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Die Digitale Transformation in der Fertigungsindustrie What's Next?

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DIGITALE TRANSFORMATION
dpa
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Die Digitale Transformation ist derzeit der vorherrschende Trend, der Produktionsbetriebe rund um den Globus beeinflusst. Allgemein gesprochen bezeichnet die Digitale Transformation einen in der Anwendung digitaler Technologien begründeten Veränderungsprozess, der sich auf die Gesellschaft im Ganzen auswirkt ― man muss nur die Straße entlang oder in ein Café gehen und sich seine Mitmenschen ansehen, deren Blicke am Smartphone kleben. Für Produktionsunternehmen geht die Digitale Transformation jedoch weit über die taktische Anwendung von Technologie hinaus ― etwas, das schon seit Jahren in Unternehmen zu beobachten ist ― und bedeutet vielmehr die strategische Integration von digitaler Technologie als Grundlage für eine neue Wettbewerbsfähigkeit. Sie transformiert Geschäftsmodelle, indem sie Innovationen vorantreibt und kontinuierlich Verbesserungen in Bezug auf Betriebseffizienz, Produktgestaltung, -entwicklung und -bereitstellung sowie Kundenbeziehungen bewirkt. Zudem führt sie dazu, dass Unternehmen ihre Marktstrategien ändern.

Man überlege sich, welche Auswirkungen die Digitale Transformation auf die Fertigungsindustrie hat:

  • Im Laufe der nächsten zwei Jahre wird bei 76 Prozent aller Produktionsbe­triebe der Einsatz von Smart Devices oder eingebetteter Intelligenz zunehmen.
  • 63 Prozent der Produktionsunternehmen haben bereits Technologien für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) implementiert oder planen, diese in ihre Produkte zu integrieren.
  • 58 Prozent möchten durch die Integration von Smart Devices oder eingebetteten Systemen die Produktqualität verbessern.(1)

Diese Zahlen spiegeln den Fortschritt der Digitalen Transformation wider, der eine neue Ära in der Fertigungsbranche einläutet. Dieser fortlaufende Prozess wird in den USA als „Smart Manufacturing" und in Europa als „Industrie 4.0" bezeichnet und steht für die vierte industrielle Revolution, die die Produktionssysteme grundlegend verändert.

0. Smart Manufacturing und Industrie 4.0 als „Digitale Vision"
Produktionsbetriebe, die Smart Manufacturing oder Industrie 4.0 anwenden, steuern auf eine neue Generation von vernetzten, intelligenten Produktionssystemen zu, die mit hochmodernen Technologien aus den Bereichen Sensorik, Robotik, Big Data, Steuersysteme und Machine Learning ausgestattet sind. Auf diese Weise kann jeder Aspekt der Produktionsanlage kontinuierlich erreicht, überwacht, gesteuert, gestaltet und in Echtzeit an Veränderungen angepasst werden. Durch die enge digitale Vernetzung verschiedener Teile der Liefer­- und Produktionsketten in der Fertigungsindustrie und den hohen Automatisierungsgrad in den sogenannten „Smart Factories" profitiert die Branche von extrem effizienten, fortschrittlichen und produktiven Prozessen. Die Fertigungsindustrie wie früher mit qualmenden Fabrikschloten zu assoziieren, ist nicht mehr zeitgemäß.

