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Flug verpasst...

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OBSTACLES
Wavebreak via Getty Images
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Ich habe meinen Flug verpasst. Eigentlich wollte ich heute von Frankfurt zurĂĽck nach Hause fliegen, denn daheim in Toronto hat meine Frau fĂĽr Pfingstsonntag eine Reihe von Kollegen eingeladen, um ĂĽber theologische Fragen zu sprechen - aber auch, um die KochkĂĽnste meiner Frau zu genieĂźen. Ich werde es wohl rechtzeitig schaffen, dort zu sein; doch sitze ich jetzt im winzigen Domizil, das ich bei meinen Deutschlandbesuchen mein Zuhause nennen darf.

Früher habe ich mich über solche ungeplanten Verzögerungen unglaublich geärgert. Doch mit den Jahren habe ich begonnen, diese Dinge gelassener zu sehen. Denn, schon mein Vater sagte es immer, "man weiß nicht, wofür es gut ist". Keineswegs meine ich jetzt etwas Dramatisches in der Art eines Flugzeugabsturzes, dem ich womöglich entgangen wäre. Mein Vater meinte damit etwas anderes, etwas, das auch mein damaliger Dozent für Dogmatik im Sinn hatte, als er sagte: "Gott wirkt im Normalen."

Aha? Auf Anhieb konnte ich mir darauf keinen Reim machen. Für mich waren wir Menschen immer irgenwie hier unten und der liebe Gott war "da oben". Und wenn er doch mal ein Wunder bewirkt haben sollte, musste es mit viel Bühnenzauber und Tamtam sein. Unter herniederschwebenden Engeln hätte mich damals keiner von einem "Wunder" überzeugen können. Doch Gott soll also im Normalen wirken? Nun gut...

Mit der Zeit begann ich zu verstehen, und zwar vor allem im pastoralen Dienst, bei dem man sehr eng mit den Lebensgeschichten in Verbindung kommt. Und plötzlich liegen sie vor einem, die Wunder im Normalen. Die schicksalsentscheidenden Zufälle, die eigentlich unmöglichen Zusammentreffen zur rechten Zeit, die rettenden Informationen im genau passenden Moment und so viele Dinge mehr.

Gott wirkt tatsächlich im Normalen, davon bin ich inzwischen überzeugt. Für mich ist klar, dass es Zufälle, Einfälle und Begegnungen sind, die eben keine zufälligen Begebenheiten sind - sondern Gottes Antwort auf unsere stillen Gebete, unsere Intentionen, Ängste und Hoffnungen. Sie können das jetzt natürlich für völligen Schwachsinn halten. Aber als Mann des Glaubens gibt es für mich hier keinen Zweifel mehr. Und ich weiß, dass viele Leser genau wissen, was ich meine und es selbst erlebt haben und immer wieder erleben. Auf dem Weg aus dem Flughafen, noch erbost vom verpassten Flieger, bin ich übrigens am Taxistand einem alten Schulkameraden begegnet, das erste mal nach über einem Vierteljahrhundert. Gerade letzte Woche dachte ich an ihn. Zufall?

Armin Elias leitet von Toronto aus die global tätige liberale Christian Universal Life Church.

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