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Akzeptanz funktioniert nur durch Respekt vor dem Eigenen

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CHURCH
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In einer Welt, die kulturell und religiös immer bunter wird, ist es unabdingbar, dass wir Menschen lernen uns in unserer gottgegebenen Verschiedenartigkeit nicht nur zu tolerieren, sondern auch zu akzeptieren. Selbstverständlich bin zum Beispiel ich selbst als Leiter einer internationalen christlichen Freikirche davon überzeugt, dass mein persönlicher Glaube, meine Lesart der Heiligen Schrift die einzig richtige ist. Alles andere wäre auch aberwitzig bei meiner Jobbeschreibung, Aber hindert mich das, andere Glaubensüberzeugungen zu akzeptieren? Natürlich nicht!

Toleranz genügt nicht

Die Sache mit der Akzeptanz beginnt schon innerhalb unseres eigenen Klerus. Aus erfreulichen privaten Gründen habe ich die weltlichen Aufgaben unserer Kirche (die geistlichen darf ich nicht deligieren) für einen bestimmten Zeitraum meiner Stellvertreterin übertragen. Sie hat, ebenso wie die anderen Mitglieder des Leitungsgremiums der Christian Universal Life Church, theologische Ansichten, die von den meinen leicht abweichen. Ist das ein Problem? Natürlich nicht!

Das Eigene lieben, um das Fremde lieben zu können

Nur, wer in sich selbst ruht und sich seiner Ansichten selbstsicher ist, hat auch die Kraft zur Akzeptanz des Andersartigen. Deswegen bekümmert es uns, dass gerade in Deutschland so viele Menschen sich ihrer christlichen Wurzeln nicht mehr bewusst sind. Nein, ich meine damit nicht, dass jetzt jeder sonntags in die Kirche rennen muss. Vielmehr übersehen immer mehr Menschen, dass die gesamte Kultur, in der sie leben, zutiefst christlich geprägt ist. Kann man mit einem solch gestörten Selbstbild das Fremde einfach akzeptieren? Natürlich nicht!

Konfrontationen mit der Realität

Europa erlebt in dieser Zeit eine Massenzuwanderung aus muslimischen Kulturen. Diese Menschen sind sich in aller Regel ihrer Traditionen bruchlos bewusst und meist auch sattelfest im Glauben. Wie soll eine akzeptierende Integration gelingen, wenn die aufnehmenden Gesellschaften ihrer selbst nicht mehr gewiss sind? Kann das gut gehen? Natürlich nicht!

Die Blöckflötenidee der Kanzlerin war gar nicht so abwegig

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies frühzeitig erkannt - und wurde dafür ausgelacht. Zugegeben, sie hat sich mehr als ungeschickt ausgedrückt, als sie meinte, man solle doch die Blockflöte auspacken und sich erinnern, christliche Lieder zu spielen. Vermutlich sprudelte dieses Bild aus ihr heraus, weil im ostdeutschen Pfarrhaus, in dem sie aufwuchs, Kirchenmusik mit Flöten gemacht wurde. Aber so niedlich auch die Formulierung war, im Kern hatte Frau Merkel zu 100% recht. Statt Angst vor dem Fremden zu haben, soll man sich auf das Eigene besinnen. Klappt es so mit einer besseren Akzeptanz? Ja, natürlich!

Felsenfest im Inneren mit weiten Armen für andere

Das neue Testament lehrt uns dies an zahllosen Stellen. Wer es beherzigt, wird manches "Wunder" erleben. So bin ich selbst ein ziemlich radikaler Gegner der Abtreibung. Würde ich Frauen deswegen verurteilen oder ihnen Vorschriften machen? Natürlich nicht! Gleichzeitig ist unser Klerus offen für die Segnung homosexueller Ehepaare. Viele unserer Anhänger, vor allem in Afrika, finden das schrecklich. Lassen wir uns deshalb von unserem Weg abbringen? Natürlich nicht! Man kann schließlich mit gutem Beispiel vorangehen, ohne die andersdenkenden Gläubigen "umzuerziehen". Man muss nur den Reflex ablegen, es allen recht machen zu wollen und den Mut aufbringen, selbst feste Überzeugungen zu haben. Dann klappt es auch mit der Akzeptanz des Fremden und Andersartigen. Wirklich? Natürlich!

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