Im Zeitalter der Digitalen Transformation entspricht die traditionelle Vorstel­lung von der Fertigungsbranche nicht mehr der Realität. Weltklasseproduzenten benötigen heutzutage hochqualifizierte, geschickte Fachkräfte, diendie zunehmende Komplexität und kürzeren Markteinführungszyklen im Zusammenhang mit Smart Manufacturing bewältigen können. Die Tätigkeit in der Fertigungsindustrie setzt heute vielfältige Kompetenzen voraus. Eine starke Problemlösungsfähigkeit ist genauso wichtig wie die Fähigkeit, Roboter und Produktionssysteme eigenständig in Echtzeit anzupassen. Neben mathematischen Kenntnissen können auch angewandte Kompetenzen in den Bereichen Vermessung und räumliches Vorstellungsvermögen erforderlich sein. Technische Fähigkeiten finden in Bereichen, wie der Metallurgie und dem Betrieb technischer Systeme (z. B. Hydromechanik, Steuerungstechnik) Anwendung. Zusätzlich zum Verständnis von Algorithmen und Advanced Computing bedarf es unter Umständen auch der Fähigkeit zur Entwicklung von Technologien, zum Beispiel im Bereich der 3D­Modellierung oder der fortschrittlichen Robotertechnik. Da die Produktentwicklung und Produktionssysteme immer stärker miteinander verwoben und die Zykluszeiten immer kürzer werden, benötigen die Arbeitskräfte heute allgemein umfassendere MINT­Kenntnisse (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und analytische Fähigkeiten, um Designänderungen umzusetzen und die Produktionseffizienz zu verbessern.

Zudem werden Produktionsbetriebe, die die Digitale Transformation durchlaufen haben, nicht mehr einfach nur Produkte, sondern vielmehr Leistungen verkaufen. Anstelle eines Druckers werden sie zum Beispiel die Leistung verkaufen, pro Tag 50.000 Seiten auszudrucken. Dadurch können sie kalkulierbare neue Umsatzströme erschließen und ihren Kunden gleichzeitig flexiblere Dienstleist­ungen bieten.

Dies sind die aktuellen und künftigen Entwicklungen angesichts der Digitalen Transformation in der Fertigungsindustrie, die unaufhaltsam an Fahrt aufnimmt. Schnallen Sie sich an!

1. Treiber der Digitalen Transformation
Die Nutzung von sozialen Netzwerken, Mobile Computing, Cloud Computing, Analytics und dem Internet der Dinge treibt die Digitale Transformation voran. Gemeinsam bilden diese Technologien eine Plattform, die durch die gegenseitige Wechselbeziehung definiert ist. Gartner zufolge transformieren diese voneinander abhängigen Trends die Art und Weise, wie Menschen und Unternehmen Techno­logie nutzen und wahrnehmen.(2)

Vor allem die Entwicklung des Internets der Dinge (IoT ­ Internet of Things) spielt für die Fertigungsbranche eine entscheidende Rolle. Das Marktforschungsunternehmen IDC beschreibt das Internet der Dinge als „eine Handvoll von Technologiebereichen, die im kommenden Jahrzehnt Wachstum und Innovation vorantreiben werden. Das IoT ermöglicht und wird angetrieben durch die Digitale Transformation ― es erlaubt Unternehmen die Digitalisierung, Optimierung und Automatisierung von Prozessen, die zuvor nicht mit IT­Systemen verbunden waren."(3)
Da die Anzahl verbundener Endpunkte exponentiell zunimmt, werden riesige Datenmengen erzeugt:

  • Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die installierte Basis an IoT­Endpunkten die 30­ Milliarden­ Marke knacken ― 2015 lag der Wert bei nur knapp 13 Milliarden.
  • Folglich werden auch die Datenmengen steigen, die durch die Kommunikation zwischen Geräten entstehen: Im Jahr 2020 wird sich das digitale Universum auf 44 Zettabyte belaufen, wovon zehn Prozent auf IoT­Geräte zurückzu­führen sein werden.
  • In fünf Jahren wird es sieben Mal mehr IoT­Daten geben als heute.

Im Zuge dessen wird der Bedarf an Unternehmenssystemen für die Bereit­stellung, Verwaltung und Nutzung des Internets der Dinge sowie die Notwendig­keit zur Einführung von Standards für Interoperabilität und Konnektivität steigen. Was die Infrastruktur betrifft, wird der Datenverkehr nicht mehr vom Netzwerk­-Kern nach außen, sondern vielmehr vom Netzwerk­-Rand ins Innere wandern, da immer mehr Daten von den verbundenen IoT­Geräten in das Rechenzentrum fließen. Dies wird sich auch auf die Rechen- und Kommunikationsarchitekturen auswirken.

