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Deutschland ist viel bunter ohne die AfD

14/05/2017 16:47 CEST | Aktualisiert 14/05/2017 16:47 CEST
dpa

Nachdem ich im Jahr 2010 aus Syrien geflohen bin, was ist zuerst in einem Kinderheim untergebracht. Ich war damals 13 Jahre und es war schlimm für mich, weil es hieß, dass ich erst nach 5 Tagen zu meiner Familie ziehen durfte.

Ich aß fünf Tage lang nichts. Es dauerte noch länger. Irgendwann konnte ich nicht mehr nichts essen. Nach 5 Tagen habe ich dann zum ersten Mal deutsches Essen gegessen.

Wir waren sehr viele in einem Heim. Es waren ungefähr zwanzig Kinder und die Erzieherinnen haben auf uns aufgepasst.

Tagsüber waren viele Erzieher da und nachts musste einer von ihnen im Heim schlafen, um auf uns alle aufzupassen und zu protokollieren, was alles passiert und wer was gemacht hat.

Im Heim waren die ersten Monate sehr schwer. Ich habe niemanden verstanden. Kein Wort Deutsch. Sie haben mir alles mit Händen gezeigt. Jede Woche am Sonntag hatten wir Kinder Postdienst: Jeder musste sein Zimmer sauber machen und dann vorzeigen, dass er es getan hat.

Im Heim war es langweilig. Damals kannte ich und viele andere das Internet und überhaupt viel Technik nicht. Wir durften nur am Wochenende Fernsehen oder aus dem Büro einen Film auswählen.

Manchmal nahm ich die Fernbedienung und schaltete Abends auf den Kölner Treff von Bettina Böttinger. Wenn das nicht lief, nahm ich mir aus dem Büro einen Film oder suchte Dokus über das Fernsehen. Es war sehr hilfreich für mich. Dennoch konnte ich lange Deutsch nicht lesen und auch kein Wort sprechen.

Das Fernsehen half mir aber dabei, die Deutsche Sprache besser kennenzulernen. Mit der Zeit wurden die Wörter bisschen klarer. Ich wusste damals nichts von Politik, Erdkunde, Literatur, der AfD.

Ich heim stand auch jedem ein Radio zur Verfügung. Ich hörte immer Musik, weil ich kein Wort von den Nachrichten verstand. Die Kommunikation ist nach 2 Monaten etwas besser geworden.

Das Heim hatte dann auch meine Papiere fertig gemacht und ich ging anschließend zur Schule.

In der Schule lernte ich tolle Menschen kennen und die natürlich noch besser die Sprache. Die Menschen dort haben mir bei allem geholfen und wir viel Zeit miteinander verbracht.

Sie zeigten wie es hier in Deutschland läuft.

Wir waren die ganze Zeit nach der Schule in Köln unterwegs. Aber lange draußen bleiben oder bei wem anders übernachten war vom Heim verboten.

Überhaupt war es im Heim sehr streng. Um neun Uhr sollten alle ins Bett gehen und morgens früh sofort zur Schule. Ich hatte aber nichts dagegen. Ich dachte mir: Gib die Hoffnung nicht auf und gehe deinen Weg. Irgendwann wirst Licht sehen.

Nach ein paar Monaten mussten wir alle in ein anderes Heim umziehen. Dieses andere Heim war für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Wer 18 Jahre alt wurde, musste aus dem Heim ausziehen.

Meine erste Besichtigung in dem anderen Heim war gut. Ich wollte ja sowieso aus dem ersten Heim raus.

Die Erzieher waren nett. Im neuen Heim lernte ich auch neue Freunde kennen. Die Erzieher sind auch Freunde geworden. Einer hieß Angelo, ein anderer Abdullah und noch einer Mustafa.

Mustafa war ein Flüchtling aus Afghanistan und ist nach mir in das Heim gekommen. Es hat etwas gedauert, bis wir uns anfreundeten. Es war schwierig. Man kannte niemanden. Es ging langsam.

Dort im Heim wurde ich aktiv und lernte eigenständig Deutsch und viel über Kunst.

Wir gingen immer gemeinsam einkaufen: Kleidung oder Essen. Auch gab es Ausflüge und wir sind oft schwimmen gegangen. Die Ausflüge waren toll.

In dem Heim war alles anders als beim ersten. Alles war sauber und wir hatten jeden Sonntag Dienst, unsere Zimmer zu reinigen und jeder musste entweder Wäsche machen oder den Flur staubsaugen.

Schlafenszeit wurde nach dem Alter festgelegt. Mit 15 Jahren dürfte man bis 10 Uhr und die 16-17-Jährigen bis elf Uhr wach bleiben. Wir feierten dort auch gemeinsam Weihnachten und Silvester.

Meine Familie feierte irgendwo anders, ich bei meiner anderen Familie im Heim.

Wir unterstützen uns gemeinsam und spielten abends Kartenspiele und tranken Tee. Nach einiger Zeit entschied sich eine Erzieherin uns einen Computer zu kaufen. Über den PC lernte ich das Internet kennen und sah, dass man dort viele Möglichkeiten hat. Man konnte ohne Ende Googlen.

