BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Elias I. Headshot

Ehe für alle? Ja, in Gottes Namen!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EHE FUER ALLE
dpa
Drucken

Die deutsche Politik ist oft langsam. Jetzt rumpelt es. Binnen weniger Tage soll an diesem Freitag die "Ehe für alle" zum Gesetz werden. Aus theologischer Sicht spricht nach Beschlusslage unserer globalen Leitungsgremien nichts gegen die Ehe zwischen gleichgeschlechtlich liebenden Menschen.

Wir haben es uns bei diesem Thema nicht leicht gemacht, zu unklar und widersprüchlich ist die Heilige Schrift in dieser Sache. Doch in der Zusammenschau kommt man zwingend zu dem Schluss, dass es uns als Kirche einfach nichts angeht, was der Staat zu diesem Thema entscheidet.

Matthäus 22:21 ist hier ausschlaggebend, wo dokumentiert ist, dass der Messias selbst die Trennung von Staats und Glauben zur Geltung verhilft. Diese Position ging in unserer globalen Kirchenleitung mit 7:1 Stimmen durch.

Nicht verstecken!

Gleichzeitig verstecken wir uns nicht hinter dem Staat, so wie es auch der katholische Papst nicht machte als er zur Homosexualität sagte: "Wer bin ich zu richten?".

Das nachdrückliche Verbot über seinen Nächsten zu richten in den Evangelien wiegt in der Zusammenschau aller Fakten mit Abstand deutlicher als ein, zwei aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus dem Alten Testament. Homosexuelle und LGBT Menschen aller Art sind damit bei uns auch weiterhin mehr als herzlich willkommen. Diese Position ging mit 8:0 durch die Beschlussfassung

Eine strategische Dummheit?

So sehr wir die volle Gleichberechtigung der LGBT Community gut heißen, stellt sich die Frage, ob das "Ehe für alle"-Hauruckgesetz in Deutschland wirklich ein Segen ist. Die "Eingetragene Lebenspartnerschaft" stellt schon heute homosexuelle Ehepaare zu fast 100% gleich.

Lediglich der Titel der Verbindung ist ein anderer, eine Konzession an die Konservativen und die Verfassungsrichter. Sechzehn Jahre fuhr Deutschland gut mit dieser Regelung, es herrschte an dieser Front ein Frieden wie in kaum einem anderen Land.

Muss man, nur um des Labels willen, wirklich die Konservativen auf die Barrikaden und das Gesetz - fast unvermeidlich - vor das Verfassungsgericht bringen? Ist es nicht ein Zeichen der Toleranz den Traditionalisten gegenüber, wenn man der Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts einen anderen Namen gibt? Eine lückenlose Angleichung der Rechte wäre auch ohne Titeländerei möglich.

Segnungen?

Mit 6:2 Stimmen haben wir schon vor längerer Zeit beschlossen, dass wir als Christian Universal Life Church kirchliche Trauungen Homosexueller durchführen, in den USA sogar mit standesrechtlicher Wirksamkeit.

Für uns sind LGBT Ehepaare ganz einfach Ehepaare. Allerdings haben wir auch eine ausgeprägt liberale Anhängerschaft. In anderen Kirchen, das sei zugegeben, sieht man das alles nicht so lässig. Doch wir können unsere Haltung mit der Heiligen Schrift gut vereinbaren.

In diesem Sinne herzliche und tolerante Grüße nach Deutschland!

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffiPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.