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Dem Kaiser was des Kaisers ist...

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JESUS
David Freund via Getty Images
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Gestern hatten wir eine Sitzung des Zentralrats unserer globalen Kirchenleitung. Ich muss gestehen, ein Mann solcher Ereignisse bin ich nicht. Ich lese lieber ein Buch, das mich klüger macht als mich mit technischen Fragen zu befassen. Wie gut, dass ich administrativ talentierte Stellvertreterinnen habe, aber das soll nicht mein heutiges Thema sein, sondern ein Gedanke.

Etwas, das ich längst wusste, wurde mir bewusst. Kennen Sie das? Sie wissen etwas schon ewig, nehmen es als gegeben hin und plötzlich, schwupp, erscheint es in ihrem Geist in all seiner Tragweite.

Wir waren also gerade beim Tagesordnungspunkt "Unterstützung christlicher Missionare in Myanmar" (eine Tragödie für sich, denn Myanmar verfolgt Christen auf perfide Weise), als ein Mitglied unserer Glaubenskongregation sagte, "...schließlich sind wir die einzige der drei großen Weltreligionen, die nicht auf Herkunft basiert, sondern auf einer Willensentscheidung".

"Klick" machte es und diese banale Tatsache wurde mir in ihrer vollen Tragweite präsent. Nun ja, mag mancher sich denken, so frei ist es dann doch nicht, wenn man als Kleinkind getauft wird. Stimmt. Aber viele Freikirchen setzen gerade deshalb auf die Erwachsenentaufe. Viel wichtiger ist aber dies: jeder Christ, wirklich jeder, kann seinen Glauben ablegen. Er kann zum Atheisten werden, zum Buddhisten, zum Sikh oder was die Welt sonst noch an Glaubenssystemen zu bieten hat. Mehr als ein paar enttäuschte Eltern drohen einem Ex-Christen selbst im superfrommen "Bibelgürtel" der USA nicht.

In anderen Religionen ist das anders, teilweise sogar drastisch anders. Da kann die Abkehr vom "rechten" Glauben auch schnell fatal enden. An dieser Stelle will ich gar nicht tiefer einsteigen, denn Gräben aufzureißen ist etwas, das nicht in unsere Kirche gehört. Brücken zu bauen ist uns lieber. Aber solch eine Erkenntnis macht doch deutlich, wie viel an Freiheit wir im Westen, man kann auch sagen in der protestantisch und katholisch geprägten Welt, als gegeben hinnehmen. Dabei ist diese Freiheit kein Naturgesetz, sondern die Folge einer kulturellen und religiösen Wurzel.

Natürlich gab es Zeiten, da war es anders und nicht nur fromme Christen, sogar am wenigsten diese, haben für die Liberalität unserer heutigen westlichen Gesellschaften gekämpft. Aber, und dieses "Aber" kann man gar nicht groß genug schreiben: das Neue Testament, vor allem die vier Evangelien, liefern uns die theologisch-ideologische Grundlage für diese Freiheit. Die Trennung von Staat und Kirche, sie erfolgte in der Tat spät. Aber eine Vermischung beider Sphären war ohnehin unchristlich. Jesus Christus hat den säkularen Staat bereits höchstpersönlich verordnet. "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist...", klarer geht es kaum. Das Gleiche gilt für die Privatisierung der Moral. Nimmt man Jesus ernst, dann sind weder Staat noch Familie und auch nicht "die Gesellschaft" für Fragen der persönlichen Moral zuständig, sondern jeder einzelne Mensch selbst in direktem Kontakt mit dem Herrn, im Gebet und im Gefühl.

Ja, das Christentum wurde und wird teilweise anders gelebt, in einem anderen, in einem ihm wesenfremden Geist. Irrungen entwerten aber nicht seine wahre Essenz. Zeigen Sie mir eine andere große Religion, die in ihren Kernbotschaften ebenso freiheitlich ist, wenn man sie unverfälscht lebt. Sie werden keine finden. Wetten wir?

Die deutschsprachige Webseite der Christian Universal Life Church.

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