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Was haben Migration und Inklusion gemeinsam?

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Robin Skjoldborg via Getty Images
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Deutschland - Das Land der Dichter und Denker, entwickelt sich immer mehr zum Land der dichten Denker! Wir Deutsche lieben es, simple Sachverhalte kompliziert und schwierig darzustellen, damit kaum jemand unser System begreifen, oder sich gar darin integrieren kann. Die Diskussionen ├╝ber dieses ├Ąu├čerst bekannte W├Ârtchen ÔÇ×Integration" nehmen kein Ende.

In einem Land, wie Deutschland, k├Ânnte ich als einzelne Person alle drei Quoten erf├╝llen, die es in einem Unternehmen so gibt. Ich bin eine Frau, mit einem Migrationshintergrund und einem Inklusionsvordergrund.

Dass ich urspr├╝nglich aus dem Nahen Osten stamme sieht man mir nicht an, doch meine Behinderung prescht so deutlich vor, wie aktuell Jan B├Âhmermanns Schm├Ąhgedicht in der T├╝rkei.

Als junge Frau, die zwischen der Integration und Inklusion sitzt, merke ich immer wieder, wieviele Parallelen es doch dazu gibt. Weder f├╝r Menschen mit einem Migrationshintergrund, noch Menschen mit Behinderung ist dieses Land gewappnet.

Aber was macht es so schwer, sich hier in Deutschland zu integrieren? Und was haben jetzt Migration und Inklusion gemeinsam?

Migranten und Menschen mit Behinderung in Deutschland ├Ąhnlich angesehen

Im Grunde werden Migranten und Menschen mit Behinderung in Deutschland ├Ąhnlich angesehen. In Deutschland ist man auch in irgendeiner Art und Weise behindert, wenn man die deutsche Sprache nicht richtig beherrscht.

F├╝r beide erschafft man eine Parallelwelt, anstatt sie in die Gesellschaft zu integrieren. Das Wort ÔÇ×Inklusion" benutzt man, damit es keine Irritationen gibt zwischen Integration und Inklusion. Generell erschafft man gerne neue Worth├╝lsen, damit man sch├Ân kleinb├╝rgerlich und engstirnig beide Begriffe unterscheiden kann.

Inklusion - Ein Wort, welches sogar meine Autokorrektur noch nicht mal kennt und st├Ąndig rot unterstreicht. Wenn sogar mein Schreibprogramm dieses Wort nicht kennt, wie soll ich denn von anderen Menschen erwarten, dass sie wissen, was das ist?

F├╝r fast alles in meinen Leben musste ich bisher selbst an diverse T├╝ren kloppen und sagen: ÔÇ×Hey hier bin ich. Ich m├Âchte einen Antrag f├╝r dies und jenes stellen." Die Rechte und Gesetze daf├╝r gibt es. Doch kaum jemand benutzt beziehungsweise kennt sie.

Alles ist so verzwickt und versteckt, sodass es noch schwieriger ist herauszufinden, was einem zusteht. Hier mache ich aber nicht unbedingt den Staat daf├╝r verantwortlich, sondern eher uns Rollstuhlfahrer beziehungsweise gehandicapte Menschen, die sich nicht selbst f├╝r ihre Rechte einsetzten. Wir warten st├Ąndig, bis es uns jemand in den Scho├č legt.

Das Problem mit den Ämtern

So ├Ąhnlich sieht es auch bei den Migranten aus. Menschen mit Migrationshintergrund werden auch anders behandelt, nur weil sie die Sprache nicht beherrschen. Seit Jahren entstehen viel mehr Ghettos und Wohnviertel, in denen man mehr unter sich ist.

Selbst, wenn man sich nun dazu entschlossen hat, diese Rechte, die uns allen zustehen, zu nutzen, wird man vor viele Hindernisse gestellt. Besonders bei den deutschen Ämtern merkt man das immer wieder. Die Ämter sind heutzutage vergleichbar mit Rollstuhlfahrern.

Sie sind ohne ihren Rollstuhl v├Âllig hilflos. Die Beamten hingegen reiten auf Paragraphen herum, als w├Ąre es ein Rollstuhl, ohne den sie nicht Nachdenken k├Ânnen. Sie erwarten von einem Fl├╝chtling tats├Ąchlich, dass sie W├Ârter wie "Inanspruchnahme, "Grundst├╝cksentw├Ąsserungsanlage" oder "Restm├╝llbeseitigungsbeh├Ąlterentleerung" verstehen.

