichen

Eine Depression bleibt bei Männern auch deshalb oft unerkannt, weil Männer häufig Symptome zeigen, die teils gar nicht mit der Krankheit assoziiert werden: Aktionismus und gesteigerter Arbeitseifer, Aggressionen, Wut, riskantes Verhalten (schnelles Autofahren, ausschweifendes Sexualleben).

Auch der erhöhte Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln kann ein Weg sein die typischen depressiven Symptome wie Grübeln, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit abzuwehren.

Darüber hinaus führt eine Depression bei Männern oft zu körperlichen Beschwerden wie Schmerzen in verschiedenen Bereichen des Körpers, Atembeschwerden, Erschöpfung, Schwindel, Beklemmungen in der Brust und Herzrasen.

Späte Diagnose

Eine depressive Erkrankung bei Männern wird dadurch oft maskiert und seltener diagnostiziert. Depressionen gelten im Allgemeinen zwar als gut behandelbar, allerdings nehmen sie unerkannt und unbehandelt in ihrer Schwere und der Dauer der Episoden zu und können im schlimmsten Fall in einem Suizid münden.

Eine frühzeitige Therapie bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten ist daher von besonderer Bedeutung. Je nach Schweregrad und Verlauf kann eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung sinnvoll sein.

Rede darüber, schaffe Bewusstsein, achte auf Dich

Männer sind gerade dann stark, wenn sie ihre Grenzen und Schwächen kennen und Hilfesuchen als wichtige Erfahrung in ihr eigenes Leben integrieren können. Eine wichtige Maxime mit der die Vorboten einer Depression bei Männern bekämpft werden können, kann daher lauten: Rede darüber, schaffe Bewusstsein, achte auf Dich.

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