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Legen Sie sich doch mal eine Meinung zu...

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JESUS CARRYING CROSS
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Wer heutzutage gegen etwas ist, der nennt diese Haltung "Kritik". Wissen Sie was? Das ist feige und es ist hinterhältig. Gegen etwas zu sein ist legitim. Ich kann zum Beispiel gegen die Ausbeutung von Arbeitskräften in der Dritten Welt sein. Ich kann es auch blöd finden, dass mein Nachbar ein flotteres Auto fährt als ich oder dass mein Jugendfreund fünfmal so viel verdient wie ich. Damit kann ich hadern, mich ärgern und es ablehnen.

Aber Kritik? Kritik setzt voraus, dass ich etwas besser weiß. Ich erhebe mich in diesem Moment über meinen Mitmenschen, wenn ich Kritik übe. Ich weiß es in diesem Moment scheinbar besser. Und das ist falsch, denn wir haben kein Recht dazu, uns über andere zu erheben. Das ist nicht nur unchristlich, es ist unmenschlich.

Natürlich kann man bei einer Einladung zum Abendessen den Gastgebern sagen, dass man ihren Wein nicht trinken möchte, weil er einem ganz persönlich einfach nicht zusagt. Doch Kritik daran zu üben, dass der Gastgeber diesen Wein anbietet, das ist überheblich, dreist und in jeder nur erdenklichen Form unchristlich.

Mit dem Christentum ist das nämlich so eine Sache. Es ist nicht das, was die meisten Leser aus dem Religionsunterricht kennen. Dort wird eine Interpretation gelehrt, doch das Christentum ist eine große Familie vieler verschiedener Kirchen und Glaubensinterpretationen. Und wenn man einfach mal zweitausend Jahre "Theologie" beseite lässt, die Bibel zur Hand nimmt und ihren christlichen Kern, die vier Evangelien, liest... tja, dann merkt man, dass dieser Jesus ein libertärer Revolutionär war, ein radikal Ehrlicher mit Respekt vor dem Individuum, vor jedem einzelnen Menschen, so wie er eben ist.

Klipp und klar, unmissverständlich selbst für den Begriffsstutzigsten, steht in den Evangelien, dass man niemals, nie, nie, nie über seinen Nächsten richten soll - und dass man zur Meinungsbildung sich nur zweier Worte bedienen sollte. Ja und Nein. "Dein Ja sei ein Ja, Dein Nein sei ein Nein". Mut zur subjektiven Wahrhaftigkeit statt moralisierendem Gewäsch, das ist die Botschaft. Da braucht man dann auch nicht schwören oder belehren oder debattieren. Ja oder Nein. So einfach soll es sein.

Sparen Sie sich also in Zukunft Ihre ach so objektiven Kritiken an Ihren Mitmenschen und legen Sie sich eine gepflegte subjektive Meinung zu. Und dann gilt leben und leben lassen. Denn Kompromisse sind am Ende immer etwas das niemand wollte und an das keiner glaubt. Verschiedene persönliche Auffassungen können wunderbar miteinander koexistieren. Und was Ihr Nächster tut, geht Sie moralisch einfach nichts an. Denn, auch wenn ich Sie enttäuschen muss: Sie sind nicht Gott der Vater. Und nur der darf richten. Streichen Sie also das Kritisieren aus Ihrem Wortschatz und akzeptieren Sie sie Vielfalt der Meinungen. In diesem Sinne müssen Sie jetzt auch mit meiner Meinung leben. Viel Spaß damit.

Die deutschsprachige Webseite der liberalen Christian Universal Life Church.

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