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Wir Kurden sind gerade gut genug, um für euch zu sterben

09/10/2017 13:47 CEST | Aktualisiert 09/10/2017 13:47 CEST
SAFIN HAMED via Getty Images

In den letzten paar Wochen haben sowohl Katalonien, als auch Kurdistan ein Referendum zur Unabhängigkeit ausgerufen. Hier sind nicht nur die Anfangsbuchstaben gleich, sondern auch die Haltung der Nachbarländer. Denn sowohl der Irak, als auch Spanien möchten das Referendum nicht anerkennen.

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Es hat vermutlich niemand damit gerechnet, dass der Widerstand in Europa gegen ein Unabhängigkeits-Referendum gewalttätiger ausfallen würde, als der im Nahen Osten. Die Angst vor einem erneuten Konflikt im Nahen Osten war nämlich die Begründung für die Ablehnung des kurdischen Referendums durch die angrenzenden Länder.

Die Gefahr, dass die ganze Situation eskalieren könnte, sei zu groß gewesen. Nahezu jedes Argument wurde als Grund genommen, die Volksabstimmung in Kurdistan für nichtig zu erklären. Es ist sowohl paradox, als auch grotesk, dass der Nahe Osten sich nur in der Kurden-Frage einig ist.

Der befürchtete Flächenbrand im Nahen Osten

Während in Syrien in den letzten 6 - 7 Jahren 9 Millionen Menschen geflüchtet und über eine halben Million gestorben sind, gab es keine Einigung. So ähnlich war es auch während des Irakkrieges. Auch der andauernde Konflikt zwischen den Sunniten und Schiiten hat schon immer für Zündstoff gesorgt.

Die Kurden sind scheinbar gut genug, um für diese Länder zu kämpfen und ihr Blut zu vergießen, wie zum Beispiel gegen den IS. Wenn sie aber dafür auch eigene Rechte wollen, sind natürlich alle dagegen.

Mehr zum Thema: Peschmergafront: Ich habe die Kämpfe gegen den IS begleitet

Selbst der Un-Sicherheitsrat, die USA, Frankreich, England und Deutschland haben sich gegen das kurdische Referendum ausgesprochen. Und das, obwohl die USA normalerweise immer die Kurden gestärkt hat.

Die Marionetten des Nahen Ostens

Man hat die Befürchtung, dass es zu einem Flächenbrand in dieser Region kommen könnte, wenn sich die Kurden vom Irak abspalten würden. Da könnte man sich natürlich auch fragen, wann es denn jemals ruhig war in dieser Region?

Die Kurden wurden in der Vergangenheit immer als Marionetten des Nahen Ostens benutzt. Wenn es mal einen Disput zwischen den Ländern Irak, Syrien, Türkei oder Iran gab, hat man immer die Kurden als Mittel zum Zweck benutzt.

Der Unterschied zwischen den Kurden im Irak und den Kurden in Syrien

Die Kurden sind das größte Volk ohne eigenen Staat. Obwohl die Teilautonomie bereits 1966 im Nordirak ausgerufen wurde. Die Kultur im Nordirak ist rein kurdisch. Ganz anderes als in Syrien. Man vergleicht diese zwei Länder gerne miteinander, obwohl ihre Entwicklung ganz unterschiedlich verlaufen ist.

Kurdistan hat ein eigenes Parlament, eine eigenständige Regierung und sogar eine eigene Armee. Das können weder die Kurden aus der Türkei, Syrien oder dem Iran von sich behaupten.

Die Baath Partei hat im Norden Syriens gesiegt, indem es die kurdischen Dörfer und Städte arabisiert hat. Das Assad Regime hat die Kurden immer gut im Griff gehabt. Das kann man sehr gut auch an dem scheinbar nie enden wollenden syrischen Krieg erkennen.

Ganz anderes, als im Irak. In den 80er Jahren hat Saddam Hussein versucht, die kurdischen Regionen auch mit Arabern zu besiedeln, aber ohne großen Erfolg.

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Die Amerikaner wollten im Zuge des Irakkrieges im Jahre 2003, dass die Kurden für Bagdad und Mosul kämpfen. Dasselbe galt auch für die Mosul Operation im Oktober 2016. Das haben sie nicht getan und nur ihre eigenen kurdischen Gebiete befreit.

Was die Wirtschaft der Autonomen Region Kurdistan betrifft, lässt sich sagen, dass seit 2014 Bagdad sämtliche Zahlungen an Kurdistan eingestellt hat. Trotzdem können sich die Kurden der autonomen Region selbst finanzieren.

Diesen Umstand ignoriert die irakische Regierung. Die Kurden im Irak haben früh angefangen, sich selbst zu verwalten, um sich auf den Tag der Unabhängigkeit vorzubereiten.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

Seit den 60er Jahren gab es schon kämpfe zwischen Kurden und Irakern. Der Flächenbrand von dem alle reden, existiert bereits seit je her. Diese Region ist wie ein Vulkan, der scheinbar immer brodeln wird.

Statt Angst vor einem weiteren Krieg zu haben sollten sich die Länder des Nahen Ostens lieber um ihre eigenen Probleme kümmern, bevor sie die Unabhängigkeit eines anderen Staates unterbinden wollen.

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