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Wie ist es so als Papst?

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THE SCHOLASTIC
Jorisvo via Getty Images
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Ich habe mich bereit erklärt, mich einem Interview durch einen Praktikanten unseres Media Centers in Boston zu stellen. Steven braucht dies für seine Praktikumsbescheinigung. Dies zur Entstehung dieses Gesprächs, das im Original auf Englisch geführt wurde. Übersetzt hat Sabine Wieland.

Steven: Eure Eminenz, danke, dass Sie Zeit finden.

Elias I.: Nenn mich bitte einfach Elias. Titel sind nur Schall und Rauch.

Steven: Ok, danke. Aber dann stellt sich doch direkt die Frage, wozu es in dieser und anderen Kirchen solche Titel gibt?

Elias I.: Das ist in der Tat eine berechtigte Frage. Aus biblischer Sicht sind wir alle einfach Brüder und Schwestern. Mehr bedarf es eigentlich nicht. Warum andere Kirchen ihre Titel haben, müsstest Du diese fragen. Bei uns ist es die Erkenntnis, dass unsere Gläubigen das einfach von uns erwarten. Wir sind, die genauen Zahlen kennt ihr hier im Media Center besser als ich selbst, vor allem in Afrika und Asien unglaublich stark vertreten. Dort erwartet man schlicht und ergreifend, dass eine ordentliche Kirche auch einen ordentlichen Klerus hat. Den haben wir und deshalb auch die traditionellen Titel. Nicht für unser Ego, sondern um den Bedürfnissen unserer Gläubigen gerecht zu werden.

Steven: Als Du die Kirchenleitung übernommen hast, war die Christian Universal Life Church eine kleine Gemeinde in Toronto. Heute ist die Kirche in einem exponentiellen Wachstum, sowohl im Bereich Social Media, aber auch im realen Leben. Hausgemeinden an den unmöglichsten Orten entstehen jeden Tag. Ich war jetzt 3 Monate Praktikant hier, aber ehrlich, ich verstehe nicht, woher diese Dynamik kommt.

Elias I.: Der Heilige Geist weht wo er will. Keiner von uns hat mit einer solchen Bewegung gerechnet. Natürlich freuen wir uns und danken dem Herrn dafür. Aber ich denke, es gibt zwei Gründe für unseren fast abenteuerlich schnellen Aufstieg zu einer kleinen Weltkirche. Erstens sind wir eine dezidiert libertäre christliche Kirche. Offenbar gibt es genau danach ein starkes Sehnen bei vielen Menschen rund um den Erdball. Eine Kirche, die ermutigt und ermächtigt, ohne erhobenen Zeigefinger, auf das Geistliche konzentriert und ohne sich in die Lebensführung der Gläubigen einzumischen. Dann gibt es aber sicher den zweiten Faktor, dass viele Menschen spüren, dass wir eben kein versteinerter "alter Laden" sind, sondern auch selbst jeden Tag mit neuem Staunen angehen. Das überträgt sich, glaube ich, und macht Menschen Mut, mit unserem Rückenwind und Know-how vor Ort Gemeinden aufzubauen.

Steven: Warum klappt das eigentlich weltweit, nur nicht in Europa? Ich habe vorhin nochmal in die aktuellen Zahlen geschaut. Alleine in der Stadt Kabul in Afghanistan haben die Untergrundkirchen der Christian Universal Life Church mehr Gläubige als in ganz Frankreich oder Deutschland.

Elias I.: Ja, diese bewegenden Zahlen kenne ich und habe schon oft über diese Frage gebetet, denn wirklich kann sie sich auch bei uns im Klerus niemand erklären. Da gefährden lieber Menschen an Orten wie Kabul oder auch in Libyen ihre Existenz, um der Lehre Jesu zu folgen, während in Europa Kirche keinen interessiert. Das bewegt uns alle.

Steven: Und kam eine Antwort auf Deine Gebete?

Elias I.: Du meinst, ob da oben im Himmel der Kundendienst auf meine Gebete geantwortet hat?

Steven: Ähm... Ich wollte nicht unhöflich sein, aber ja, so in der Art?

Elias I.: Wenn man über ein Problem oder eine Frage betet, können sich in der Tat neue Gedanken bilden. Der Heilige Geist weht, wo und wie er will, ich sagte es bereits. Nach einer meiner Gebetsmeditationen hatte ich den Impuls, dass die etablierten Kirchen in den westlichen Ländern, vor allem in Teilen Europas so viel kaputt gemacht haben, dass alleine die Worte "Kirche" und "Christentum" bei vielen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Die Protestanten haben sich stark verweltlicht und mischen sich mehr in politische Fragen ein als dass sie eine spirituelle Heimat bieten. Was die katholische Kirche auf dem Kerbholz hat, muss ich nicht ausführen. Hinzu kommt speziell in Deutschland, wo meine elterlichen Wurzeln liegen, das Problem, dass Staat und Kirche nicht so sauber getrennt sind, wie Jesus Christus uns dies mitgegeben und aufgetragen hat. In Deutschland sammelt sogar der Staat für die beiden so genannten "großen" Kirchen die Mitgliedsbeiträge als Steuer ein. Ein aus meiner Sicht katastrophaler Zustand. Als Konsequenz halten die Deutschen alles was abseits dieser "Staatskirchen" abläuft für grundsätzlich suspekt oder gar als Sekte. Freikirchen haben es dementsprechend gerade in Deutschland schwer, auch wenn sie noch so liberal sind wie wir. Bei uns kann man ja sogar ohne weitere Nachricht austreten. Trotzdem wird man mehr als kritisch behandelt. "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht", ist ein sehr deutsches Sprichwort. Kein schönes, aber ein vermutlich wahres.

