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Liebe Grüße aus München: Die HuffPost kommt nach Deutschland

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München - Liebe Grüße aus München! Ich bin zum Start der Huffington Post Deutschland hier in München. Wir freuen uns unsere Zusammenarbeit mit TOMORROW FOCUS, Teil der Hubert Burda Media, verkünden zu können. Eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen für digitale Medien zu dem das drittgrößte deutsche Newsportal FOCUS Online gehört. Die HuffPost Deutschland wird sowohl ein journalistisches Portal als auch eine Plattform für Blogger in Deutschland, Österreich und der Schweiz sein. Cherno Jobatey, der über zwanzig Jahre das ZDF-Morgenmagazin moderiert hat, wird Editorial Director der Huffington Post Deutschland.

Lange Zeit war ich entschlossen Deutsch zu lernen. Eine Sprache, die meine Mutter fließend gesprochen hat. Außerdem wollte ich einige meiner Lieblingsautoren im Original lesen können. Aber als ich vierzig wurde, schrieb ich eine Liste all der Dinge, die ich - realistisch betrachtet - nie zu Ende bringen würde. Und Deutsch lernen stand - ebenso wie eine gute Skifahrerin zu werden - auf der Liste. Über die Entscheidung das Skifahren aufzugeben, bin ich sehr glücklich. Darüber, dass ich das Deutschlernen aufgegeben habe, nicht. Leider beschränken sich meine Sprachkenntnisse mittlerweile auf meinen exzessiven Gebrauch des Wortes „Zeitgeist."

Die HuffPost Deutschland wird schonungslos aus der Politik und dem deutschen Nachrichtengeschehen berichten. Und das in dieser hochinteressanten Zeit in der Deutschlands Rolle in Europa stetig wächst. Von dem historischen Sieg Angela Merkels bei der vergangenen Bundestagswahl zum ersten dunkelhäutigen Abgeordneten mit afrikanischen Wurzeln im Bundestag. All das und vieles mehr wird ein Thema bei der Huffington Post Deutschland. Aber während wir einerseits von den wichtigsten Entwicklungen in der Politik und aus den Nachrichten berichten, werden wir auch alle anderen Bereiche bedienen. Von Technik, Sport und Ernährung zu Medien, Religion und Unterhaltung.

Und wir werden über den einzelnen Moment und das Perpetual Now, die unsere Medienkultur viel zu oft dominieren, hinausgehen. Ein großer Teil unserer Mission wird sein, das Dritte Metrum „The Third Metric" in Deutschland zu beleuchten. Einen Blick darauf zu werfen, wie Deutsche aller Generationen damit umgehen. Das Dritte Metrum ist unser Ansatz Erfolg neu zu definieren. Wir wollen eine neue Definition des Begriffs, der über die bestehenden Maßeinheiten Geld und Macht hinausgeht. Das Dritte Metrum wird durch die Faktoren Wohlbefinden, Weisheit, Begeisterungsfähigkeit, Hingabe und die Bereitschaft etwas zurückzugeben definiert. In Deutschland ist es - wie in den meisten Industrieländern - zunehmend schwer, die Arbeit und den Rest des Lebens miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen. 43 Prozent der Deutschen Arbeitnehmer geben an, dass ihr Job in den vergangenen zwei Jahren anstrengender geworden ist.

Oder um es mit den Worten von Ursula von der Leyen zu sagen: „2011 hatten wir aufgrund von psychischen Erkrankungen 59 Millionen Krankheitstage. Das ist eine Steigerung von über 80 Prozent in den letzten 15 Jahren."

Das sind niederschlagende Zahlen mit möglicherweise verheerenden Folgen. Aber die Tatsache, dass Deutschland das Problem in Angriff nimmt, ist vielversprechend. Tatsächlich hat Deutschland - mehr als alle anderen Länder der westlichen Welt - das Thema Burnout und seine enormen Kosten angepackt.

„Wir verlieren in Deutschland viel Zeit und Geld, bevor die Firmen begreifen, dass es nicht nur um Migräne oder psychosomatische Rückenschmerzen geht," erklärte von der Leyen vergangenes Jahr gegenüber der AFP. „Nichts kostet ein Unternehmen so viel, wie einen guten Angestellten in seinen Vierzigern in Frührente schicken zu müssen, weil er an Burnout leidet. Diese Fälle sind nicht mehr nur die Ausnahme. Es handelt sich um eine Entwicklung gegen die wir etwas unternehmen müssen."

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Rheingold aus dem Jahr 2012 zeigt, dass 46 Prozent der Deutschen Alltagsstress zunehmend als Problem empfinden, das sie davon abhält ihr Leben zu genießen. Wie „Der Spiegel" schreibt: „Ob Essen, Alkohol, Urlaub oder Entspannung: Die Deutschen finden nicht die Muße zum Genießen. Tatsächlich können sie nicht einmal beim Sex richtig loslassen." Und weiter „Unser Glücksgen ist zunehmend gestört; wir haben vergessen, wie man sich amüsiert." HuffPost Deutschland hat es sich (unter anderem) zum Ziel gemacht, das zu ändern!

Unterdessen wurden einige echte und vielversprechende Schritte im Kampf gegen Burnout getan. Immer mehr Individuen und Organisationen schreiten zur Tat. Um den negativen Effekten einer hypervernetzten Arbeitswelt entgegenzuwirken, haben viele deutsche Firmen, darunter Volkswagen, Puma und BMW, ein Verbot für E-Mails nach Feierabend erlassen. Einer der prominentesten Verfechter der reduzierten Erreichbarkeit war Carsten Schloter, ehemaliger CEO von Swisscom. Er sagte dem irischen Independent, „das gefährlichste, das einem passieren kann, ist dass man in einen Zustand der permanenten Aktivität übergeht". Im Juli wurde Schloter tot aufgefunden. Der Geschäftsmann hat Selbstmord begangen. In den darauffolgenden Wochen wurden alte Interviews, in denen er unter anderem von der Sucht nach seinem Smartphone spricht, wieder und wieder gezeigt. Zwei Monate vor seinem Selbstmord sagte er: „Ich muss zugeben, es fällt mir zunehmend schwer mich zu entspannen und abzuschalten."

