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"Wir wären fast erstickt": Die dramatische Flucht eines 12-Jährigen Syrers nach Deutschland

Veröffentlicht: Aktualisiert:
REFUGEE BOY
Marko Djurica / Reuters
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Ende 2012 flohen meine Schwester und ich nach Deutschland. Es war eine unglaublich harte Zeit, die mich schwer traumatisierte. In der Türkei und in Griechenland sahen wir Dinge, die ich einfach nicht vergessen kann.

Als wir nach mehreren Wochen der Flucht an der türkisch-griechischen Grenze ankamen, stießen wir auf einen sehr starken Fluss. Er hinderte unsere Gruppe am weitergehen, doch alle waren fest entschlossen ihn zu überqueren.

Das Problem war jedoch, dass bei weitem nicht jeder schwimmen konnte. In Syrien gibt es zwar Schwimmbäder, aber so gut wie keine Schwimmkurse. Nur die wenigstens hatten so etwas wie eine Badehose dabei, also stürzten sie sich mit ihrer normalen Kleidung in die reißenden Fluten.

Nicht viele schafften es den Fluss zu durchqueren

Die Folgen dieser Verzweiflungstat waren dramatisch: Meine Schwester und ich sahen Leichen im Wasser treiben, Kinder und Erwachsene. Nicht viele schafften es den Fluss zu durchqueren.

Das Selbe geschieht Tag für Tag im Mittelmeer. Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind, riskieren alles und scheitern. Kinder, die nie die Chance hatten sich eine Zukunft aufzubauen, klammern sich an jede Hoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung. Ihre Körper schwimmen bis heute im Meer.

Mehr zum Thema: Viele Flüchtlinge wissen nicht, was sie in Europa wirklich erwartet

Irgendwie schafften meine Schwester und ich es nach Griechenland einzureisen. Doch das Leid ging auch dort weiter. Man nahm uns fest und sperrte uns mit den anderen Flüchtlingen in ein Gefängnis. Das Essen dort war schlecht und die Polizisten behandelten uns mies.

Sie schlugen Migranten, die sich gegen die Umstände in den Zellen zur Wehr setzten. Viele Menschen dort haben tagelang geweint und unerträgliche Schmerzen erlitten. Physisch, wie psychisch. Ich war erst zwölf Jahre alt und ich hatte schon jede Hoffnung verloren.

Auf dem Weg nach Deutschland: Wir wären fast erstickt

Nach drei langen Monaten ließ die Polizei uns laufen. Ein uns unbekannter Mann nahm uns und sechzig andere Flüchtlinge in einem Bus mit nach Deutschland. Es gab kein Wasser und auch nichts zu essen.

Die Fahrt war unerträglich. Es hatte ungefähr vierzig Grad im inneren und alle Insassen haben unglaublich stark geschwitzt. Unter uns waren Kinder und auch Neugeborene. Wir haben sehr gelitten.

Nach zweieinhalb Tagen kamen wir endlich in Deutschland an. Ich glaube die Stadt hieß Düsseldorf. Unsere Freude war grenzenlos, denn die Reise hierher war das heftigste was ich in meinem Leben bis jetzt erlebt habe.

Für mich und für viele andere Asylbewerber ist dieses Land ein Symbol der Hoffnung. Deutschland ist die Zukunft der Flüchtlinge. Wir Flüchtlinge sind die Zukunft der deutschen Bürger.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

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