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Wie ich als Flüchtlinge Halloween erlebe

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HALLOWEEN GERMANY
Hannibal Hanschke / Reuters
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Es ist Freitag, drei Tage vor Halloween. Ich muss zur Schule. Ich fahre mit meinem Fahrrad zur Bushaltestelle und schließe es ab, damit ich später nach der Schule wieder ganz schnell nach Hause fahren kann, denn ich wohne einen Kilometer von der Haltestelle entfernt - 15 Minuten zu Fuß.

Nachdem ich das Fahrrad abgeschlossen habe, warte ich 15 Minuten auf dem Bus. Der Bus kommt alle 60 Minuten, also jede Stunde. Draußen fallen die Blätter vom Baum. Nicht nur ein paar Blätter, sondern jede Menge. Die Blätter sind schön gelb. Der Winter hat begonnen und Halloween steht vor der Tür.

In der Schule ist es sehr windig und kalt. Jeder Schüler kann die Stimme des Windes hören. Mein Freund spricht von Gespenstern, er habe Geisterfotos im Internet gesehen und vergleicht das mit Burkas - nur in weiß.

Ich muss in dem Moment wie immer lachen, ich kann ja nicht anders, wenn das Thema Burka aufkommt. Um ehrlich zu sein? Wer würde nicht darüber lachen, wenn er sich die Burka in weiß vorstellen würde. Man muss sofort an Gespenster denken. Mein Freund ist ein Moslem. Er ist witzig, nett und sehr offen.

Er sagt immer: "Ich bin gegen die Burka, auch wenn ich selbst Moslem bin. Ich habe mit alldem nicht zu tun. Ich lebe mein Leben und hoffe, dass Länder wie Saudi-Arabien in Zukunft lockerer werden." Das hat mich inspiriert.

Wenn ich an die Burka denke, fallen mir gleich die Gespenster in weiß ein. Ich kann nicht anders, ich muss lachen. Mein Freund auch.

Wir haben auch über die Clowns gesprochen und er hat erzählt: "Ein Clown hat sich vorgestern im Busch versteckt". Ich habe ihn gefragt, wie er aussah. Der Clown hatte eine rote Nase und ein Messer. Er weiß nicht, ob es echt war. Doch er hatte Angst und ist weggelaufen.

Auf Youtube habe ich Clown-Videos gesehen. Die Leute im Video geraten in Panik, weil sie Angst um ihr Leben haben. Das verstehe ich. Die Clowns im Video haben eine Axt und ein Messer in der Hand, wer hätte da keine Angst.

Viele Zuschauer, die es nicht erleben und nur sehen, sagen: "Ich wäre nicht weggelaufen, sondern hätte zurück geschlagen". Das kann ich mir nicht vorstellen. Man weiß ja nie, ob die Clowns nur Spaß machen oder tatsächlich zustechen.

Dieser Trend kommt aus Amerika. Die Jugendlichen hier machen das nach. Auch der Freund meines Bruder hatte ein Erlebnis mit Clowns: Er saß im Auto und auf einmal kamen fünf Clowns aus dem Gebüsch auf die Straße und wollten das Auto stoppen, doch er stoppte nicht und fuhr weiter. Wer weiß, was die mit ihm gemacht hätten.

Nicht nur die reale Welt feiert Halloween, sondern auch die Sozialen Netzwerke wie Facebook und Snapchat. Ich finde das toll.

Heute ist Montag, der 31.10. Halloween. Am Wochenende muss ich nichts schreiben. Aber ich muss lernen - Donnerstag schreiben wir ein Klassenarbeit. Eine gute Note muss sein.

Ich habe heute niemanden gesehen, nur zwei Kinder, die auf der Straße waren, mehr nicht. Ich habe auch keine netten Clowns gesehen. In den Medien wurde viel darüber berichtet: Die Übergriffe durch Clowns steigen und es wird wohl noch schlimmer.

Ich vermute auch, dass durch die Berichterstattung der Medien die Angst vor Clowns noch größer wird. Ist auch verständlich. Ich habe vergessen, dass ich auch ein Clown Kostüm habe, es ist aus dem Jahr 2011 als ich auf dem Karneval in Köln war. Ich habe es bis heute nicht angezogen, aber wieso? Weil es nicht mehr cool ist und ich erwachsen geworden bin? Aber hey, man kann es für Partys benutzen.

Dieses Jahr habe ich mir Halloween anders vorgestellt. Halloween ist in unserer Stadt fast ausgestorben. So ist das leider.

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