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Die zehn Gebote 2.0

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LIES
Peter Glass via Getty Images
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Tja, das mit den zehn Geboten ist so eine Sache. Jeder kennt sie, mehr oder weniger. Aber wer befolgt sie eigentlich? Und verstehen wir sie richtig? Die ganze Liste durchzugehen würde viel zu lange dauern. Deshalb will ich mir eines der Gebote herauspicken und mit Ihnen gemeinsam schauen, ob es in der heutigen Zeit noch Sinn macht.

Da wäre also Gebot Nummer 8, das da lautet: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Ja, denkt man sich, macht Sinn. Aber was ist ein "falsch Zeugnis"? Damit sind gewiss nicht die winzigen Flunkereien des Alltags gemeint, die man in den USA "weiße Lügen" nennt. Sie erleichtern den Alltag und können sogar segensreich wirken, wenn sie vorsichtig dosiert eingesetzt werden. Man tut so etwa seiner Frau weniger weh, wenn man seine fünf Minuten Verspätung am Theater mit einer Parkplatznot erklärt statt mit der Wahrheit, dass man zu lange mit dem Nachbarn über den Zaun hinweg über Rasenmäher gefachsimpelt hat.

Nein, das achte Gebot meint etwas anderes. Es sagt uns, wir sollen zu anderen und über andere keinen Mist reden. Verzeihen Sie die Ausdrucksweise, aber genau so ist es gemeint. Der biblische Text hat hier sicher Zeugenaussagen vor Gericht ebenso im Blick wie andere Behauptungen, die nicht stimmen, aber Schaden anrichten können. Denn die Unwahrheit kann schlimmen Schaden anrichten. Das muss ich Ihnen gewiss nicht erklären, fast jeder kennt solche Fälle aus dem eigenen Leben.

Wichtig ist das 8. Gebot in der Welt 2.0: Während ich Ihnen hier schreibe und meine Vita offen zu Tage liegt, sitzen Sie als Leser im Dunkel der Anonymität. Spannend, nicht wahr? Und verführerisch. Mal eben schnell einen bösen Kommentar unter irgendeinem Accountnamen abgesetzt und schon freut sich der Kommentator und der Kirchenmann ärgert sich - nicht. Vielmehr beobachtet der gute Armin Elias mit Staunen, welche dunklen Triebe und Leidenschaften die vermeintliche Anonymität des Internet zu Tage befördert. Das Netz hat aus uns allen keine schlechteren Menschen gemacht, es ist aber die Lupe, die unsere Abgründe sichtbarer werden lässt.

Genau in diese dunklen Bereiche des Menschseins strahlen die zehn Gebote hinein. Zumindest war das der Plan. Wenn man sich die Falschmeldungen, den Blog-Gaga und die Verschwörungstheorien und Behauptungen so ansieht, die massenhaft im Internet herumfliegen (außer bei der Huffington Post natürlich...), dann wird eines klar: Gebot Nummer 8 hat an Aktualität nichts eingebüßt.

So, jetzt mache ich eben nochmal den Check, dass ich in diesem Beitrag brav das achte Gebot eingehalten habe. Ich glaube, es ist mir gelungen.

Ihnen allen einen gesegneten Tag!

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