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Rumer: This Girl´s in Love. A Bacharach & David Songbook - CD-Kritik

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bernardbodo via Getty Images
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Von Armin Fuhrer, Journalist

Eigentlich wird Rumer ja für gewöhnlich nicht ohne Grund mit Karen Carpenter verglichen, dem verstorbenen weiblichen Part des US-amerikanischen Popduos The Carpenters, das in den siebziger und achtziger Jahren mit softer, sanfter Popmusik und einigen echten Ohrwürmern Erfolge feierte. Doch die 37-Jährige, die mit richtigem Namen Sara Joyce heißt, hat schon lange ein Faible für einen der ganz Großen der Unterhaltungsmusik: Burt Bacharach.

Der heute 88-Jährige hat einige der bekanntesten Songs der Popmusik komponiert. Darunter Klassiker wie „The look of love" oder „Walk on by". Wie viele Künstler haben sich an diesen Songs wohl mit mehr oder weniger großem Erfolg schon versucht? Auch Rumer gehörte schon vor ihrem neuen Album dazu.

2010 brachte sie eine Single „Rumer sings Bacharach at Christmas" heraus. Und zwei Jahre später gehörte sie zu den eingeladenen Künstlern, die ein besonderer Gastgeber an einen besonderen Ort eingeladen hatte - nämlich Barack Obama ins Weiße Haus.

Jetzt aber schlägt sie voll zu. Dieser Tage erscheint ihr viertes Album. Es heißt „This Girl´s in love. A Bacharch & David Songbook". Wie der Untertitel bereits sagt, handelt es sich um eine Sammlung von Songs von Burt Bacharach und seines vor einigen Jahren verstorbenen Texters Hal David. Es ist nicht ihr erstes Werk mit Coverversionen berühmter Stücke. Ihr Album „Boys don`t cry" aus dem Jahr 2012 versammelte soulige Hits aus den Siebzigern.

Darunter sind natürlich einige der ganz großen Hits, aber auch ein paar unbekanntere Stücke. Das macht Rumers Album viel mehr zu einer echten Hommage als die meisten anderen und drückt eine ganz besondere Nähe zu ihrem Idol aus. Immerhin hat Rumers Ehemann früher als Musical Director für Bacharach gearbeitet. Dass der Meister schließlich ins Studio kam und bei „The look of love" das Klavier bediente, fasst Rumer als echte Ehre auf. Wohl sicher zurecht.

Um es klar zu sagen: Wer revolutionäre Neuerungen erwartet, sollte nicht zu diesem Album greifen. Die Frage ist aber auch, ob es nicht eine Vergewaltigung dieser grandiosen Stücke wäre, ihnen einen völlig neuen Stil überzustülpen. So bleibt Rumer nahe am Original, wenn sie Bacharach interpretiert; und doch gelingt es ihr, den Liedern einen eigenen Stempel aufzudrücken. Das fällt ganz besonders beispielsweise bei „What the world needs now is love" auf. Nein, Rumer ist eben keine Dusty Springfield und keine Dionne Warwick, um bei den klassischen Bacharach-Interpretinnen zu bleiben.

Und das ist auch gut so. Es gelingt Rumer aber immer wieder, doch den schmalen Weg zu finden, auf dem sie gekonnt auf den Melodien und Arrangements flaniert. Wer „The look of love" in der Fassung von Dusty Springfield schätzt oder beispielsweise die dahingehauchte und breit orchestrierte Version von Diana Krall liebt, wird wohl auch kaum bei Rumer enttäuscht werden.

Ihre Version wiederum ist zurückgenommen, auf das Wesentliche beschränkt, wirkt irgendwie bescheiden. Damit gibt der Einstiegssong die Richtung auch für die restlichen elf Songs vor. Sie alle gleiten gemächlich durch den Raum, ohne überflüssige Schnörkel, und man tut ihnen Bacharach-Songs grundsätzlich Unrecht, wenn man sie als „Fahrstuhlmusik" tituliert, wie das immer mal wieder geschieht.

Wer diese Songs so hört, ist nur zu faul, wirklich hinzuhören. Nur wer sich Zeit nimmt, sich in die Stücke hineinhört, wird die Welt des Burt Bacharach ergründen. Und wer sie schon kennt, wird auf diesem schönen Album von Rumer mit weichen Linien und gemalten Welt neue Farben erspüren.

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