Zwei damit verbundene Trends sind die Konvergenz von Technologien und Edge Computing. Da die Betriebstechnik (Operational Technology, OT) zunehmend Software und Sensoren umfasst, wachsen OT und IT zusammen: Es entstehen Systeme aus Smart Machines, Speichersystemen und Anlagen, die selbstständig Informationen austauschen, Aktionen auslösen und sich eigenständig gegenseitig steuern können. Während IoT­Daten im Rechenzentrum oder am Netzwerk­-Rand verarbeitet werden können, wird es aufgrund der großen Menge der am Netzwerk-Rand erzeugten Daten erforderlich sein, die Verarbeitung dort durchzuführen, wo die Daten entstehen, anstatt die Daten in das Rechenzentrum des Unternehmens zu transportieren. Edge Computing wird sicherlich Innovationen in den Bereichen Analytics, Systeme und Service-Management vorantreiben.

2. Vorteile der Transformation
Produktionsunternehmen entscheiden sich, das Internet der Dinge zu nutzen und die Digitale Transformation zu realisieren, weil sie in folgenden drei Bereichen von echten Vorteilen profitieren können:

Kunden
  • Unternehmen werden Geschäftszuwächse verzeichnen und sich von Wettbewerbern differenzieren, da sie durch die Digitale Transformation bessere Kundenerlebnisse bereitstellen und damit die Zufriedenheit ihrer Kunden steigern können.
Betriebsabläufe
  • Unternehmen, die die Digitale Transformation meistern, profitieren von effizienteren Betriebsabläufen, einer höheren Produktivität und Kostenvorteilen.
Angebote
  • Durch die Digitale Transformation sind Unternehmen in der Lage, ihre Geschäftsmodelle viel flexibler zu erweitern und anzupassen. Auf diese Weise können sie innovative Produkte und Dienstleistungen anbieten, um mit der Marktdynamik Schritt zu halten.

Die sogenannten „Digital Adopters" müssen die wichtigsten Innovationen ihrer jeweiligen Branche so anwenden, dass sich im Hier und Jetzt spürbare geschäft­liche Vorteile und Mehrwerte ergeben und gleichzeitig stets im Blick behalten, was als Nächstes kommen wird. Dies ist unerlässlich, wenn Unternehmen den einzigartigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalen Transfor­mation begegnen und die Chancen nutzen möchten, die diese in Bezug auf die Realisierung von Kosteneinsparungen, Performancesteigerungen und Wettbewerbsdifferenzierung bietet.

3. Konkrete Auswirkungen der Transformation auf die Fertigungsbranche
Laut McKinsey durchbricht die Digitale Transformation gerade die Mauern der Fertigungsindustrie. Führende Akademiker und Experten der Branche sind sich einig, dass digitale Fertigungstechnologien jedes Glied der Wertschöpfungskette transformieren werden, von der Forschung und Entwicklung über die Lieferkette und den Fabrikbetrieb bis hin zu Marketing, Vertrieb und Kundenservice. Die digitale Vernetzung zwischen Designern, Managern, Arbeitern, Verbrauchern und Industrieanlagen wird enormen Wert freisetzen und die Produktionslandschaft für immer verändern.(4)

Wir glauben, dass Produktionsunternehmen im Zuge dieses Übergangs zunehmend auf Tools zurückgreifen werden, die Entscheidungsträgern die Visualisierung von Betriebsabläufen ermöglichen, damit sie Prozesse beschleunigen und fundierte Entscheidungen darüber treffen können, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt ergriffen werden sollten. Diese Tools müssen sowohl eine strategische als auch eine operative Ansicht des Unternehmens bereitstellen, indem sie umfassende Was-wäre-wenn-Simulationen erlauben und es den Benutzern ermöglichen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Das Ergebnis ist eine Kombination aus Echtzeit-Sichtbarkeit und Echtzeit-Ausführung im Fertigungsbetrieb sowie der Möglichkeit, in Echtzeit zu sehen, ob strategische Ziele erreicht werden.

„Wenn die Industrie ihren Fokus von einem leistungsorientierten hin
zu einem fähigkeitsorientierten Ansatz verlagert, gewinnt der Kundenservice
im Produktionsportfolio ganz automatisch an Bedeutung."

