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Flüchtlinge aus Eritrea: " Wir wollten in Sicherheit sein, deswegen sind wir nach Deutschland geflohen"

14/05/2017 17:40 CEST | Aktualisiert 14/05/2017 17:40 CEST
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Bad Salzuflen - Ich habe während meines Praktikums bei der LZ- Lippische Landes-Zeitung zwei junge Flüchtlinge aus Eritrea im Selbstlernzentrum in Bad Salzuflen getroffen und interviewt.

Beim ersten Treffen hatte ich das Gefühl, dass die beiden vielleicht nicht alles verstehen werden und ich daher nicht viele Informationen von beiden bekomme. Yonas hat aber viele meiner Fragen verstanden, bis auf eine. Seine Schwester Yohana hatte hingegen große Schwierigkeiten mit der Aussprache. Das hat das Gespräch mit ihr schwieriger gemacht.

Ihr Bruder hat ihr aber geholfen, meine Fragen zu verstehen. Yohana und Yonas waren sehr nett und haben mir vertraut. Ich fand es toll, dass Yonas bereits gut Deutsch sprechen konnte.

Es war zwar nicht leicht, ein umfassendes und tiefgründiges Gespräch zu führen, ich bin aber dennoch zufrieden mit meinem ersten Interview. Ich habe großen Respekt vor den beiden. Sie haben sich getraut, offen mit mir über das Erlebte und ihre Zukunft zu reden und haben versucht, alle meine Fragen zu beantworten.

Ich bin mir auch sicher, dass die beiden große Chancen haben, hier ihre Zukunft selbst zu gestalten. Ich wünsche den beiden Geschwistern von Herzen, dass sie in Deutschland Schutz und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht bekommen.

Nun zu den persönlichen Geschichten der beiden: Yonas ist 27 Jahre alt und seine Schwester Johanna 21. Sie leben seit zwei Jahren und drei Monaten in Deutschland. Die Diktatur in Eritrea trieb die beiden zur Flucht.

Yonas hat mir erzählt, dass er und seine Schwester nach der Schule direkt mit einer Militär-Ausbildung beginnen sollten. "Mit 18 Jahren sollten ich und meine Schwester dem Militär beitreten. Das wollten wir beide nicht. Deshalb sind wir nach Deutschland geflüchtet", erzählte mir Yonas.

Der Weg nach Deutschland war für beide schwer und in einigen Ländern, die sie auf ihrem Weg in die Bundesrepublik durchqueren mussten, haben beide Diskriminierung erlebt. "Seitdem wir in Deutschland sind, haben wir keine Diskriminierung mehr erlebt und das gefällt uns beiden sehr", sagte mir Yonas.

Was will Yonas einmal werden?

Sein früherer Berufswunsch war Friseur und jetzt will er Schweißer werden. Er hat bereits als Friseur gearbeitet und es war nichts für ihn. Er sagte: Dass der Beruf Friseur weit schwerer war, als er es sich vorgestellt hatte. Seine Schwester Yohana will eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen, weil ihr der Beruf gefällt.

Eine Vorstellung davon, wie es in Deutschland ist, hatten die beiden schon vorher gehabt, bevor sie geflüchtet sind. Der restliche Teil der Familie weiß, dass Yonas und Yohana hier in Deutschland sind. Ein Teil der Familie lebt sogar in Deutschland und ein anderer Teil lebt noch in Eritrea, sagte Yonas.

"Wir hatten uns von Deutschland Sicherheit, Schutz und Demokratie vorgestellt. In Deutschland fühlen wir uns sicher und wir sind sehr froh hier gleiche Rechte und Freiheiten zu haben." Yohana sagte zu mir: "Als Frau durfte ich mich in Eritrea so anziehen, wie ich mochte und machen was ich wollte." Männer besäßen in Eritrea weniger Rechte, sagten die beiden.

Die beiden Geschwister leben derzeit in Bad Salzuflen und besuchen drei Tage in der Woche die Schule und zwei Tage in der Woche das Selbstlernzentrum, wenn sie Zeit haben. Zusammen möchten sie auch den Führerschein machen und besuchen auch deshalb das Selbstlernzentrum, weil manche Fragen im Führerscheintest für sie schwer zu verstehen sind.

Yonas und Yohana haben positive Erfahrungen mit dem Selbstlernzentrum gemacht. Die beiden haben die deutsche Sprache gelernt und sie sagten auch, dass sie im Selbstlernzentrum noch vieles lernen können.

Yonas erzählte mir, dass es verschiedene Programme im Angebot gibt und das freut ihn und seine Schwester. Yohana hatte davor mit ihrem Bruder in Blomberg gewohnt und sie hatten dort Schwierigkeiten, Bus und Bahn zu erreichen. Sie sind froh jetzt in Bad Salzuflen zu wohnen. Bad Salzuflen bietet ihnen gute Bus- und Bahnverbindungen und das gefällt den beiden sehr.

Deutschland ist ein sehr schönes Land und überall in Deutschland ist es schön. "Wir sehen keinen großen Unterschied zwischen Bad Salzuflen und anderen Städten."

Die Geschwister haben große Träume: Yonas und Yohana möchten gemeinsam die Ausbildung machen und danach eine Wohnung besitzen. Doch trotz der Sicherheit und Versorgung in Deutschland, sind die beiden Geschwister traurig. Sie denken an ihre Familienmitglieder, die in Eritrea zurückgeblieben sind und möchten sie bald auch wiedersehen.

Zu der Familie in Eritrea besteht kein guter Kontakt. "Bei uns im Land sind das Internet und andere soziale Netzwerken wie Facebook, Whatsapp und Co. verboten. Das macht es uns noch schwerer, sie zu erreichen. Auch das Telefonieren ist schwierig, wegen der anfallenden Kosten und des schlechten Signals in Eritrea. Sie nach Deutschland zu holen geht auch nicht."

Yonas möchte nicht, dass seine Familie durch Schleuser in Gefahr gerät und lehnt deshalb diesen Weg ab. Am liebsten möchte er seine Familie legal nach Deutschland holen. Der große Wunsch der Geschwister ist es, ihre Familie wieder zu sehen und am liebsten möchten sie alle hier in Deutschland bei sich haben.

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