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Yeah,Yeah,Yeah

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BEATLES
Sharondipity Photography via Getty Images
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Ein neuer Kino-Film bringt die legendären Beatles zurück und gibt die Gelegenheit zu einer kleinen Zeitreise in die eigene Vergangenheit.

Von Armin Fuhrer

Ich kann mich noch genau an diesen Tag erinnern, im August 1976. Es war ein schöner Sommertag und mein 13. Geburtstag. Ich hatte meistens das Pech, in den Sommerferien Geburtstag zu haben, deswegen wurde die Feier mit den Freunden immer auf später verschoben. An diesem Tag kam meine Oma.

Als Geschenk brachte sie mir Geld mit, 20 DM. „Kauf dir was Schönes", sagte sie mir. Was das sein würde, darüber musste ich überhaupt nicht nachdenken. Ich raste mit dem Fahrrad in die Stadt, begab mich in einen Plattenladen und kaufte „The Beatles 62-66". Für Kenner - es war das rote Doppelalbum.

Flugs fuhr ich wieder nach Hause, verzog mich in mein Zimmer und legte die erste der beiden Vinylscheiben auf den Plattenteller. Es war ein elektrisierender Moment. Ich hörte Songs wie „She loves you", „I want to hold your hand", „Help" oder „Yesterday". Ich war völlig aus dem Häuschen und wusste gar nicht, wohin mit meiner überschäumenden Begeisterung. Das berühmte „yeah, yeah, yeah", das war einfach überwältigend, mitreißend.

Ich glaube, ich habe die nächsten sechs, sieben Stunden die Songs auf diesem Doppelalbum immer und immer wieder gehört. Unterbrochen nur noch vom Abendessen im Familienkreise, vor dem ich mich nicht drücken konnte - es war ja schließlich mein Geburtstag. Ich habe mir bald danach auch das blaue Doppelalbum gekauft, „The Beatles 67-70".

Die Musik ist reifer, viele Songs komplizierter, vielleicht für einen 13jährigen ein bisschen zu sehr. Aber nicht für mich: Das blaue Album löste exakt die gleichen Gefühle wie das erste bei mir aus.

In den folgenden Jahren kaufte ich, je nachdem, was mein Taschengeld so zuließ, die anderen Alben der Beatles. An jenem Tag im August 1976 war eine Liebe entstanden, die bis heute, 40 Jahre später, ungebrochen ist und nicht von einiger einzigen Krise beeinträchtigt wurde.

Klar, dass ich es kaum erwarten konnte, den neuen Beatles-Film in Kino zu sehen - „Eight Days a Week - The Touring Years". Es geht in diesem Film um die ersten Jahre der Fab Four, die bis heute als erfolgreichste Band der Geschichte der Popmusik gelten. Und als die beste, nicht nur in meinen Augen. Es geht um die frühen Beatles, um ihre Auftritte, um die wilden Jahre der „Beatlemania", als Mädchen in aller Welt in einen kollektiven Wahnsinn verfielen. Und nicht nur die.

Der Film, der jetzt in den Kinos läuft und beeindruckende Aufnahmen zeigt, beleuchtet die Entwicklung von John Lennon, Paul Mc Cartney, George Harrison und Ringo Star vor allem in den Jahren 1963 bis 1966. Zunächst erlebt der Zuschauer vier junge Männer, die fassungslos erleben, was sie mit ihrer mitreißenden, aus heutiger Sicht schönen, aber doch harmlosen Musik anrichteten. Sie genießen den Ruhm, die Hysterie, die umjubelten Auftritte, die Interviews.

Vor allem, als sie auch in den USA ganz oben stehen. Tatsächlich schaffte die Band es, die Chart-Plätze eins bis fünf zu belegen - ein nie wieder erreichter Rekord.

Doch langsam beginnt der Stress an den Jungs zu nagen. Die Gruppe kommt kaum dazu, in Ruhe das zu tun, was ihnen letztlich doch am wichtigsten ist: ins Studio gehen, Songs komponieren und aufnehmen. Es ist eigentlich unglaublich, das fast nebenbei Klassiker wie „Yesterday", „Nowhere Man" oder „Girl" entstehen oder „Eleonore Rigby", der vielleicht erste Song, mit dem das Erfolgsduo Lennon/Mc Cartney zu experimentieren anfängt.

Unübersehbar setzt allmählich ein Umdenken ein, das Leben als Beatle beginnt die vier zu frustrieren. Es macht sich der Wunsch nach mehr Ruhe breit. Das Umfeld hat kein Verständnis dafür - weder Manager George Martin noch die Presse und natürlich schon gar nicht die Fans. Noch vermag der Ruhm einiges zu überdecken - im australischen Adelaide warten 250 000 Fans, nur um die Beatles auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum zu begrüßen.

Umso länger der Film dauert, umso melancholischer wird er. Erst ist es George Harrison, der während der tumultösen US-Tour im Sommer 1966 deutlich macht, dass ihm alles zu viel wird. Die Presse in den USA stellt sich gegen die Beatles, nachdem John Lennon eher nebenbei behauptet hatte, die Band sei „bekannter als Jesus".

Es gab Plattenverbrennungen, Schmähungen im Radio, eine Bombendrohung. Dann will auch Lennon nicht mehr. Ende August 1966 geben die Beatles ihr letztes Konzert - was zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand weiß, nicht einmal die vier selbst.

Sie kehren zurück nach England und tüfteln an dem legendären Album „Sgt. Pepper`s Lonely Hearts Club Band". Musik entsteht, die technisch zu dieser Zeit gar nicht auf die Bühne zu bringen ist - beim berühmten Konzert im Shea Stadium In New York trat die Band mit einer 100 Watt-Anlage vor damals unglaublichen 56 500 kreischenden Zuschauern auf, die die Musik nur über die Stadionlautsprecher hören konnten.

Den Jungs auf der Bühne gings genauso: „Ich schaute immer auf die Hintern von John, George und Paul und sah, wie sie wackelten, dann wusste ich, an welcher Stelle eines Songs wir gerade waren", erzählt Drummer Ringo Starr im Film.

Der Film ist eigentlich hier zu Ende. Die ganze Entwicklung bis hin zur Trennung 1970 lässt er weg. Fast. Denn ein Konzert gaben die Beatles schließlich doch noch, und davon zeigt auch der Film nochmal Bilder: 1969 auf dem Dach des Hochhauses ihrer Plattenfirma in London.

Das war nicht angekündigt, es war just for fun - und die Menschen unten auf der Straße, die die Musik hören und nach oben schauen, staunen nicht schlecht.

Am Ende des Films wird das 30 Minuten dauernde Konzert aus dem Shea Stadium in voller Länge gezeigt. Zusätzlich zum Film bringt die Plattenfirma ein Album wieder auf den Markt, das seit mehr als 30 Jahren nicht mehr zu kaufen war: „The Beatles live at the Hollywood Bowl".

Für ältere Musikfans sind Film und Album eine Reise in ihre Vergangenheit, jüngere können hier hautnah erleben, wo die Popmusik ihre Anfänge hat. Immerhin: Bis heute berufen sich viele junge Bands auf die Beatles.

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