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Kirche: Hebt endlich die Alturteile gegen Schwule auf!

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LGBT RETIREMENT
Davids' Adventures Photos via Getty Images
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Derzeit debattiert die deutsche Politik, ob jene Urteile gegen homosexuellen Männer, die nach dem ehemaligen Paragrafen 175 ins Gefängnis geschickt wurden, aufgehoben werden sollen. Nur zur Erinnerung: bis in die sechziger Jahre hinein, wurden Männer in Deutschland wegen homosexueller Handlungen inhaftiert.

Erst 1994 wurde der entsprechende Paragraf endgültig abgeschafft. Jetzt sollen die Urteile rückwirkend aufgehoben werden, doch die Politik gibt sich zäh. Von den großen Kirchen in Deutschland hört man dazu... wenig. Und das ist eine Schande.

Es mag daran liegen, dass wir eine libertäre Freikirche sind, die mit Homosexualität keine Probleme hat: aber wir sehen durch die immer noch gültigen Alturteile das biblische Gebot verletzt, nicht über andere zu richten. Denn nach unserem Verständnis, und eines jeden der lesen kann, hat Jesus zwei Dinge klar gemacht:

  • Staat und Religion sind separate Einheiten. (Markus 12:17)
  • Man soll nicht über seine Mitmenschen richten. (Matthäus 7:1)

Daraus folgt aus christlicher Sicht, dass der Staat zwar für Ordnung und Sicherheit sorgen kann, aber dass er sich aus moralischen Dingen herauszuhalten hat. Gesetze und Strafen dürfen nach biblischem Verständnis nur dazu dienen, weltlich sicherzustellen, dass ein Gemeinwesen funktioniert und die Bürger geschützt sind. Der Rest geht den Staat nichts an.

Meine Frau, Sarah Isabel Tremblay, ist Kanadierin und Leiterin einer Kommission für theologische Grundsatzfragen. Wenn ich ihr über die aktuelle Diskussion in Deutschland berichte, dann schüttelt sie nur fassungslos den Kopf. Dass gerade eine Partei mit dem "C" im Namen an diesen Alturteilen festhalten will, sie kann es nicht glauben.

Wir haben vor kurzer Zeit extra einen neuen Posten geschaffen, um dem Treiben erzkonservativer amerikanischer Kreise in Afrika etwas entgegenzusetzen. Denn kleine, aber finanzstarke Freikirchen sind von Uganda über Nigeria bis Kenia höchst erfolgreich damit, die Politiker und Gesellschaften dort so zu beeinflussen, dass sie teils absolut grauenhafte Gesetze gegen Homosexuelle erlassen; und das auch noch im Namen des Christentums.

Eine Sünde, das muss man ganz klar aussprechen. Denn, anders als der Laie denkt, spielt Homosexualität im heutigen Sinne in der Bibel keine Rolle - mal abgesehen von einer Passage im alten Testament, in deren weiterem Kontext aber auch Tattoos verboten sind und allerlei andere völlig normale Dinge.

Unser neuer Bishop Jonah Samuelson war längere Zeit in Afrika tätig und soll jetzt ein freiheitliches Christentum dorthin tragen. Da wäre es schon eine gute Hilfe, wenn die modernen Inquisitoren in Afrika und in Asien nicht auch noch Deutschland als Referenz für sich nutzen könnten.

Denn auch diese Menschen lesen Nachrichten, und schnell heißt es, "na, ihr in Deutschland erkennt ja auch noch Urteile gegen Homosexuelle an...". Peinlich für Deutschland, schlecht für die Hoffnung, Freiheitlichkeit in die Welt zu tragen.

In diesem Sinne beten wir dafür, dass die deutsche Politik das Richtige tut - aber vor allem beten wir für die Opfer des Paragrafen 175 und all jene Menschen weltweit, die wegen ihres So-seins verfolgt werden. Gerne können sich Betroffene bei uns melden, wenn sie eine wahrhaftig vorurteilsfreie Seelsorge wünschen.

Der Autor ist das geistliche Oberhaupt der Christian Universal Life Church.

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