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Meine Mutter musste sterben, weil sie den falschen Glauben hatte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
YAZIDI
Sertac Kayar / Reuters
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Syrien vor zwölf Jahren, im Jahr 2005. Ich führte das Leben eines fröhlichen kleinen Jungen. Ich war sehr gut in der Schule, immer Klassenbester. Aber plötzlich veränderte sich alles. Meine Mutter wurde krank, sehr krank und sie musste operiert werden.

Mein Vater brachte sie in ein Krankenhaus nach Aleppo. Sie blieb dort ungefähr zwei Monate. Meine Mutter rief nach mir. Ich solle sie besuchen kommen, bevor es zu spät ist.

Die Ärzte sagten zu meiner Familie, dass eine Operation unausweichlich wäre. "Wenn ihr euch sicher seid", sagte mein Vater, "dann führt die Operation durch". Nach zwei Stunden erhielten wir die schreckliche Nachricht: "Ihre Mutter ist leider verstorben".

Meine Schwester und mein Vater haben geweint. Ich war in dem Moment völlig traumatisiert. Meine Mutter wollte mich sehen und ich sie ebenfalls, doch ohne Abschied zu nehmen, ging sie ins Jenseits.

Nach paar Wochen, ging ich wieder ganz normal zur Schule. Meine Noten wurden schlechter. Niemand außer meine Schwester war für mich da. Sie unterstütze mich so gut es ging.

Jetzt, nach fünf Jahren, habe ich fast alles vergessen. Eine Frage habe ich jedoch immer noch auf dem Herzen. Warum musste meine Mutter sterben? Weil wir zu den Jesiden gehören? Weil wir einen anderen Glauben haben als der Rest? Wieso werden wir bis heute verfolgt?

Mich lässt einfach das Gefühl nicht los, dass die Ärzte meine Mutter haben sterben lassen. Wir Jesiden haben es in Syrien nie leicht gehabt. Oft hat man uns behandelt wie Bürger zweiter Klasse. Ohne meine Schwester, die wie eine zweite Mutter für mich ist, wäre das alles noch viel schwerer zu ertragen.

Doch jetzt, hier in Deutschland, wird alles anders. Ich bekomme endlich die Möglichkeit meine Zukunft und mein Leben zu gestalten, wie ich es möchte. Und dafür bin ich den Deutschen sehr dankbar.

Aras Bacho ist Flüchtling aus Syrien und schreibt bei der Huffington Post über seine Erlebnisse. Er und seine Familie gehören zu den Jesiden, eine religiöse Minderheit, die in Syrien verfolgt wird.

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