3.1. Digitale Transformation konkret I- wachsende Bedeutung des Kundenservice
Wenn die Industrie ihren Fokus von einem leistungsorientierten hin zu einem fähigkeitsorientierten Ansatz verlagert, gewinnt der Kundenservice im Produktionsportfolio ganz automatisch an Bedeutung. Für Produzenten werden Angebote rund um Verbrauchsgüter sowie Überwachungs-, Reparatur-, Wartungs- und Entsorgungsdienstleistungen einen wichtigen Einnahmekanal darstellen. Angetrieben wird dieser Trend nicht nur durch die Technologie, sondern auch durch die steigenden Erwartungen der Kunden, die sich in allen Lebensbereichen, sowohl beruflich als auch privat, an die „digitale Dynamik" gewöhnen. Bestellungen sollen immer schneller geliefert werden, weshalb Produktionsbetriebe zunehmend versuchen, die Fertigung näher zum Kunden hin zu verlagern - etwas, was auch aus der aktuellen Diskussion um Next­/Nearshoring in der Industrie ersichtlich wird. Aktuelle Forschungsergebnisse von IFS belegen, dass die Verbrauchernachfrage den Wandel in der Industrie maßgeblich beeinflusst.(5)

Hersteller, die das Internet der Dinge und die Digitale Transformation nutzen, können in ihren Märkten den Paradigmenwechsel im Service vorantreiben, indem sie ihre Reaktionszeiten um bis zu 90 Prozent verkürzen. Technische Anlagen sind ein einnahmenbringendes Asset. Jeder Ausfall zieht beträchtliche Umsatz­ und Produktivitätseinbußen nach sich. Produktionsunternehmen können dem entgegenwirken und Strafen infolge von Verstößen gegen Service­Level­Agreements vermeiden, indem sie die Betriebszeit ihrer Anlagen maximieren. Bei Ausfällen stellt eine schnelle Reaktionsfähigkeit einen entscheidenden Vorteil dar, der sich maßgeblich auf die Gewinnspannen und Wachstumsraten auswirken und zudem die Zufriedenheit der Kunden fördern kann.

3.2 Digitale Transformation konkret II - bessere Qualität und höhere Effizienz
Durch die Digitale Transformation werden auch Prozessverbesserungen vorangetrieben, die zu einer höheren Effizienz und verbesserten Qualität führen. Ein gutes Beispiel hierfür ist einer der IFS Kunden. Im Rahmen seiner Digitalen Transformation hat dieses Unternehmen sein CAD­System direkt mit seiner SMD­Bestückungsanlage für Leiterplatten verbunden. Das CAD­System erstellt Stücklisten jetzt direkt in IFS Applications™. Sowohl der Produktionsstatus der montierten Leiterplatten als auch die Stückliste werden nun direkt an die SMD­Linie gesendet. Diese Verbesserung hat für eine effektivere Informationsüber­tragung von der Entwicklung hin zur Produktion gesorgt. Da kein menschliches Eingreifen mehr erforderlich ist, sinkt auch das Risiko von Fehlern, während gleichzeitig das Qualitätsniveau steigt.

Dies ist Teil eines wachsenden Trends in der Fertigungsbranche: die Implemen­tierung eines „digitalen roten Fadens" von Entwicklungssystemen (z. B. CAD/CAM­Systemen) bis hin zu Produktionssystemen (z. B. Robotern, 3D-­Druckern). Dieser digitale Ansatz ermöglicht die kundenindividuelle Massenproduktion ― ein Produktionskonzept, das in vielen Zweigen der Fertigungsbranche zunehmend an Bedeutung gewinnt, da die traditionelle Massenfertigung der kundenspezifischen Serienproduktion weicht.