Wie soll das bitte ein Fl├╝chtling, der erst vor kurzem in Deutschland eingereist ist, verstehen? Selbst ein Deutscher versteht nicht all diese Begriffe. Die Beamten hingegen verstehen nur solche Worte. Das ist f├╝r sie eine Art Code, den man knacken muss, um ins zweite Level zu kommen.

Das zweite Level ist in dem Fall, den richtigen Antrag in die Hand gedr├╝ckt zu bekommen. Wenn man dann auch noch genug Ausdauer hat, um das Gesetz wirklich geltend zu machen, dann hat man es geschafft, vorerst!

Auf dem Ausl├Ąnderamt

Denn eigentlich muss man nicht nur ein oder zwei Antr├Ąge f├╝r seinen pers├Ânlichen Bedarf stellen, sondern gef├╝hlt hunderte, bis man fertig ist. Bestenfalls hat der Sachbearbeiter, der vor einem steht, so etwas schon mal gemacht und kann dir sagen, wie es weitergeht. Aber in der Regel hat er sogar noch weniger Ahnung als man selbst, obwohl das sein Job ist.

Ich durfte beides hautnah miterleben und k├Ânnte theoretisch damit bei einer Comedy Sendung auftreten. An einem Montagmorgen, sollte ich im Ausl├Ąnderamt f├╝r eine Frau, die aus ihrer Heimat gefl├╝chtet ist, ├╝bersetzen.

Die Begr├╝├čung war schon fantastisch. Die Sachbearbeiterin begr├╝├čte die Frau mit ÔÇ×Guuuten Taaag Frau xxxx". Sch├Ân langsam und laut, so als w├Ąre die Frau neben mir taub! Dann kam die Sachbearbeiterin zu mir.

ÔÇ×K├Ânnen sie auch sprechen und mich verstehen?" Ich war kurz davor, mich taub zu stellen, um die Reaktionen weiter zu testen, aber das habe ich dann unterlassen. Stattdessen antwortete ich: ÔÇ×Ja, kann ich! Sie mich auch?" Sie nickte und l├Ąchelte mich leicht irritiert an.

Jede einzelne Frage, die sie mir gestellt hat, betonte sie peinlich genau. Mit dieser ÔÇ×leichten Sprache" hat die Beamtin weiterhin mit mir geredet. Bis dahin fand ich es ja schon sehr unterhaltsam, doch es kam noch besser.

Keine Unterscheidung mehr

Ich musste ernsthaft Dinge ├╝bersetzten wie: ÔÇ× Sie d├╝rfen nicht ihre Kinder zu Tode pr├╝geln. In Deutschland w├Ąscht man sich in der Dusche oder Badewanne." Scheinbar ging die Beamtin im Ausl├Ąnderamt davon aus, wenn man nicht aus Deutschland kommt, h├Ąlt man all das f├╝r nicht selbstverst├Ąndlich.

Irgendwann kamen wir dann auch zum Ende und die Sachbearbeiterin fragte mich einige private Dinge. ÔÇ×In welcher Behindertenwerkstatt arbeiten sie denn?" Erneut versuchte ich mir meine sarkastischen Spr├╝che zu unterdr├╝cken. ÔÇ×Ich studiere BWL."

Die Sachbearbeiterin starrte mich mit gro├čen Augen an. ÔÇ×Ach, Sie studieren. Und wo haben Sie kurdisch und arabisch gelernt?" Ich sagte ihr, dass ich urspr├╝nglich aus Syrien komme. Dann kam der Standardspruch, den vermutlich jeder kennt, der eine andere Muttersprache hat:

ÔÇ×Sie k├Ânnen aber gut Deutsch." Ab dem Moment konnte ich mir einfach nicht mehr meine Spr├╝che verkneifen: ÔÇ×Ja klar, nach mehr als 22 Jahren sollte man doch die Sprache beherrschen?! Abgesehen davon, habe ich fast mein gesamtes Leben hier verbracht!" Die Sachbearbeiterin merkte, dass ich langsam genervt war und lie├č uns dann endlich gehen.

Als ich raus ging, dachte ich ├╝ber die Situation noch mal nach und kam zu der Erkenntnis, dass jeder irgendwie behindert ist. So lange wir alle zwischen Migranten, Deutschen, Behinderten und Gesunden unterscheiden, bleiben wir alle irgendwie eingeschr├Ąnkt und gehandicapt in unserer Sichtweise auf andere Menschen!

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