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Extremismus kennt keine Volkszugehörigkeit

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RADICALISM GERMANY
Reuters Photographer / Reuters
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Sei es beim engstirnigen Wutbürger oder im streitwütigen Nahen Osten, die Angst ist ein allgegenwärtiger Begleiter unserer Zeit. Angst vor der Islamisierung des Morgenlandes und vor der "Westlicherisierung" des Abendlandes. Doch warum ist der Extremismus bei einigen Menschen verständlich und bei anderen nicht?

Das Mekka des Extremismus heißt aktuell Syrien. Extrem undurchsichtig, extrem umkämpft, extrem makaber und extrem traurig. Der Krieg, der fast 4.000 Kilometer von uns entfernt ist, hat mittlerweile sogar Auswirkungen auf unseren Alltag.

Seitdem so viele Flüchtlinge auf einmal nach Deutschland gekommen sind, sind die Menschen verunsichert. Wenn man die Flüchtlingspolitik kritisiert, wird man direkt in die rechte Ecke gestellt und wenn man die Flüchtlinge in Schutz nimmt, ist man ein linksorientierter "Gutmensch".

Der Extremismus in unserer deutschen Gesellschaft wächst und wächst. Der Frust sitzt bei einigen Menschen in Deutschland sehr tief. Geringe Rente, wenig Arbeitslosengeld, mangelnde Lehrer an Schulen, Wohnraummangel und für all diese Probleme soll der Staat kein Geld haben.

Nachdem jedoch genügend Geld, Wohnungen und Lehrer für Flüchtlinge bereitgestellt wurden, waren die Konflikte vorprogrammiert. Obwohl wir Deutschen in einem Land leben, das Grundgesetzte hat und ein funktionierendes Justizsystem, kämpfen wir auch vermehrt mit dem Extremismus.

Ein Land, das keine Gesetze mehr hat

Wie sieht es dann wohl in einem Land aus, das keine Gesetzte mehr hat, tagtäglich bombardiert und beschossen wird? Unter diesen Bedingungen leben die Syrer in Syrien seit mehr als fünf Jahren. Seit Beginn der Aufstände in Syrien diskutieren Politiker, ob man den sogenannten "Rebellen" helfen solle oder nicht.

Und falls doch, wem soll man die Waffen überreichen? Eine moderate Opposition existiert kaum mehr. Wie auch, wenn seit Jahren ein blutrünstiger Krieg herrscht, der den Menschen keine Möglichkeit mehr lässt, klar zu denken. Das einzige, worauf sich diese Menschen noch verlassen können, ist der Urinstinkt und sonst nichts! Aktuell gibt es circa 1200 Gruppierungen, die kaum jemand mehr durchschauen kann. Jeder kämpft irgendwie gegen jeden.

Selbst die Syrer wissen nicht mehr, was genau in Syrien passiert. Nach Angaben der "Süddeutsche Zeitung" sind mehr als vier Millionen Menschen aus Syrien geflohen, 7,5 Millionen sind auf der Flucht im eigenen Land, und 470.000 Menschen sind gestorben.

Von solchen Menschen erwartet die internationale Politik tatsächlich, dass sie noch rational denken, nicht extremistischer werden und diesen Krieg diplomatisch untereinander lösen können. Das ist genau so, als wenn man einen Menschen jahrelang im Dschungel aussetzt und dann erwartet, dass er mit Gabel und Messer essen kann.

Wir dürfen uns nicht wundern

Ich würde gerne wissen, ob unsereins unter denselben Bedienungen nicht vielleicht auch spätestens jetzt zur ISIS, Al Nusra, YPG oder syrischem Regime halten würde, wenn wir auch dort leben müssten?

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Über den Nahost-Konflikt sollte sich keiner mehr wundern, denn auch wir Europäer oder Deutschen würden vermutlich im Chaos enden, wenn es nicht die Gesetzte gebe, an die wir uns alle halten müssen, um miteinander leben zu können.

Extremismus ist kein Phänomen, das eine Volkszugehörigkeit hat. Er entsteht durch Wut, Leid und Enttäuschung. Also sollten wir aufhören, mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, die seit Jahren nicht mehr wissen, wohin sie gehören und das Verständnis für richtig und falsch verloren haben.

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