Die Fortschritte im 3D-­Druck (z. B. in der additiven Fertigung) stellen ebenfalls eine wichtige Entwicklung dar. Denn mithilfe dieser Verfahren haben Produktionsbetriebe die Möglichkeit, Ersatzteile nach Bedarf zu drucken, wodurch geringere Lagerbestände erforderlich sind und Umlaufvermögen freigesetzt wird. Diese Technologie findet zum Beispiel bei der amerikanischen Armee Anwendung: In sogenannten „Mobile Parts Hospitals" (MPHs) werden Ersatzteile nach Bedarf gedruckt. Die MPHs unterliegen dem Verantwortungsbereich des Zentralkom­mandos der Vereinigten Staaten (United States Central Command, CENTCOM) und unterstützen alle militärischen Einheiten, Koalitionspartner, Zivilangestellte des amerikanischen Verteidigungsministeriums und private Militärdienstleister. Die MPHs können die Teile herstellen und binnen weniger Tage ― statt Wochen oder Monaten - ausliefern und zudem noch Kosten einsparen.(6)

Eines der fortschrittlichsten und beeindruckendsten Beispiele der Digitalen Transformation stellen Robotikinitiativen dar, die eine unbemannte Lights­out-­Fertigung ermöglichen:

  • Das FANUC­Werk in Japan wird praktisch von Robotern betrieben: Sie bauen pro Tag rund 50 andere Roboter und können bis zu 30 Tage am Stück unbe­aufsichtigt arbeiten.
  • In seinem niederländischen Werk für die Produktion von Elektrorasierern hat Philips die Fertigungsprozesse automatisiert. In der Fabrik sind lediglich neun menschliche Arbeiter tätig, die am Ende des Produktionsprozesses die Qualität der hergestellten Produkte überprüfen.
  • Weitere bekannte Beispiele sind GE Software und Jotun-GE Software, das durch den Einsatz von Sensoren bei Windturbinen ohne den Austausch von Bauteilen Effizienzsteigerungen erzielen konnte und Jotun, das Sensoren auf der Unterseite von Schiffsrümpfen anbrachte, um festzustellen, ob diese einen Anstrich benötigen.

Im Laufe der nächsten Jahre werden sich, wenn die Hardware­ und Softwareent­wicklung weiter so voranschreitet, Smart Machines von programmierbaren Tools zu selbstlernenden, kognitiven Geräten entwickeln. Diese Entwicklung hat und wird weiterhin die Kommunikation zwischen Systemen und Smart Machines unterstützen und ermöglicht es ihnen dazuzulernen, Bericht zu erstatten und die Planung und Ausführung von Fertigungsprozessen zu verwalten.

4. Unterstützung der Digitalen Transformation in der Fertigungsindustrie
Um die Digitale Transformation realisieren zu können, benötigen Produktions­betriebe Tools, mit denen Führungskräfte und Manager Prozesse prüfen und auf ihre Geschäftsstrategie abstimmen können. Nur so können sie sicherstellen, dass die Prozessausführung zur Verwirklichung dieser Strategie beiträgt. Das bedeutet, Daten müssen visuell auf dem Desktop dargestellt werden, damit Entscheidungsträger einen Überblick darüber erhalten, welche Funktionen echten Kunden nutzen bieten, welche nicht effektiv sind und welche im Hinblick auf das Erreichen der Geschäftsziele reine Zeit- und Ressourcenverschwendung sind.

Durch die Verwandlung in ein digitales Unternehmen können Firmen die Um­setzung ihrer Unternehmensstrategie beschleunigen, da sie so schneller bessere Entscheidungen treffen können. Dies kann erreicht werden, indem man die geschäftliche Performance in Echtzeit auswertet sowie ihre Auswirkungen auf entscheidende Geschäftsprozesse und -ziele untersucht und Managern Zugriff auf Echtzeit-Maschinendaten und effektive Steuermöglichkeiten bietet, damit Probleme frühzeitig behoben werden können. Bei der Lösung geht es um eine beschleunigte Strategieumsetzung und Prozessausführung.

