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"Meine Nationalität: Mensch" - warum mir der Spruch zum Hals rauskommt

30/07/2017 18:34 CEST | Aktualisiert 30/07/2017 18:34 CEST
franckreporter via Getty Images

„Meine Nationalität: Mensch" - Diesen Spruch wurde schon so oft, für irgendwelche Werbungen oder Demos verwendet, Sodas er mir schon aus dem Hals raus kommt. Und was soll das eigentlich heißen? Natürlich sind wir alle Menschen, doch sind Inder, Türken, Philippinen, Araber oder Deutsche keine Menschen, wenn sie sich als solches bezeichnen? Muss ich meine Nationalitäten etwa immer wieder verstecken, um unvoreingenommen, wahrgenommen zu werden?

Grenzen sowohl im Kopf, als auch geografisch

Auch wenn Patriotismus überhaupt nicht mehr Zeitgemäß ist, existiert er immer noch. Diese Patrioten müssen ständig zelebrieren, wie stolz sie auf ihre Kultur und Nationalität sind. Warum kann ich nicht Oum Kalthoum hören und auch auf Lieder von Max Herre oder Beyonce stehen? Stimmt dann etwas mit meiner Identität nicht? Ich bekomme bei solchen Menschen ständig das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Zwar weiß mein Intellekt sehr genau, dass diese Menschen Angst vor Veränderung haben und diese Grenzen sowohl im Kopf, als auch geographisch brauchen, dennoch muss ich schmunzeln.

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Angst vor der Herkunft

Dann gibt es noch dieses andere Phänomen. Menschen, die auf Teufel komm raus, nicht mit irgendetwas in Verbindung gebracht werden wollen, was mit ihrer Herkunft zu tun hat. Abgesehen davon sind es auch immer die, die ganz besonders hart mit ihren Landsleuten abrechnen, verurteilen und notorisch kritisieren. Als wäre es für sie eine Beleidigung, den Begriff „Herkunft" in ihrer Gegenwart zu hören.

Die Angst vor der eigenen Identität

Diese beiden Extreme, haben aber eins gemeinsam: Sie haben Angst, vor ihrer Identität. Die einen befürchten sie zu verlieren und glauben, dass sie deshalb alles andere verleugnen oder ignorieren müssen. Diese Menschen könnten oft Integration von Assimilierung nicht unterscheiden. Die anderen hingegen möchten ein Kern ihrer Identität unterdrücken, um endlich als Teil einer anderen Gesellschaft akzeptiert zu werden.

Ob auch wusste Descartes wer er ist?

Descartes sagte mal: „Ich denke, also bin ich" Descartes zweifelte an allem. Das einzige, worin er Gewissheit gefunden hatte, war seine Existenz. „Da es ja immer noch ich bin, der zweifelt, kann ich an diesem Ich, selbst wenn es träumt oder phantasiert, selber nicht mehr zweifeln." Es klingt so simpel und ist dennoch so komplex. Descartes wusste zwar, dass er existiert, doch wusste auch wer er ist?

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Nicht die Nationalität trennt uns, sondern wir selbst

Kann ich wirklich nur das eine oder das andere sein? Warum ist es so schwer als Produkt von mehreren Kulturen bzw. Nationalitäten angesehen zu werden? Mich beschäftigt eine ganz andere Frage, Wer entscheidet was wir sind? Und warum machen wir das von anderen abhängig? Die Wahrheit ist doch, dass nicht unsere Nationalität trennt uns voneinander, sondern wir selbst.

Wenn wir IdentiTäter sind, wer sind dann unsere Opfer?

Tatsache ist, dass wir unsere Identität, von unserer Zugehörigkeit ausmachen. Und apropos Tat - Wem tun wir damit eigentlich am meisten leid? Wenn wir IdentiTäter sind, wer sind eigentlich unsere Opfer? Menschen, die wir als „Kanacke, Reisfresser, Nigga oder Zigeuner bezeichnen, um sie für uns zu vereinheitlichen und uns über sie zu stellen, oder bemitleiden wir uns damit nur selbst?

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