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Ein offener Brief an Sultan Erdogan: Das Leben ist kein Wunschkonzert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN SULTAN
Anadolu Agency via Getty Images
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Ich sag's mal so Herr Möchtegern-Sultan Erdogan: Ich habe seit langer Zeit mitbekommen, dass ausgerechnet du hier in Europa Werbung für dein Wahlkampf machen möchtest. Oh man, damit hast du dich aber echt ins Abseits geschossen.

Normalerweise läuft das doch so: Der Wahlkampf findet im eignen Land statt. Du hast da wohl irgendwas falsch verstanden. Es wird Zeit, dir etwas wichtiges zu erklären: Das Leben ist kein Wunschkonzert!

Du denkst Europa sagt: "Komm Erdogan, wir warten schon seit langer Zeit auf deinen Auftritt, und wir haben extra für dich einen Platz unter den EU-Staaten reserviert". Leider irrst du dich.

Heute lese ich, dass du sagst: "Europa? Ich kann mich nicht daran hindern, in Europa aufgetreten zu sein". Beim ersten hinsehen dachte ich, ich würde träumen oder ich hab mich verlesen.

Du denkst die ganze Welt sei türkisches Hoheitsgebiet

Ich lag mit meiner Vermutung falsch, ich hatte mich nicht verlesen. Ich glaube, du denkst Europa sei ein Teil der Türkei oder schlimmer: Die ganze Welt sei türkisches Hoheitsgebiet.

Wie würdest du dich fühlen, wenn Angela Merkel zu dir in die Türkei reist und sagt: "Mein lieber Erdogan, deine Einstellung gefällt mir überhaupt nicht!" - Du würdest sie wahrscheinlich festnehmen. Warum? Weil sie ihre Meinung äußert.

Erdogan, was ist dein Ziel? Ach ja, Deutschland, Europa und die USA daran hindern, Kurden zu unterstützen, die du verachtest. Egal was in der Türkei passiert, es sind immer die Kurden Schuld. Das habe ich satt.

Wer hat dir eigentlich gesagt, du sollst dich in Syrien einmischen? Niemand. Seitdem die Kurden versuchen alles in Ordnung zu bringen und Syrien zu beschützen, versuchst du sie endgültig auszulöschen.

Um Gottes Willen, dass geht dich nichts an! Ich bin froh, dass die Kurden versuchen mit aller Kraft Syrien vor dem Terror zu retten und was versuchst du? Sie alle zu erschießen.

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Du solltest wissen, dass die Welt dir nicht gehört. Du weißt nicht einmal, was Demokratie bedeutet. Wenn jemand sagt: "Ich mag Erdogan nicht, er ist mir zu unmenschlich", dann willst du nur hören: "Ich mag Erdogan, er ist total human".

Nachhilfe für Recep

Recep, hier mal etwas Europa-Nachhilfe für dich: Europa hat viele Staaten. Dazu gehören auch die folgenden Länder: Deutschland, Frankreich und Österreich.

Jeder Staat hat einen eigenen Präsident und eigene Gesetze, die ich dir rate, nicht zu brechen. Europa hält zusammen - weil wir in Europa demokratisch sind - etwas, dass du nicht kennst. Hier in Europa herrscht das Wichtigste: die Meinungsfreiheit.

Und da Europa dich als Bedrohung sieht - was ich nachvollziehen kann - und dich hier nicht sehen wollen, dann musst du das auch akzeptieren. Nur weil du dein eigenes Volks unterjochst, solltest du Europa nicht unterschätzen.

Es wird Zeit für dich, folgendes zu verstehen: Europa möchte dich hier nicht haben. Die türkischen Medien, die unter deiner Kontrolle sind, haben die Deutschen und Angela Merkel als Nazis dargestellt. Unverschämter und kindischer geht es glaube ich nicht.

Mehr zum Thema: Bundesregierung antwortet auf Erdogan-Vorwurf: "Nazi-Vergleiche sind immer deplatziert"

Die türkischen Medien verdrehen die Wahrheit zu ihrem eigenen Schutz. Es gibt keine Pressefreiheit in der Türkei. Viele der Journalisten sind jung, sie haben Familie. Du hast sie ihrer Freiheit beraubt und in eine Zelle gesteckt.

Ich sehe auch, wie es manchen Flüchtlingen in der Türkei geht. Viele verhungern und arbeiten hart für so gut wie kein Geld.

Lieber Erdogan, anstatt in Deutschland Werbung für dich zu machen, solltest du dich lieber um dein Volk. Du verhälst dich wie ein Kleinkind, das nicht bekommt, was es will.

Deutschland hat dir ein "Nein" erteilt und das musst du verstehen. Wenn du die deutschen Gesetze brechen möchtest, dann solltest du dich auf einen Konflikt mit uns vorbereiten.

Mehr zum Thema: Die rote Linie ist überschritten: Österreich macht vor, wie Europa mit Erdogan umgehen muss

Wenn du möchtest, schicke ich dir gern auf meine Kosten das Bundesgesetzbuch, denn deine Diktatur gehört hier nicht her. Du solltest dir überlegen, wie du deine Fehler wieder gut machst.

Das erwartet zwar niemand von dir, aber kann man dann die diplomatischen Beziehungen noch retten. Benutzt doch mal das Internet! Da stehen eine Menge interessanter Dinge über Humanismus, Demokratie, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit drin.

Zum Abschluss appelliere ich an deine soziale Intelligenz: Bitte benimm dich in Zukunft wieder wie ein Erwachsner, eine Menge Menschen blicken zu dir auf.

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