Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Arianna Huffington Headshot

Das ist der Anfang vom Ende für Donald Trump

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Getty Images
Drucken

Im politischen Leben eines jeden US-Präsidentschaftskandidaten gibt es den Moment, an dem er die Grenzen von Recht oder Unrecht (das hängt ganz von der Perspektive ab) überschreitet. Das passiert auch jenen Kandidaten, die im Fernsehen Millionen Zuschauer anlocken und die das große Publikum brauchen wie die Luft zum Atmen.

Für Sarah Palin war dieser Moment das Interview mit der Journalistin Katie Couric im Jahr 2008. Sie sagte damals: „Ich kenne mich in der Außenpolitik gut aus, weil Alaska so nah an Russland liegt." Die Aussage fügte ihr selbst und der Wahlkampagne des republikanischen Bewerbers John McCain nicht wieder gutzumachenden Schaden zu.

Trumps Sarah-Palin-Moment

Donald Trump, über den die Huffington Post passenderweise in der Rubrik Entertainment berichtet, ist jetzt etwas ganz ähnliches passiert.

Überraschenderweise war es aber nicht der Moment in der zweiten TV-Debatte der Republikaner, als die Republikanerin Carly Fiorina Trump mit diesem vernichtenden Satz in die Knie zwang: „Ich denke alle Frauen in diesem Land haben sehr deutlich gehört, was Donald Trump gesagt hat".

Ja, das ließ ihn bluten, ebenso wie die dramatischen 12 Sekunden, die sie nach ihrer Aussage schwieg. Aber es war nicht tödlich.

Nein, Historiker werden eines Tages Trumps Auftritt bei einer Fragestunde in der Stadthalle von Rochester, New Hampshire, als den Anfang des Endes der Trump-Show benennen.

Trump hörte zu, als ein Mann aus dem Publikum behauptete, Präsident Obama sei ein Moslem und „nicht einmal ein Amerikaner". Trump sah den Mann direkt an und erklärte: „Nein, er ist ein anständiger Familienvater und ein Mitbürger, mit dem ich in grundlegenden Fragen nicht einer Meinung bin. Und darum geht es in dieser Kampagne. Er ist kein Araber."

Nein, das war ein Witz - Trumps Antwort war, nun ja, mehr oder weniger heiße Luft. Er sagte zu dem Mann: „Es geht hier um ganz unterschiedliche Themen, und sie wissen ja, viele Menschen sagen das."

Die Antwort oben stammt von John McCain, als eine Frau behauptete, Barack Obama sei ein Araber. Es war der John McCain, über den Donald Trump sagte, er sei „kein Kriegsheld".

Wenig ist so vernichtend für einen Kandidaten wie die Weigerung, einfache Tatsachen anzuerkennen. Besonders für einen Kandidaten, der verkündet, mit Feinden hart ins Gericht zu gehen, gleichzeitig aber nicht in der Lage ist, seinen eigenen Anhängern Paroli zu bieten. Nicht anzuerkennen, dass Barack Obama in den USA geboren wurde, kommt in etwa dem Glauben gleich, dass die Erde flach ist.

Selbst Trumps Anhänger sind peinlich berührt

Selbst Trumps eigene Anhänger sind peinlich berührt. Der Milliardär Mark Cuban geriet ins Straucheln, als er in der TV-Sendung Real Time with Bill Maher am letzten Freitag einräumen musste, dass der Kandidat, den er unterstützt, „nicht gewinnen wird. Er hat keine Chance... nicht die geringste."

Wann also werden auch die Medien genug Schamgefühl haben, um Trump das riesige Megafon, das sie ihm in die Hand gedrückt haben, wieder zu entreißen? Und seien wir doch mal ehrlich: Sie lassen ihm das Megafon nicht, weil er der Spitzenreiter ist, sondern weil er als Entertainer für Spitzenquoten sorgt.

Aber schon der Fall Sarah Palin hat gezeigt, dass selbst die Quoten-besessenen Medien in der Lage sind, Kandidaten fallen zu lassen. Bei Trump kann man es schon beobachten. Es sind bereits Risse zu sehen. Und wenn die Medien jemanden fallen lassen wollen, dann tun sie das sehr schnell.

