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Kirche für Ausgetretene

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PRIEST CHURCH
Paul Burns via Getty Images
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Der Trend geht zum Austritt aus der Kirche. Schon eine Weile, ungebrochen. Die Gründe sind vielfältig und es wäre unfair, wenn man jedem, der sich abwendet, nur monetäre Gründe unterstellen würde. Die Kirchen geben, jede auf ihre Weise, genug Anlass und man sollte - gerade als gläubiger Mensch - nicht über andere richten.

Jesus hat uns Christen gelehrt, den Mund zu halten hinsichtlich der moralischen Bewertung des Tuns anderer Menschen. Wir sollen uns lieber um den Balken in unserem eigenen Auge kümmern als um den Splitter in jenem unseres Nächsten.

Zumal ein weiterer Aspekt hier eine gewisse Brisanz mit sich bringt: Kirchenaustritte nach deutschem Muster gibt es eben auch nur in Deutschland - und sie sind eigentlich völlig unbiblisch.

Denn Christ ist, wer getauft ist und sich dem Glauben aktiv zuwendet. Die Zahlung der Kirchensteuer ist als Merkmal des Christseins, um es höflich zu sagen, theologisch abenteuerlich. Niemand wir "entchristet", nur weil er "austritt". Natürlich kann man aufhören, Christ zu sein. Aber das ist eine Entscheidung des Herzen und nicht des Finanzbeamten.

Wenn wir unseren Brüdern und Schwestern in anderen Ländern vom deutschen System berichten, dann schauen sie uns entweder entgeistert an oder lachen sich schief. Und das zurecht. In Deutschland wird also pauschal allen Ausgetretenen unterstellt, sie seien gar nicht mehr gläubig. Dabei sind die Gründe eines Austritts oft wesentlich differenzierter.

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Viele haben einfach keine Lust mehr auf die entspiritualisierten protestantischen Kirchen oder die Skandale der katholischen Kirche. Das ist menschlich, es ist verständlich und auch nachvollziehbar.

Wer austritt, weil er gar nichts mehr glaubt, der möge glücklich werden. Gott sei Dank anerkennt das Christentum als Religion der Freiheit den inneren Austritt, doch hat dieser herzlich wenig mit dem Austritt aus der Kirchensteuer zu tun. Diese beiden Sachverhalte sind verschiedene Dinge.

Was macht nun aber ein noch irgendwie spirituell denkender, christlich fühlender Mensch, der die Kirche als Institution ablehnt und "ausgetreten" ist im Fall der großen Ereignisse des Leben, wie unter anderem der Hochzeit oder dem Tod? Als Kirchenmitglied würden solche Ereignisse im Kirchenbuch festgehalten werden und ein Dokument dazu ausgestellt werden. Ausgetretenen wird dies verweigert.

Für diese Menschen führen wir als Christian Universal Life Church ein offenes Kirchenbuch, in das wir ebensolche Lebensereignisse und Wegmarken auf Wunsch eintragen, auch eine Erinnerungsurkunde für die Familienhistorie stellen wir aus. Wir machen das wie alles komplett gebühren- und spendenfrei und natürlich auch für getaufte Menschen, die nicht unsere Mitglieder sind.

Warum? Weil es sich so gehört. Wir sind übrigens weder eine Sekte noch anderweitig abseits des Mainstreams. Wir sind Christen und das bedeutet nun einmal in erster Linie Nächstenliebe, den gelebten Dienst am Nächsten.

Man erreicht unsere deutsche Sektion hier.

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