BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Armin Fuhrer Headshot

Ein Klassiker feiert Geburtstag das wohl wichtigste Album der Popmusik bis heute

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BEATLES
Sharondipity Photography via Getty Images
Drucken

Die Voraussetzungen waren eigentlich gar nicht gut, um dieses Kunstwerk zu schaffen, mit dem die Beatles sich endgültig aus ihrem Status als wilde, aber nette Boyband herauskatapultierten. Die vier Bandmitglieder waren ziemlich unten, als sie im Dezember 1966 in die Abbey-Road-Studios gingen, um ihr neues Album aufzunehmen.

Sie hatten sich einige Monate zuvor entschlossen, nicht mehr auf Tournee zu gehen, weil sie all den Stress, der damit verbunden war, nicht mehr ertragen konnten und wollten. Der Erfolg hatte im ablaufenden Jahr 1966 eine erste kleine Delle bekommen, es gab Kritik an der Band und John Lennon, Paul Mc Cartney, Ringo Starr und Georg Harrison waren psychisch gestresst.

Doch all das schien die Fab Four irgendwie anzustacheln. Und immerhin waren sie vom lästigen Tourstress befreit und konnten sich auf die Musik konzentrieren. Dass tatsächlich aber das wohl einflussreichste Album der Pop-Geschichte bei ihren Aufnahmesessions herauskommen würde, damit hatten sie wohl selbst nicht gerechnet.

Doch genau das wurde „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band". Dieser Befund gilt auch exakt 50 Jahre nach seinem Erscheinen am 1. Juni 1967 noch immer. Um dieses Datum angemessen zu würdigen, hat die Plattenfirma das Album jetzt als Anniversary Edition als Doppel-CD neu herausgebracht - erweitert durch bislang unveröffentlichte der Versionen sowie ein Booklet.

Daneben kommen verschiedenen weitere Editionen, die unter anderem auch Videomaterial enthalten. Für eingefleischte Beatles-Fans fast schon ein Muss, zumal die neu beigefügten Versionen sich auch nicht auf den drei „Anthology"-Doppelalben finden, die in den 90er Jahren erschienen und viel unveröffentlichtes Material enthielten.

„Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band" war eines der ersten Konzeptalben überhaupt, und es stand am Anfang der psychedelischen Rockmusik; es gab perfekt den Spirit der Zeit wieder - jenes „Sommers der Liebe 1967", in den das Album mit seinem Erscheinen platzte. Vor allem war es der Sprung in ein neues Zeitalter der Popmusik.

Das Album war dermaßen aufwendig produziert - unter anderem mit einem vierzigköpfigen Orchester - dass es zur damaligen Zeit unmöglich war, es auf der Bühne zu spielen. Es knüpfte an den Vorgänger „Revolver" an, bis dahin das mit Abstand ambitionierteste Album der britischen Band. Schon auf diesem Album, das im August 1966 erschien, hatte die Band sich musikalisch hervorgewagt und experimentiert.

Herausgekommen waren für damalige Zeiten ungewöhnliche Songs wie „Eleonore Rigby" oder „Yellow Submarine". Paul Mc Cartney gestand später aber unumwunden ein, dass sein Vorbild für das neue Album ein anderer Longplayer war: "Pet Sound"s von den Beach Boys. „Ohne dieses Album hätte es auch Sgt. Pepper nie gegeben", sagte er später.

Eine große Rolle spielte Beatles-Produzent George Martin, der viele der technischen Tricks beisteuerte und auf dessen Konto viele der ausgefallenen Ideen des Albums gehen. Er avancierte damit quasi zum fünften Beatle. Die Tatsache, dass das berühmte Album Cover, auf dem neben den Beatles 70 Berühmtheiten abgebildet waren, ebenfalls zu einer Ikone wurde, sei nur am Rande erwähnt.

„Sgt. Pepper" sprang bereits vor seinem Erscheinen auf Platz der US-Album-Charts, und es erreichte diese Position unter anderem auch in England und Deutschland. Auf dem Album finden sich neben dem mitreißenden und auffordernden Titelsong Klassiker wie das melodiöse „With a little Help from my friends", das psychedelische „Lucy in the Sky with Diamonds", „When i`m sixty-four" und „A day in the life", das wie eine kleine Sinfonie daherkommt.

Heute kaum noch vorstellbar, dass zwei der berühmtesten Beatles-Songs, nämlich „Penny Lane" und „Strawberry fields forever" schon einige Monate vor dem Album erschienen waren und in vielen Ländern auf Platz eins kletterten - auf dem Album aber gar keine Aufnahme fanden. Und das gilt auch für einen anderen der berühmtesten Stücke der Fab Four: „All you need is love". Der Song erschien wenige Woche nach dem Sgt. Pepper-Album ebenfalls lediglich als Single.

„Sgt. Pepper`s Lonley Hearts Club Band" wurde zu einer Hymne der Flower-Power-Bewegung, die in jenem Jahr 1967 den „Sommer der Liebe" feierte. Es war von dieser flirrenden Atmosphere, die die Hippies vor allem von den USA seit ein, zwei Jahren ausstrahlten inspiriert, wie Paul Mc Cartney berichtete.

So geriet das Album auch in den Strudel der Auseinandersetzungen, die zwischen den Blumenkindern und der etablierten Gesellschaft tobten: „Lucy in the Sky with Diamonds" wurde wegen der Anfangsbuchstaben LSD vorgeworfen, Werbung für diese Droge zu machen, die gerade ganz groß aufkam. Das gleiche Schicksal erlitt „A day in the Life" - beide Songs wurden deshalb von manchen Radiostationen boykottiert. Die Beatles haben stets jeden Zusammenhang zwischen ihren Stücken und dem Konsum von Drogen strikt dementiert.

„Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" war ganz zweifellos der musikalische Höhepunkt der Beatles; 1967 wurde wider Erwarten ihr Jahr, sie erreichten eine Kreativität, wie sie ganz gewiss nicht vorher, aber möglicherweise auch nie danach eine Popband erreichen sollte. Danach produzierte die Band zwar weitere Pop-Klassiker und Ohrwürmer im besten Sinne des Wortes - aber der langsame Abstieg, den George Martin schon 1966 befürchtet hatte, setzte tatsächlich unaufhaltsam ein. 1970 trennte sich die Band.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.