Steven: Nein, das ist wirklich keine schöne Phrase. Also bedeutet das, in Deutschland gibt es Staatskirchen?

Elias I.: Nein, das nicht. Aber die Sphären zwischen der so genannten "Evangelischen Kirche in Deutschland", der katholischen Kirche und dem Staat sind nicht so sauber getrennt, wie dies biblisch wünschenswert wäre.

Steven: Mal was anderes. Wie ist es eigentlich so als Papst?

Elias I.: Keine Ahnung, dass müsstest Du Franziskus in Rom fragen.

Steven: Ich meinte Dich!

Elias I.: Na, also... bitte! Ich bin kein Papst und habe auch nicht vor, diesen verstaubten Posten anzustreben. Dazu habe ich alleine schon meine Frau viel zu lieb. Viel lieber als die gesamte katholische Kirche.

Steven: Ganz im Ernst, wie ist es, plötzlich der Leiter einer, wie Du es eben nanntest, "kleinen Weltkirche" zu sein.

Elias I.: Anfangs etwas surreal, aber man gewöhnt sich daran. Ich habe das Glück, einen fantastischen Klerus, eine Führungsmannschaft um mich zu haben, die mit Gold nicht aufzuwiegen ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich sogar an das Brimborium, das einem bei Auslandsbesuchen in manchen Ländern zuteil wird. Ich habe oft den Eindruck, es geht dabei oft weniger darum, mich oder unseren Klerus auf ein Schild zu heben, sondern um das Erfüllen von Traditionen, die sich für die Menschen vor Ort gut und richtig anfühlen. Seit ich diesen Eindruck gewonnen habe, gehe ich auch mit diesen Ehrerbietungen würdevoll aber doch sehr sportlich um.

Steven: Die Christian Universal Life Church nimmt keine Gebühren, keine Spenden, wächst wie irre über Hauskirchen, Bibelkreise und im Internet. Wie lange kann das gut gehen?

Elias I.: So lange der Herr es möchte.

Steven: Wirklich so planlos?

Elias I.: Hast Du in Deiner Zeit hier nichts gelernt? (lacht) Jetzt aber im heiligen Ernst. Sicher gibt es Pläne, aber diese werden nicht im Diesseits gemacht. Ich versuche, die Kirche im Sinne des Heiligen Geistes zu führen und sie nicht als eine Art Unternehmung zu sehen. Das war sie nie und das wird sie nie sein. Wenn ich sage, ich zähle mich zu Gottes Bodenpersonal, dann steckt schon in "Boden" und "Personal" eine demütige Haltung, die ich auch von den anderen Mitgliedern des Klerus verlange. Wer abhebt, muss gehen.

Steven: Rein rational betrachtet wird diese Kirche dennoch früher oder später ohne Geldquellen nicht auskommen. Irgendwann gehen die Freiwilligen doch aus, zum Beispiel, wenn der Reiz des Neuen weg ist.

Elias I.: Falsch! Es wäre ihr Untergang, Gelder in irgendeiner Form in das Geschehen zu holen. Wenn es rational zugehen würde, in jenem Sinne, in dem Du das Wort gerade benutzt hast, dürfte es uns gar nicht geben. Dennoch hast Du gerade ein rundum korrektes Praktikum bei einer der am schnellsten wachsenden Kirchen gemacht und bist dabei nicht verarmt. Richtig?

Steven: Richtig.

Elias I.: Es ist keine Sprechblase, wenn ich sage, der Heilige Geist führt uns - und der braucht kein Geld, sondern Engagement, Liebe, Freude und Demut.

Steven: Eine letzte Frage. Was ist die wichtigste Botschaft, die bei den Gläubigen ankommen soll?

Elias I.: "Fürchte Dich nicht. Denn Du bist nicht allein." Dieses biblische Motiv war noch nie so wichtig wie heute in dieser Welt einer katastrophalen Unordnung. Deswegen nehmen wir als einzige christliche Kirche weltweit übrigens auch Andersgläubige als Mitglieder auf. Denn niemand, niemand, niemand soll sich fürchten oder alleine fühlen müssen. Das ist der Kern unserer Mission.

Steven: Ich danke Ihnen, Eminenz. Und Dir Elias als Mensch für das kreative Chaos, das Du in diese Organisation trägst.

Elias I.: Schon gut... Ich wünsche Dir einen gesegneten weiteren Lebensweg.

Webseite der Christian Universal Life Church International und in deutscher Sprache.

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