4.1 Vereinfachen, Automatisieren, Optimieren
Wir bei IFS konzentrieren uns auf die Ausführung des Fertigungsprozesses. Für unsere Kunden hat die Optimierung der Prozessausführung oberste Priorität und unsere Software soll ihnen dabei helfen, ihre Prozesse zu vereinfachen, zu automatisieren und zu optimieren. Zudem haben wir umfassend in den Bereich Predictive Analytics investiert. Wir stellen sicher, dass Sensoren Daten in die Cloud senden, sobald die technische Ausrüstung entsprechend eingerichtet wurde. Anschließend werten maschinelle Lernalgorithmen die Daten aus und erstellen unter Berücksichtigung von Vergangenheitsdaten ein prädiktives Modell, das Unterneh­men als Grundlage für ihre Betriebsmodelle nutzen können. Diese Modelle sind optimiert. Um das effektiv ausnutzen zu können, verfügen wir über intelligente Systeme, die die Situation in Echtzeit auswerten und auf Basis dieser Bewertung eine Aktion auslösen. Dies führt zu einem IoT­Ansatz. Damit das volle Potenzial einer IoT­Lösung ausgeschöpft werden kann, muss eine Unternehmenssoftware Daten effektiv erfassen, in Echtzeit abbilden und verwertbar machen.

IFS Labs hat eine IT­Infrastruktur in IFS Applications integriert, die Geräte­daten erfasst und auf dieser Grundlage Aktionen im System auslöst. So können Unternehmen agiler handeln, intelligentere Entscheidungen treffen und Prozesse auf ganz neue Art und Weise automatisieren. In Partnerschaft mit Microsoft® nutzt IFS die Cloudplattform Azure™, um große Datenmengen im Internet der Dinge zu sammeln und diese in IFS Applications einzuspeisen.

4.2 Digitale Transformation konkret: Osloer Pendelverkehr
Wie das Ganze funktioniert, lässt sich am Beispiel von Sporveien demonstrieren. Das norwegische Unternehmen Sporveien Oslo betreibt das Schienensystem, verwaltet die Schienenfahrzeuge der Osloer U-­ und Straßenbahn und verfügt über acht operative Tochtergesellschaften. Sporveien war eines der ersten Unter­nehmen, das die IoT­Initiative von IFS umgesetzt hat. Mithilfe dieses Ansatzes wollte das Unternehmen ein Problem beheben, das im Zusammenhang mit Zug­türen auftrat.

Wenn eine Tür nicht ordnungsgemäß funktioniert und blockiert, hat das gravierende Auswirkungen für Sporveien. Bei einer geöffneten Tür kann der Zug nicht losfahren und blockiert dadurch das Bahngleis. Folglich verspäten sich auch alle nachfolgenden Züge. Eine einzige kaputte Tür kann den gesamten Zugverkehr lahmlegen, sodass tausende Pendler festsitzen. Ein solcher Schadzug gefährdet nicht nur die Sicherheit und den Fahrplan, sondern ist auch nicht mehr betriebsbereit und muss zur Reparatur in eine Werkstatthalle gebracht werden. Das wirkt sich natürlich auf die Zugfahrpläne aus.

Jeder Türrahmen ist mit einer Führungsschiene mit Gleitlagern ausgestattet, mit denen die Bewegung der Türen geführt wird. Die Lager müssen geschmiert werden und können verschleißen. Man untersuchte das Problem und fand heraus, dass die Schließgeschwindigkeit der Tür graduell abnimmt, ehe die Tür schließlich offen stehen bleibt. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung einer Anwendung, die auf Grundlage von maschinellem Lernen die Wartung proaktiv überwacht und automatisiert.

Sporveien macht sich das Internet der Dinge zunutze und kann dadurch nun Störungen präzise vorhersehen sowie Unterbrechungen im Betriebsablauf vermeiden. Ein Frühwarnsystem erkennt nötige Wartungsarbeiten und diese werden dann ausgeführt, bevor es zu einem Ausfall kommt. So wird verhindert, dass eine einzige defekte Tür eine Kette von Störereignissen auslöst. Das Ergebnis: maximale Betriebszeit ― und zufriedene Kunden.

