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Mehr Transzendenz wagen?

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Von Sister Jemima (Ordensname), Leiterin der Christian Universal Life Church in Deutschland.

Warum wenden sich so viele Menschen von "der Kirche" ab und sind doch auf die eine oder andere Weise gläubig? Weshalb suchen sie ihr Heil in der Esoterik, in fernöstlichen Weisheitslehren und anderen uns fremden Glaubenssystemen, die wir im Grunde gar nicht durchschauen?

Die Antwort ist ebenso einfach wie unangenehm; weil "die Kirchen" hierzulande, vor allem die evangelische, verlernt haben, den Menschen genau das zu geben, wonach ihr Herz sucht: Transzendenz.

Waren sie schon einmal auf einem evangelischen Kirchentag? Machen Sie es, erlauben Sie sich den Selbstversuch. Es erinnert dort alles mehr an einen politischen Parteitag der Grünen als an ein religiöses Ereignis. Nichts gegen die Grünen, aber ist es wirklich gesund, wenn eine Kirche sich derart verweltlicht und politisiert?

Schon Jesus wurde diesbezüglich deutlich, wie die Bibel zu berichten weiß. "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist", lautet seine Aussage. Der christliche Messias höchstpersönlich hat also die Trennung von Glaube und Staat verordnet. Jede Verquickung beider Sphären, von der die Geschichte überquillt, war im Grunde ein grober Verstoß gegen das Wort Jesu.

Gehen Sie auf eine beliebige Esoterikmesse. Sie werden bemerken, dass die Menschen fast verzweifelt nach transzendentem Halt suchen. Dann besuchen Sie einmal einen evangelischen Gottesdienst. Wenn ihre Sehnsucht nach metaphysischen Antworten danach gestillt sein sollte, haben sie sehr viel Glück gehabt. Sie werden dort in der Regel auf alles stoßen, nur nicht auf das Übersinnliche in der religiösen Bedeutung des Wortes.

Als christliche Glaubensgemeinschaften müssen wir die Suche der Menschen nach transzendenten Antworten wieder ernster nehmen, viel ernster. Nicht, indem wir behaupten, wir wüssten alles. Aber indem wir unser Spielfeld im Raum Gottes sehen und nicht in politischen Fragen oder anderen Zielen.

Papst Benedikt XVI. hat dies vor einigen Jahren erkannt und der katholischen Kirche als Aufgabe mitgegeben, sich zuallererst um das Seelenheil zu kümmern und erst in zweiter Linie um das Weltliche. Doch ob jeder den Kern seiner Botschaft verstanden hat? Eher nicht, wie die ratlose Rezeption seiner Vorgabe nahelegt.

Wir haben also als christliche Glaubensgemeinschaften die Wahl: entweder wir kümmern uns wieder mehr um das Seelenheil, die Suche nach Transzendenz - oder wir überlassen das Feld der Esoterik, den Sekten oder anderen Religionen. Das kann wollen wer will. Wir auf jeden Fall nicht.

Webseite der Christian Universal Life Church Deutschland.

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