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Das Paradies auf Erden und andere Illusionen

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HAPPINESS
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Häufig drängt sich mir der Eindruck auf, viele Menschen warteten darauf, dass "endlich alles gut" werde. Welch fataler Irrtum! Welch Bremse für wahres Lebensglück! Die Welt, das ganze Leben, sie sind nie schwarz oder weiß, sie sind immer ein Stück hiervon und davon. Und wer nicht aus Niederlagen lernen kann, wird niemals Sieger sein. "Tränen sind der Schweiß unserer Seele beim Training", lautet ein Sprichwort und es stimmt.

Natürlich ist Leiden nicht gut und auch nichts, das einen besonderen metaphysischen Wert hätte. Deswegen sollte man sich darum bemühen, jeden Schmerz zu überwinden. Unnötig langes Verharren in Sorge und Not, womöglich sogar spirituell gedeutet, ist nicht christlich und nicht weise. Ohne Hoffnung auf Besserung und Entfaltung des Guten, auch in den dunkelsten Stunden, wäre unser Leben eine Tragödie. Aber das ist es nicht, es ist ein Mix aus vielen Einflüssen und Erfahrungen.

Wissen Sie, welcher der häufigste Satz in der Bibel ist? "Fürchte Dich nicht!" - wirklich, sie können es nachzählen, es dauert aber ein wenig, denn er kommt sehr oft vor. Der größte Feind des Lebens ist also die Angst. Denn die Angst vergiftet alles, was wir denken, sagen und tun. Sie bremst unsere Kreativität aus und lässt uns Fehlentscheidungen treffen. Ist das Resultat dieser dann tatsächlich negativ, triumphiert unsere Angst und ruft uns zu: "Siehste! Habe ich Dir doch gleich gesagt!" Dass es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war, verschweigt sie geschickt.

Vor allem aber sollten wir alle unsere Ansprüche ein Stück weit herunterschrauben. Denn wir kommen auf die Welt mit Stärken und mit Schwächen und versuchen das Beste daraus zu machen. Das kann gelingen, mal mehr und mal weniger. Aber es gibt keine Garantie dafür, und das ist auch in Ordnung so. Ein verbrieftes Recht auf irdisches Glück haben wir nicht.

Gläubige können damit oft entspannter umgehen als Zweifler und Atheisten. Aber so ist es nun einmal. Jeder Versuch, ein irdisches Parasies zu schaffen, ist bislang fürchterlich schief gegangen, zuletzt in Form des Kommunismus. Den Grund verrät uns das alte Testament: Es ist der Apfel. Sie wissen schon, Paradies, Eva, Schlange, Apfel... Uns Menschen eigen ist also, und das ist die Moral von der Geschichte, dass wir nicht stabile Sicherheit suchen, sondern getrieben sind nach dem Mehr, dem Neuen und Unbekannten. Hätten die Kommunisten die ersten paar Kapitel der Bibel gelesen und sie verstanden, hätten sie gleich wissen können, dass ihr Experiment schrecklich schief gehen wird.

Wir alle kommen also auf diese Welt, mit ihren Möglichkeiten und Risiken, Anforderungen und Chancen - was wir daraus machen, das liegt an uns, unserem Mut und unserer Neugierde. Mögen Ihre Wege stets mit positiven Erfahrungen gepflastert sein!

Der Autor ist das geistliche Oberhaupt der Christian Universal Life Church.

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