5. What's next?

Eine aktuelle Studie über den Status quo der Digitalen Transformation liefert einige interessante Erkenntnisse: 88 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Maß ­nahmen für die Digitale Transformation zu ergreifen, während nur ein Viertel tatsächlich versteht, was die Digitale Transformation überhaupt bedeutet.(7)

Laut Forbes besteht die Herausforderung, die zu dieser Unstimmigkeit führt, nicht in Techno­logieinvestitionen, sondern vielmehr in der Anpassung von Geschäftsmodellen, um die gewünschte Transformation realisieren zu
können.(8)
Dies unterstreicht die Aussage von IDC, wonach die Digitale Transformation nicht nur ein Technologie­trend ist, sondern im Kern jede Unternehmensstrategie in sämtlichen Branchen und Märkten betrifft.(9)

Der Beginn der Digitalen Transformation hat für Produktionsunternehmen sowohl kurz­ als auch langfristige Auswirkungen. Sie müssen den Wert Ihrer Daten ermit­teln und einschätzen sowie die nötigen IT­Plattformen entwickeln, um jetzt das Potenzial neuer Technologien ― insbesondere des Internets der Dinge ― voll auszuschöpfen.

Darüber hinaus gilt es, Anbieter im Kontext aktueller Entwicklungen zu evaluieren oder erneut zu bewerten. Um Ihnen bei der Umsetzung der gewünschten Digitalen Transformation helfen zu können, muss ein Anbieter über ein tiefgreifendes Verständnis der Bedeutung ― und der Vorteile ― der Digitalen Transformation für ein Produktionsunternehmen verfügen. Mit einem solchen Partner können Sie effektiv reagieren, wenn sich Ihnen digitale Chancen eröffnen ― und das ist nur eine Frage der Zeit.

Einige Unternehmen fürchten sich vielleicht davor, sich diesen Aufgaben zu stellen. Andere, wie FANUC, Philips und Sporveien, konnten im Zuge dessen jedoch pragmatische Lösungen für Herausforderungen der heutigen Zeit finden und sich dadurch als Branchenführer etablieren.

In diesen Fällen haben Unternehmen versucht herauszufinden, welche Entwick­lungen als Nächstes zu erwarten sind und diese aktiv mitzugestalten. FANUC und Philips haben durch Änderung ihrer Fabrikmodelle die menschliche Arbeitskraft praktisch überflüssig gemacht und Sporveien hat mithilfe des Internets der Dinge seine Betriebsabläufe optimiert und dadurch die Zufriedenheit seiner Kunden erhöht. Alle drei sind davon überzeugt, dass die besten Jahre noch vor ihnen liegen - und dass die kommenden Entwicklungen für sie von entscheidender Bedeutung sind. Sie ergreifen Chancen nicht einfach nur, sondern schaffen sich selbst welche, indem sie sich aktiv am Transformationsprozess beteiligen. Genau wie unsere Kunden.

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1. Louis Columbus, „Making Internet of Things (IoT) Pay in Manufacturing" Forbes, 31. Januar 2016.
2. Gartner, „The Nexus of Forces: Social, Mobile, Cloud and Information", 3. Dezember 2014; www.gartner.com/technology/research/nexus-of-forces/
3. IDC, „Digital Transformation: An Internet of Things Perspective", März 2016
4. Brian Hartmann, William P. King und Subu Narayan, „Digital Manufacturing: The Revolution Will Be Virtualized", McKinsey, August 2015, www.mckinsey.com/business-functions/operations/our-insights/ digital-manufacturing-the-revolution-will-be-virtualized
5. Antony Bourne: „Manufacturing Industry - Change is the Only Constant" IFS-Blog," IFS Blog, http://blog. ifsworld.com/2016/03/manufacturing-industry-change-is-the-only-constant/
6. Doug Workman: „Mobile Parts Hospital, Not Just for Sick Parts" www.army.mil/article/97481/Mobile_Parts_Hospital__not_just_for_sick_part
7. Brian Solis: „The 2014 State of Digital Transformation", Altimeter Group, 2014
8. Jason Bloomberg: „Digital Transformation by Any Other Name?", Forbes, 31. Juli 2014
9. Ebd., IDC

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