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Meine Lebensgeschichte, die noch niemand kannte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHILDREN SCHOOL
Muhammad Hamed / Reuters
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Als ich noch in Syrien lebte, war ich nicht selbstbewusst. Ich war immer jemand, der seine Gedanken und sein Wissen versteckt hat. Tag für Tag waren meine Einschätzungen und meine Kenntnisse nur in meinem Kopf.

Ich war immer der Intelligenteste unter allen. Ich hatte immer die richtigen Antworten für alles, aber niemand außer meiner Familie hat mich motiviert, mehr aus meinem Wissen zu machen.

Ich hatte immer sehr gute Noten in allen Fächern, ich bekam nie eine schlechte Note. Bei uns war die Eins schlecht und die 10 sehr gut. Ich hatte immer eine 10 bis zur 4. Klasse. Nachdem das mit meiner Mutter passiert war, ist dann für mich alles schwerer geworden. Ich war einfach nicht mehr motiviert.

Es waren Tage, an denen ich nur auf etwas Neues gewartet habe. Einen Anstoß. Ich habe nie die Vorstellung, dass ich jemand anders werden könnte. Es gingen mir viele Gedanken durch den Kopf.

Ich dachte, wir würden sterben

Ich wollte endlich etwas machen, das allen beweist, was ich wirklich kann. Und nicht das bestätigt, was alle von mir dachten. Jeder in unserem Dorf dachte, ich sei nicht klug und könne einfach nicht mehr leisten.

Als meine Schwester und ich beschlossen nach Deutschland zu kommen, war meine Welt plötzlich anders. Ich fragte mich: Wie sieht das neue Land aus? Wie wird es sein, in Deutschland zu leben?

Im Knast habe ich alles aufgegeben, ich dachte, wir würden sterben und alle Anderen vergessen mich einfach, mich und meine Familie. Ich wollte immer nur, dass uns nichts passiert und die restliche Familie glücklich ist.

Als ich dort ans Sterben dachte, dachte ich auch an meine Familie. Ich dachte, sie würde traurig sein. Wir wollten schnell da raus und nach Deutschland.

Ich habe mich durchgekämpft

Als wir endlich aus dem Knast raus kamen, waren meine Fragen die gleichen. Werden wir in dieser neuen Welt angenommen? Meine Gedanken waren durcheinander.

Nach ein paar Tagen waren wir in Deutschland. Die ersten Monate habe ich die Sprache im Kinderheim gelernt und mich integriert. Wir sind gut angekommen und haben das Beste bekommen.

Damals ging ich in Köln zur Schule, alles war toll und ich habe neue, nette Menschen kennengelernt, die mich bis jetzt begleiten und mir helfen. Sie sind meine zweite Familie.

Nach ein paar Jahren sind wir in Bad Salzuflen angekommen. Meine Deutschkenntnisse sind sehr viel besser geworden. Ich habe mich durchgekämpft. Heute arbeite ich hart daran besser zu werden.

Viele versuchen mich auszunutzen

Die Leute aus Syrien, die heute hier sind, jene, die damals nicht an mich glaubten, versuchen nun mit mir Kontakt aufzunehmen, weil sie wissen, dass ich vieles weiß und helfen kann. Viele versuchen auch mich auszunutzen, doch vergeblich.

Ich habe diese Menschen hinter mir gelassen. Und will keinen Kontakt mehr zu ihnen haben. Das sind solche Menschen, die mit dir lachen und hinter deinem Rücken schlecht von dir reden.

Heute versuche ich mein Deutsch zu verbessern, mich weiterzuentwickeln. Ich will ein guter Journalist sein und über Dinge berichten, die nicht immer in der Öffentlichkeit vorkommen. Ich bin froh, dass viele meiner Freunde Journalisten sind, die mich unterstützen. Um ehrlich zu sein, das sind für mich nicht nur Freunde. Ich mag sie so sehr, dass sie für mich auch eine Familie sind.

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Ich bedanke mich bei diesen Leuten, die mich unterstützen und lieben. Niemand ist perfekt. Ich bin auch der Huffpost dankbar, dass ich einer ihrer Blogger sein darf.

Meine Lebensgeschichte ist lang und sehr kompliziert. Sie ist vielmehr traurig als schön. Ich werde daran arbeiten, meine ganze Geschichte noch komplett zu veröffentlichen. Damit ihr alle davon wisst. Jeder Mensch hat seine Geschichte, aber ich verspreche euch, meine bald in die Öffentlichkeit zu bringen.

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