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Kirche ist unten durch...

12/05/2016 11:58 CEST | Aktualisiert 13/05/2017 11:12 CEST
Jupiterimages via Getty Images

Der Atlantik wird größer, und das meine ich weder geografisch noch tektonisch. Spirituell tut sich ein Riss auf zwischen Europa, Nordamerika und dem Rest der Welt. Ich leite eine international tätige Freikirche mit etwa einer halben Million Menschen, die entweder Mitglied oder uns als registrierte Follower treu sind. Nur rund zweitausend davon stammen aus Nord- oder Westeuropa und das ist kein Zufall.

Zwar bin ich Deutscher, aber ich lebe mit meiner Familie und arbeite in Kanada, bin beruflich aber auch in den Vereinigten Staaten und in Deutschland unterwegs. Während uns fast überall die Menschen als Kirchenleute Respekt entgegenbringen, bin ich dazu übergegangen, in Deutschland meinen Beruf im Alltag zu verschweigen. Religion ist, so mein Eindruck, hierzulande unten durch. Spiritualität in Form von Esoterik mag noch manche Menschen erreichen, doch auch hier ist der Gipfel weit überschritten. Wir erleben eine Verweltlichung ungekannten Ausmaßes.

Ist das schlimm? Aus Sicht eines Menschen, dessen Leben der Glaube ist, natürlich, ja. Aber es ist auch verständlich, wenn man sich die kirchliche Landschaft in Deutschland ansieht. Insbesondere die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gibt kaum noch Antworten auf wirklich spirituelle Fragen. Man ist, sehr schön, gegen Krieg, Armut und Ungerechtigkeit. Na wunderbar, das sind die Grünen auch. Überhaupt erscheint mir die EKD in weiten Strecken wie eine kirchliche Außenstelle der grünen Parteizentrale. Nichts gegen die Grünen und ihre Anliegen, aber Kirche hat einen anderen Job, eigentlich.

Die katholische Kirche hat ihre eigenen Probleme, sie aufzuzählen wäre müßig und wenig erquicklich. Gleichwohl ist die katholische Kirche wenigstens näher an den spirituellen Bedürfnissen der Menschen, trotz aller ihrer Fehler. Was nun die deutschen Freikirchen angeht, so haben sie den erwähnten schweren Stand, aber sie machen es sich auch selbst schwer, indem sie eine Theologie an den Tag legen, die - sagen wir es vorsichtig - gewagt ist.

Was das alles zu bedeuten hat, wohin es führt, wenn eine Gesellschaft sich spirituell aushöhlt, ich weiß es nicht. Ich bin einfach sorgenvoll gespannt, denn zwangsbeglücken kann und soll man keine Menschen. Es wird auch interessant sein, wohin es führt, wenn Millionen gläubiger Immigranten einen festen Glauben mitbringen und auf eine zutiefst spirituell entwurzelte Gesellschaft stoßen. Meine Prognose ist, dass der Glaube letztendlich immer stärker sein wird, weil er Antworten gibt, wo sonst nur Fragen sind. Doch wäre dies dann ein anderer Glaube, eine andere Gesellschaft und ein anderes Land.

Schauen wir mal, kann ich da nur sagen. Auf der letzten Sitzung mit dem Leitungsstab unserer Kirche haben wir beschlossen, jenen Teil der Manpower unserer Volunteers (Freiwilligen), die für Westeuropa bestimmt war, nach Afrika umzuleiten. Dort rennt man uns gerade die sprichwörtliche Bude ein auf der Suche nach gemeinsamem Gebet, der logistischen Hilfe beim Aufbau von Hauskreisen und der Unterrichtung von liberalen Geistlichen.

Doch keine Sorge all jenen wenigen, die uns aus Deutschland schreiben oder hier Hauskreise organisieren. Wir drehen keinem Land den Rücken zu, auch wenn wir derzeit wohl anderswo mehr gebraucht werden als in meiner geliebten Heimat.

Reverend Armin Elias ist der theologische Leiter der Christian Universal Life Church.

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