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Ganz reale Wunder

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
LOVE
Dougal Waters via Getty Images
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Unser Nachbar stirbt. Er ist noch in der Phase der Verdr├Ąngung, klammert sich an jeden Strohhalm, aber er stirbt. Kein wirklich weicher Mann, aber ein toleranter und freudvoller Mensch, ein guter Typ. Er hat viel erreicht im Leben, beruflich sogar Gro├čes. Aber er stirbt. Elendig, mit knapp ├╝ber f├╝nfzig. Er hat Krebs, gilt als "austherapiert", jetzt testen sie an ihm Experimentelles. Und doch verf├Ąllt er vor unseren Augen Tag f├╝r Tag mehr.

Sicher, die Frage dr├Ąngt sich auf: wo ist Gott bei solchen Schicksalen. Sie zu stellen ist legitim, keine einfachen Antworten darauf zu haben, auch. Ja, ich wei├č nicht, warum Gott solche Schicksale zul├Ąsst. Ja, ich wei├č es nicht, aber ich habe auch keine Probleme damit, dies zuzugeben. Denn wenn man in meinem Job nicht akzeptieren kann, dass Glaube nicht Wissen ist und die Wege des Herrn unergr├╝ndlich - dann sollte man schleunigst umschulen.

Aber doch geschehen Wunder. Und so auch hier. Der gute Mann war all die Jahre ein unsteter Eigenbr├Âtler, nur mit seiner Arbeit verheiratet und mit den Genussdingen des Lebens. Doch dann, wie aus dem Nichts, lernte er v├Âllig zuf├Ąllig eine Frau kennen. Er, der ├╝berzeugte und beinharte Junggeselle verliebte sich Hals ├╝ber Kopf wie ein Teenager. Es folgten Wochen wilder Extase, die in der Nachbarschaft kaum zu ├╝berh├Âren waren. Ja, ich hatte mich damals ma├člos ├╝ber dieses Verhalten ge├Ąrgert, fand es kindisch, hegte ablehnende Gef├╝hle - der Konservative in mir brach durch. Meine Frau schimpfte mit mir, "lass ihnen ihren Spass". Ich h├Ârte auf meine Frau und dachte mir meinen Teil.

Wenige Wochen sp├Ąter erhielt unser Nachbar dann seine den baldigen Tod bedeutende Diagnose. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wumm. Krebs. Unheilbar. Das Spiel des Lebens pl├Âtzlich in der 89. Minute. Mein erste Gedanke: die Frau wird ihn verlassen. Sie war ja eben erst in sein Leben gekommen. Meine Gattin nickte, das w├╝rde wohl so kommen.

Doch seine Freundin blieb und wurde seine Frau. Sie heirateten. Und sie k├╝mmert sich um ihn, als l├Ągen schon drei├čig gemeinsame Jahre hinter ihnen. Nein, sie hat nichts Materielles davon. Rein gar nichts. Der Mann ist nicht reich, es gibt nichts zu holen. Sie arbeitet sogar ├ťberstunden, um ihm seine teuren Extramedikamente zu zahlen, die das staatliche Gesundheitswesen hier in Kanada nicht vorsieht. Es ist, ja was ist es? Ich w├╝rde sagen: Liebe. Ganz einfach Liebe.

F├╝r mich ist dieses unverhoffte und v├Âllig unwahrscheinliche Auftauchen dieser Frau im Leben unseres Nachbarn ein Wunder. Dass sie bei ihm blieb, ihn heiratete und ihn jetzt pflegt, das ist ein echtes und ganz reales Wunder. So sehr ich ihm w├╝nsche, dass ein noch gr├Â├čeres Wunder geschieht und er doch noch geheilt wird - so sehr erkenne ich aber auch an, dass sein Leiden ein viel Schlimmeres w├Ąre, wenn diese in jeder Hinsicht unwahrscheinliche Frau nicht Teil seines Lebens geworden w├Ąre.

So lassen Sie uns beten, f├╝r diesen Mann und seine Frau. F├╝r alle anderen Menschen in Not und Sorge. Aber auch danken f├╝r die kleinen Wunder, die dann doch geschehen. So wie diese liebevolle und selbstlose Frau, die aus Nichts kam.

Die deutschsprachige Webseite der Christian Universal Life Church.

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