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Hokuspokus statt Religion?

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
CATHOLIC CROSS
benstevens via Getty Images
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Vor kurzem war ich in Manila, um den Aufbau dreier neuer Hauskirchen zu besichtigen. Auf den Philippinen herrscht eine selbstverst├Ąndliche Religiosit├Ąt inmitten einer sozial nicht unprek├Ąren Gesellschaft, die einen staunen l├Ąsst. Kirchen zu er├Âffnen, gro├če und kleine, ist dort normal.

Der Glaube ist Teil des Alltags und gibt den Menschen sichtbar halt. Das Media Department unserer Kirche hat sogar die "Manila-Zacke" entdeckt: wenn es morgens 7 Uhr auf den Philippinen ist, springen die Zugriffszahlen auf allen unseren Social Mediakan├Ąlen sprunghaft an. Die Menschen beginnen ihren Tag mit einem Blick in christliche Botschaften.

Welch ein Kontrast zu den Verh├Ąltnissen in Europa. Von den Philippinen flog ich kurz zur├╝ck nach Toronto, wo ich mit meiner Frau lebe und wo auch das internationale Headquarter jener Kirche ist, der ich vorstehe.

Nach einem kurzen Kofferumpacken ging es weiter ├╝ber Dublin nach London und Frankfurt. Morgen steht dann Amsterdam an. Wenn man so am Flughafen sitzt, angef├╝llt mit der spirituellen Lebendigkeit der Philippinen, dann ist man noch wacher f├╝r die Frage welchen Stellenwert der Glaube in einer Kultur bzw. einer aktuellen Gesellschaftsform hat.

Bild der Freikirchen ist weitab von der Realit├Ąt

Als ich also auf meinen Anschlussflug wartete, befragte ich mal Bing, Google & Co. zum deutschen Suchbegriff "Freikirche". Eigentlich h├Ątte ich ahnen k├Ânnen, was die Suchmaschinen ausspucken w├╝rden, aber es war dann doch noch unangenehmer als bef├╝rchtet.

Schaut man sich das so an, dann k├Ânnte man den Eindruck bekommen, Freikirchen seien per se obskur, mindestens jedoch fundamentalistisch, vielleicht auch durchgeknallt, auf jeden Fall aber immer nahe an einer Sekte.

Jetzt bin ich Leiter einer global agierenden Freikirche und weiss, dass das nat├╝rlich nicht das reale Abbild der Lage ist. Klar gibt es spinnerte Gruppierungen und so manche Sekte ist ein ├╝bles Problem. Aber das Bild, dass sich in den Suchergebnissen darstellt, das ist doch bemerkenswert schr├Ąg und weitab von der Realit├Ąt.

Gut, der Deutsche an sich hat es gerne ordentlich, und Graswurzelkirchen passen nicht in dieses Schema. Aber wie verrutscht m├╝ssen die Ma├čst├Ąbe inzwischen sein, dass man jegliche Form freier kirchlicher Aktivit├Ąt sofort mit Fundamentalismus, Intoleranz und Sektiererei assoziiert? Was ist da nur in den K├Âpfen los?

Transzendenz offenbar kein Problem mehr

Vor ein paar Jahren gab es mal einen Zeitungsbericht dar├╝ber, dass der Osten Deutschlands das atheistischste Gebiet des Planeten sei. Keine Ahnung, wie sauber diese Zahlen waren, aber ich glaube es vollst├Ąndig anhand meiner Erfahrungen.

Was einen dann allerdings noch mehr verst├Ârt, ist die Begeisterung des modernen Deutschen f├╝r allerlei Esoterik. Egal ob eine ehrf├╝rchtige Bewunderung ostasiatischer Lehren oder Hokuspokusmedizin, hier ist Transzendenz offenbar pl├Âtzlich kein Problem mehr.

Da werden hom├Âopathische Arzneimittel in Apotheken massenhaft verkauft, deren Wirkweise eine durch und durch spirituelle ist. Es mag ja sein, dass diese Mittelchen helfen - aber wie kann ein Volk tonnenweise geisterhaft wirkende Globuli ohne ein reales Wirkstoffatom schlucken und zeitgleich alles christlich-transzendente mit einem gewissen Ekel ablehnen?

Vermutlich k├Ânnten das nur Psychologen erkl├Ąren und wahrscheinlich will ich es auch gar nicht wissen. Es ist einfach ├Ąrgerlich, weil unfair und unlogisch zugleich.

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H├Ątte ich keine deutschen Wurzeln und unsere Kirche mit ihren ├╝ber eine Million Mitgliedern weltweit keinen globalen Anspruch, w├╝rde ich Deutschland als "failed state" im religi├Âsen Sinne von allen Bem├╝hungen streichen.

Als Vertreter eines Glaubens, der Hoffnung predigt, geben wir aber nicht so schnell auf - auch wenn wir sogar im S├╝dsudan mehr Mitglieder haben als in Deutschland. Im S├╝dsudan. Schon etwas besch├Ąmend, oder?

Deutschsprachige Webseite der Christian Universal Life Church.

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