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat unter Leitung von Ursula von der Leyen Managern verboten, ihren Angestellten nach Feierabend E-Mails zu schicken oder sie anzurufen. Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall. Einige deutsche Manager arbeiten an Modellen, um die Produktivität und Kreativität der Firma zu steigern und gleichzeitig das Wohlbefinden der Angestellten zu steigern. Ein Sprecher von VW sagte zum Feierabend-Blackberry-Verbot des Konzerns: „Wir wollten mit einem präventiven Ansatz das Problem angreifen." So geht VW gegen die verschwimmende Linie zwischen Arbeit und Privatleben vor.

Schließlich haben die Deutschen das wundervolle Konzept der Gemütlichkeit entworfen. Ein weiteres wundervolles Wort, das sich nicht wirklich ins Englische übersetzen lässt. Der Ausdruck bezeichnet einen Zustand der Behaglichkeit, Intimität und Unaufgeregtheit, die wir in der modernen Welt so dringend brauchen. Die Idee dahinter ist so universell, dass die Stadt Jefferson in Wisconsin sie in ihrem Slogan „The Gemütlichkeit City" verwendet.

Die Huffington Post Deutschland startet in einer Phase der Veränderung und des Aufbruchs in der deutschen Medienlandschaft. Bloggen ist hier noch relativ wenig verbreitet. Das bedeutet riesige Chancen auf Wachstum für die HuffPost. Einen medialen Hybriden: Kombination aus journalistischem Kanal, der vergangenes Jahr mit dem Pulitzer Preis für seine investigative Berichterstattung ausgezeichnet wurde und einer starken Blogger-Plattform. Tausende Stimmen, die sonst nicht gehört werden würden, können so an einem globalen Austausch teilnehmen. Unser Ziel ist es nicht nur die großen Geschichten zu erzählen, sondern auch den Menschen in Deutschland zu helfen, ihre Geschichten selbst zu erzählen. In Wort, Bild und Video.

Zeitgleich zu dem Launch veranstalten wir ein Lunch und eine Podiumsdiskussion zum Thema Third Metric. Wir werden Möglichkeiten diskutieren, wie wir Erfolg neu definieren und Burnout bekämpfen können. Zu den Rednern gehören die Chefredakteurin der Webseite „Yoga Easy", Kristin Rübesamen, und die Chief Diversity Officer der Siemens AG, Denice Kronau, deren eigene Burnout-Erfahrung 2002 sie dazu veranlasste ein Sabbatjahr zu nehmen und ihre Prioritäten zu überdenken. Ein weiterer Redner ist Till Roenneberg, Biologieprofessor von der Münchner Ludwig-Maximilians Universität. Zu seinem Forschungsgebiet zählt der Biorhythmus und das Konzept des sozialen Jetlags. Auch Saskia Thais Bruysten, die CEO von Yunus Social Business, wird ans Rednerpult treten. Sie steht an der Spitze einer aufstrebenden Firma, die sich für das Wohl der Allgemeinheit einsetzt und zeitgleich profitorientiert arbeitet. Steffi Czerny, Geschäftsführerin der DLD Media, tankt gerne beim Beobachten von Vögeln in den bayerischen Alpen Energie und wird ebenfalls sprechen.

Die Zusammenarbeit mit unseren deutschen Partnern bei Tomorrow Focus war eine wundervolle Erfahrung. Vor allem mit Vorstandmitglied Christoph Schuh, Geschäftsführer Oliver Eckert und FOCUS-Online-Chefredakteur Daniel Steil. Ebenso die Zusammenarbeit mit dem Chefredakteur der Huffington Post Deutschland, Sebastian Matthes. Er kommt vom deutschen Wirtschaftsmagazin „Wirtschaftswoche", hat für die deutsche „Financial Times" und „WiWo Green" („Think Green"), eine Plattform für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, geschrieben. Außer Cherno und Sebastian besteht unser Team aus der Frontpage-Managerin Danuta Szarek, Christoph Pagel, Blog Editor Axel Schoen, den Redakteuren Jan David Sutthoff, Tobias Füllbeck, Sabrina Hoffmann und Susanne Klaiber; Social-Media-Editorin Miriam Held; der Übersetzerin Franca Lavinia Meyerhöfer; den Volontären Gina Luisa Metzler, Christoph Asche und Marcel Bohnensteffen und Praktikantin Nina Damsch.

Zum Start bloggt für uns unter anderem Arbeitsministerin Ursula von der Leyen über den demografischen Wandel in der deutschen Gesellschaft und die Notwendigkeit sich darauf einzustellen. Nicolas Berggruen, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Berggruen Holdings, schreibt über die Folgen der Sparpolitik. TV- und Radiomoderatorin, Schauspielerin und Autorin Miriam Pielhau schreibt über die verschiedenen Wendepunkte in einem Leben, die selbstbestimmten und jene, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Und auch Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, setzt sich am internationalen Tag gegen die Todesstrafe mit dessen Bedeutung für die Menschenrechte auseinander.

Wir freuen uns, Deutschland in der Huffington-Post-Familie willkommen zu heißen. Wie immer an dieser Stelle: Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion, um ihre Gedanken mit uns zu teilen.