BLOG

Utta Danella - Triumph des Trivialen

12/08/2015 16:36 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 11:12 CEST
Peter Bischoff via Getty Images

Die 60er, eine Kleinstadt in Bayern, ich als Leseratte stürme wöchentlich die Bibliothek und richte mein Augenmerk auf C. S. Lewis und Enid Blyton. Meine schwerbeschäftigte Mutter und meine gehbehinderte Großmutter versorgte ich gleich mit, irrig beliebt bei beiden: Marie Luise Fischer und Utta Danella.

Vom Provinzkaff nach Berlin

Einmal, als meine Lektüre schon durch war, nahm ich mir von der Mutter Danella's „Tanz auf dem Regenbogen" - und wurde überrascht: Das was ich mir immer gewünscht hatte (und noch in Erfüllung gehen würde): Ein junger Mensch, die Klavierlehrerin Katarin, verlässt ohne Abschiedsschmerz ein spießiges, klatschüberflutetes Kleinstädtchen und geht nach Berlin.

Dort findet sie Erfüllung in ihrem Musikstudium, angelt sich einen natürlich anbetungswürdigen Mann, darunter geht nicht, und hat bald erste Erfolge auf der Konzertbühne. Doch was kommt natürlich dazwischen (wie in vielen Danella-Buchern; das Thema scheint ihr sehr am Herzen gelegen zu haben) - der Krieg.

Kriegsumstände

Zunächst ist davon in Berlin nicht allzu viel zu merken, nur der „Angebetete" besucht sie zunächst zu selten und nach Beginn des Russlandfeldzuges gar nicht mehr, so dass sie einem freigiebigen rumänischen - ja, wie soll man ihn beschreiben? - gleichzeitig Schieber und ein wenig Diplomat, auf jeden Fall aber gutaussehenden Bonvivant mit vielen gewinnbringenden Beziehungen verfällt.

Er verlässt sie Richtung USA, als der Krieg total wurde und sie nahm sein Angebot, mit ihm zu gehen nicht an. Inzwischen wendeten sich alle Freunde wegen des Treuebruchs gegen sie, sofern sie nicht auch eingezogen oder untergetaucht sind und ihr Klavierprofessor macht sie zunächst herunter und sich dann an sie heran, was aber beide aus Schamgründen nie zum Ende führen.

Die kleine fränkische Geburtsstadt

Sie kehrt zurück ins ihre kleine fränkische Geburtsstadt und gerät in eine gefährliche Fehde mit ihrer Schwester, einer strammen Nationalsozialistin und deren Mann, dem späteren Kreisleiter.

Überhaupt werden in dem Buch Katarin's Mitstudenten oder sogar der Klavierprofessor, dem dadurch große Engagements entgehen, als antifaschistisch dargestellt. Wieviel davon wohl Wunschdenken ist?

Der Schluss wird dann erwartungsgemäß; nachdem sie sogar in ihrem verhassten Geburtsort einen Fabrikantensohn geheiratet und eine Art „Unterschlupfehe" geführt hat, nach dem Krieg aber unter viel Entbehrungen nach München in eine Künstlerkommune zieht - wegen der Scheidung wird sie mit Schimpf und Schande geradezu überhäuft, das Thema ist wohl dringlicher als die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen, die wohl an erster Stelle stehen sollte.

Die jüdische Mitstudentin

Nach Anfangsschwierigkeiten trifft sie eine jüdische Mitstudentin, die sie einst - unwissend ob ihrer Religion beherbergt und die den Holocaust überlebt hat. Die früher Gedemütigte unterstützt jetzt Katarin, so hat sie wiederum erste Konzerterfolge und trifft natürlich ihren Traummann wieder, der, obwohl von zwei anderen veritablen Damen angehimmelt, doch wieder seiner Katarina verzeiht, sich ihrer erwärmt oder erbarmt oder beides und natürlich ehelicht.

Heute ist Utta Danella 95jährig in München gestorben. Nach ihrem ersten Buch erlebte sie eine beispiellose Karriere als Schriftstellerin und erzielte Millionenauflagen. Aber mir wird immer dieser in Teenie-Tagen von mir gelesene erste Roman von ihr wie erstaunlich gut im Gedächtnis bleiben.


Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Was Frauen wirklich wollen? Dieser Österreicher weiß es!

Video:"Mit diesem Gesicht bin ich aufgewachsen": Frau sieht Gesicht ihres toten Bruders - das jetzt einem anderen Menschen gehört

Hier geht es zurück zur Startseite