Mit meinem alten IPhone konnte ich nur Kontakt zu meiner Familie haben. Den ich musste es wie alle anderen um Acht Uhr abgeben.

Am frühen Morgen nach Absprache hat man es wieder bekommen bis wieder acht Uhr am Abend.

Mit meinen Freunde im Heim gingen wir immer nach draußen. In die Innenstadt essen, Kino oder schwimmen. Jede Woche bekamen wir Zehn Euro.

War ich unzufrieden im Heim? Nein. Im Gegenteil. Ich war glücklich damit, dass ich in Deutschland bin und es mir an nichts fehlte.

Kein Krieg oder Verfolgung. Im Heim habe ich mit keine Sorgen machen müssen. Es war eine sehr schöne Zeit.

Dort habe ich auch das Schreiben gelernt und die Aussprache. Meine Schrift, Grammatik und Rechtschreibung waren katastrophal.

Ich habe noch immer meine alten Sachen bei mir.

Meine frühere Schule wurde dann geschlossen und bevor ich nach Bad Salzuflen umgezogen bin, musste ich 3 Tage lang eine andere Schule besuchen.

In Bad Salzuflen ging ich zu einer weiteren Schule und lernte auch dort neue Freunde kennen. Fast alle waren Flüchtlinge. Die meisten kamen aus Syrien.

Es war sehr schade, dass manche von ihnen sich nicht integrieren wollten. Ich blieb zwei Jahre dort und lernte ganz viel. Nach zwei Jahren wechselte ich dann in eine andere Schule.

In der aktuelle Schule habe ich enorme Fortschritte gemacht. Besonders in Satzbau und Grammatik. Alles läuft gut.

Ich lernte hier auch viel über Politik. Ich finde deutsche Politik spannend und beschloss daher einen eigenen Blog einzurichten. Dort schrieb ich dann einige Beiträgen, die grammatikalisch eher fragwürdig waren. Aufgegeben habe ich aber nicht. Über humanitäre Themen zu schreiben war schön.

Ich hatte auf meinem alten Blog 120 Follower und täglich kamen manchmal bist zu 3000 Besucher auf meine Seite. Denen gefielen meine Beiträge.

Irgendwann schrieb ich auch in der Huffington Post. Mein erster größerer Beitrag war das mit dem Urlaub in Syrien. Ich schrieb weiter und weiter. Auch bei Oe24 schreibe ich seit einigen Monaten.

Ich habe jede Menge Journalisten kennengelernt und mache auch Praktika bei Zeitungen. Mein erstes Praktikum war bei Lz.de.

Schreiben macht mir sehr viel Spaß. Ich bin AfD-kritisch und setze mich für Flüchtlinge und die Demokratie ein. Ich finde, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Das gilt auch für Flüchtlinge. Das ist ja auch logisch, oder sind Flüchtlinge keine Menschen?

Die AfD jedoch will den Flüchtlingen keine zweite Chance geben, sie wollen sie nur schleunigst zurück in ihre Heimatländer schicken.

Ich lerne noch immer viele Flüchtlinge kennen, viele wollen hier Leben und arbeiten. Niemand von Ihnen will straffällig werden.

Seit 2010 bin ich in Deutschland. Ich habe vieles durchgemacht und mich hoch gearbeitet. Die meisten Flüchtlinge, die ich kenne, sind liebevoll und möchten nur in SIcherheit leben und arbeiten.

Wegen einiger Einzelfälle will man Flüchtlinge für alles verantwortlich machen. So geht das natürlich nicht. Es reicht mir auch langsam. Parteien wie die AfD wollen Deutschland nur für sich haben.

Solche Parteien haben in unserem Land nichts verloren. Warum sollte eine Partei voller Hass erlaubt bleiben. Hetzen und hetzen ohne Ende.

Dabei brauchen wir sie nicht. Ohne sie sind wir viel bunter und friedlicher.

Traumatisierte Flüchtlinge werden noch traumatisierter. Alle Leben mit Angst. Flüchtlinge und auch die Deutsche.

Die Deutschen, die uns willkommen hießen, leben in Angst von den Rechten angegriffen zu werden.

Liebe Deutsche und Österreicher, bitte lässt euch von solchen Parteien keine Angst machen. Die sind sehr gefährlich. Wir brauchen keine AfD und FPÖ. Wir haben genug andere Parteien wie die SPD, die Grünen oder die CDU.

AfD und FPÖ sind brandgefährlich.

Die wollen uns entzweien und die Liebe zwischen uns rauben. Warum sollten Menschen, die aus dem Krieg geflohen sind schnell dorthin wieder zurück? Das wollen diese Parteien und wir sollten ihnen keine Chance bieten zu wachsen.

Ich habe die Hoffnung, hier akzeptiert zu werden.

Wir Flüchtlinge wollen keine Angriffe von rechts. Wir sind auch Menschen. Frieden ist für uns alle ein Ziel. Lasst uns gemeinsam dieses wunderbaren Ziel erreichen. Gemeinsam werden wir Europa gestallten und neues bauen und entdecken.

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