Das sagte der Moderator Chuck Todd in der Sendung NBC Nightly News, nur wenige Stunden nach Trumps Auftritt in New Hampshire:

Wir sprechen von einem langsamen Fall... irgendwann einmal werden wir uns an diese Woche erinnern und sagen: Vielleicht war das der Anfang vom Ende für Trump 2016. Wir werden sehen.

Das werden wir in der Tat. Schon jetzt scheint das oft wiederholte Video von Todds Interview in Trumps Privatjet wie eine langsam verblassende Erinnerung.

Auch der Moderator George Stephanopoulos hakte nach und fragte Trump in seiner Sendung immer wieder, ob Barack Obama in den USA geboren wurde. Die Frage brachte den sonst so wortgewandten Trump ins Stottern und Straucheln, wie der folgende Dialog zeigt:

TRUMP: Also, weißt Du, damit beschäftige ich mich nicht, George. Mir geht es um Jobs. Ich rede vom Militär. Damit beschäftige ich mich nicht. Also, ich meine, die Frage wird mir gestellt. Ich will aber nur über diese Themen sprechen, denn, ehrlich gesagt, das interessiert mich einfach nicht mehr. Das haben wir hinter uns und abgeschlossen. Das ist einfach etwas, über das ich nicht spreche.

STEPHANOPOULOS: Also, um dieses Thema endgültig abzuschließen, sollte diese Frage einfach nur mit ja oder nein beantwortet werden. Glauben Sie dieses...

TRUMP: Also, das.. das kann sein. Aber damit beschäftige ich mich nicht und ich spreche einfach nicht darüber.

Und so ging es weiter.

Trumps Stärke ist seine direkte Art. Er spricht aus, was alle anderen denken, aber sich keiner zu sagen traut. Was aber der Auftritt vor seinen Anhängern in New Hampshire zeigt, ist das Gegenteil von direkt.

Trump lebt in einer anderen Wirklichkeit

Trump hätte genauso einfach mit ja oder nein auf Stephanopoulos' Frage antworten können, wie er den Mann aus dem Publikum hätte korrigieren können. Er hätte sich auch einfach von dieser rassistischen, falschen und von Hass gezeichneten Aussage distanzieren können. Er hätte alles tun können, um zu beweisen, dass er insgeheim nicht doch ein Verfechter der Idee ist, Barack Obama sei ein heimlicher, ausländischer Moslem und dass alle Moslems, wie der Mann in New Hampshire es ausdrückte, „ein Problem" seien, das man beseitigen müsse.

Stattdessen sagte Trump: gar nichts.

Trumps Sarah Palin-Moment verdeutlicht, dass er in einer anderen Wirklichkeit lebt. Bei seinem Versagen, auf seiner eigenen Wahlkampfveranstaltung die Dinge richtig zu stellen, geht es nicht um unterschiedliche Meinungen, es geht um Verstand und Führungspersönlichkeit.

Und jedes Mal, wenn die Medien sich weigern, einen Kandidaten für diese fundamentale und unbestreitbare Lüge Obama sei kein Amerikaner zur Rechenschaft ziehen, dann ist das unverantwortlich.

Trump besitzt kein Fundament

Und so wird der Auftritt in New Hampshire hoffentlich auch für den Moment stehen, als die Medien anfingen, ihre Arbeit zu tun. Bisher durfte Trump nach seinen eigenen Regeln spielen. Als möglicher Präsidentschaftskandidat verhielt er sich genauso, wie schon zuvor als Entertainer und Reality TV-Star. Und die Medien nickten es ab.

Für ihn wurden Ausnahmen gemacht. Er durfte die Moderatoren live im Frühstücksfernsehen anrufen, wann immer er seine unglaublichen Ansichten in die Welt posaunen wollte. Was die Medienmanie um seine Person nur noch mehr befeuerte.

Aber die Manie lässt nach. Das neuste vom Bauunternehmer Trump errichtete Gebäude zeigt bereits Risse, denn es besitzt kein Fundament. Die einzige Überraschung ist, dass der Zusammenbruch Trumps, des Kandidaten, der einfach nicht den Mund halten kann, nicht dadurch hervorgerufen wurde, dass er etwas offen aussprach, sondern dadurch, dass er einfach schwieg.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite