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Natürlich haben Flüchtlinge gefälschte Pässe - und das ist auch gut so

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TURKISH
Getty
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In den deutschen Medien kursieren immer wieder Berichte über Flüchtlinge mit gefälschten Pässen. Am vergangenen Wochenende wurde zudem bekannt, dass das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration anscheinend bei der Erkennung der gefälschten Pässe massiv versagt.

Und ja, es stimmt. Viele Syrer und Flüchtlinge aus anderen Ländern, die nach Deutschland kommen, haben gefälschte Pässe. Einfach weil die Einreise damit sehr viel leichter ist.

Auch ich bin mit einem gefälschten Pass von der Türkei nach Griechenland gereist. Für die Weiterreise nach Deutschland habe ich dann keinen Pass mehr benötigt, da an den innereuropäischen Grenzen keine Kontrollen stattfanden.

Es war für mich der einzige Weg, der mir blieb. Denn mit einem echten syrischen Pass wären ich und viele andere Flüchtlinge wohl niemals nach Deutschland kommen, mit einem türkischen oder griechischen Pass hingegen schon.

Einem Griechen oder Türken werden schlicht weniger Fragen gestellt, man kommt einfach so durch die Grenze.

Einen Pass zu bekommen ist einfach

An einen gefälschten Pass zu kommen, ist relativ unkompliziert. Man kann sie in der Türkei für rund 1000 Euro kaufen. Man vereinbart einen Termin, macht ein Foto und kauft den Pass.

Manchmal bekommt man auch einen Pass mit einem Bild von Europäern. Die Schlepper schauen dann nur, ob man der Person auf dem Bild ähnlich sieht und verkaufen die Pässe.

Mehr zum Thema: Rainer Wendt über Flüchtlingspolitik: "Das musste schief gehen"

Von Griechenland bin ich dann von einem Schlepper nach Düsseldorf gebracht worden. In dem Fahrzeug saßen außer mir noch 60 weitere Flüchtlinge.

Für Leute, die wirklich Hilfe brauchen, also für Kriegsflüchtlinge wie mich, sind gefälschte Pässe sehr wichtig und auch notwendig. Denn ohne die gefälschten Dokumente könnten viele von uns dem Krieg und dem Leid gar nicht erst entfliehen.

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Aber ich muss auch sagen: Jeder, der gefälschte Pässe nutzt und nicht um sein Leben fürchtet, schadet den Kriegsflüchtlingen. Wirtschaftsflüchtlinge zum Beispiel. Denn diese Leute kommen nur nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Auch das ist in gewisser Weise verständlich, aber es stellt alle Flüchtlinge in ein schlechtes Licht.

Kriegsflüchtlinge brauchen Hilfe

Allen Deutschen, die sich über Syrer aufregen, die mit gefälschten Pässen reisen, muss ich noch eines sagen:

Seit sechs Jahren herrscht in Syrien jetzt Krieg. Hunderttausende Menschen sind gestorben. Alles, was sich die Syrer wünschen, ist Frieden. Deswegen flüchten sie nach Europa. Sie flüchten für ein besseres Leben und eine neue Chance.

Die Kriegsflüchtlinge brauchen Hilfe. Ich kenne keinen meiner Landsleute, der nach Deutschland wegen des Geldes gekommen ist; wir denken nicht an Geld.

Die Deutschen sollten sich deshalb nicht darüber aufregen, dass Menschen mit gefälschten Pässen in ihr Land reisen. Sie sollten lieber dazu beitragen, dass die Terrormiliz IS gestoppt und Assad bekämpft wird. Dann muss auch niemand mehr kommen.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

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