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Kirche ist unten durch...

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CHURCH PRAY MAN
Jupiterimages via Getty Images
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Der Atlantik wird gr├Â├čer, und das meine ich weder geografisch noch tektonisch. Spirituell tut sich ein Riss auf zwischen Europa, Nordamerika und dem Rest der Welt. Ich leite eine international t├Ątige Freikirche mit etwa einer halben Million Menschen, die entweder Mitglied oder uns als registrierte Follower treu sind. Nur rund zweitausend davon stammen aus Nord- oder Westeuropa und das ist kein Zufall.

Zwar bin ich Deutscher, aber ich lebe mit meiner Familie und arbeite in Kanada, bin beruflich aber auch in den Vereinigten Staaten und in Deutschland unterwegs. W├Ąhrend uns fast ├╝berall die Menschen als Kirchenleute Respekt entgegenbringen, bin ich dazu ├╝bergegangen, in Deutschland meinen Beruf im Alltag zu verschweigen. Religion ist, so mein Eindruck, hierzulande unten durch. Spiritualit├Ąt in Form von Esoterik mag noch manche Menschen erreichen, doch auch hier ist der Gipfel weit ├╝berschritten. Wir erleben eine Verweltlichung ungekannten Ausma├čes.

Ist das schlimm? Aus Sicht eines Menschen, dessen Leben der Glaube ist, nat├╝rlich, ja. Aber es ist auch verst├Ąndlich, wenn man sich die kirchliche Landschaft in Deutschland ansieht. Insbesondere die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gibt kaum noch Antworten auf wirklich spirituelle Fragen. Man ist, sehr sch├Ân, gegen Krieg, Armut und Ungerechtigkeit. Na wunderbar, das sind die Gr├╝nen auch. ├ťberhaupt erscheint mir die EKD in weiten Strecken wie eine kirchliche Au├čenstelle der gr├╝nen Parteizentrale. Nichts gegen die Gr├╝nen und ihre Anliegen, aber Kirche hat einen anderen Job, eigentlich.

Die katholische Kirche hat ihre eigenen Probleme, sie aufzuz├Ąhlen w├Ąre m├╝├čig und wenig erquicklich. Gleichwohl ist die katholische Kirche wenigstens n├Ąher an den spirituellen Bed├╝rfnissen der Menschen, trotz aller ihrer Fehler. Was nun die deutschen Freikirchen angeht, so haben sie den erw├Ąhnten schweren Stand, aber sie machen es sich auch selbst schwer, indem sie eine Theologie an den Tag legen, die - sagen wir es vorsichtig - gewagt ist.

Was das alles zu bedeuten hat, wohin es f├╝hrt, wenn eine Gesellschaft sich spirituell aush├Âhlt, ich wei├č es nicht. Ich bin einfach sorgenvoll gespannt, denn zwangsbegl├╝cken kann und soll man keine Menschen. Es wird auch interessant sein, wohin es f├╝hrt, wenn Millionen gl├Ąubiger Immigranten einen festen Glauben mitbringen und auf eine zutiefst spirituell entwurzelte Gesellschaft sto├čen. Meine Prognose ist, dass der Glaube letztendlich immer st├Ąrker sein wird, weil er Antworten gibt, wo sonst nur Fragen sind. Doch w├Ąre dies dann ein anderer Glaube, eine andere Gesellschaft und ein anderes Land.

Schauen wir mal, kann ich da nur sagen. Auf der letzten Sitzung mit dem Leitungsstab unserer Kirche haben wir beschlossen, jenen Teil der Manpower unserer Volunteers (Freiwilligen), die f├╝r Westeuropa bestimmt war, nach Afrika umzuleiten. Dort rennt man uns gerade die sprichw├Ârtliche Bude ein auf der Suche nach gemeinsamem Gebet, der logistischen Hilfe beim Aufbau von Hauskreisen und der Unterrichtung von liberalen Geistlichen.

Doch keine Sorge all jenen wenigen, die uns aus Deutschland schreiben oder hier Hauskreise organisieren. Wir drehen keinem Land den R├╝cken zu, auch wenn wir derzeit wohl anderswo mehr gebraucht werden als in meiner geliebten Heimat.

Reverend Armin Elias ist der theologische Leiter der Christian Universal Life Church.

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