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Verrat an den Opfern

18/11/2015 09:30 CET | Aktualisiert 18/11/2016 11:12 CET
Pacific Press via Getty Images

Eisiges Entsetzen - lähmendes Grauen - unglaubliche Barbarei - unendliches Mitgefühl mit den Opfern. Wie am 11. September 2001 verfiel man nach den grausigen, abscheuerregenden Anschlägen am Wochenende in Paris zunächst in Gedankenstarre - kann das möglich sein, hier, innerhalb der EU, innerhalb der Nato und niemand hat von den Vorbereitungen etwas mitbekommen? Haben sämtliche Organe versagt, die eigentlich solche unaussprechlich schrecklichen Attentate verhindern sollten?

Und dann: Aufräumarbeiten. An Ort und Stelle und an sich selbst. Lähmende Erkenntnis, dass man machtlos ist, macht sich breit. Was kann man als Einzelner denn schon tun außer Schweigeminuten zu zelebrieren und, zum Beispiel, das Facebook-Profil mit den Farben der Trikolore auszustatten.

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Häme über Facebook-Farbprofile

Doch dann geht es plötzlich los im Netz: Spott: mit Euren Farbprofilen wollt ihr Euch doch nur wichtig machen und Euch aufwerten, Euch Bestätigung suchen, gar das grauenhafte Massaker für die Aufwertung des eigenen Egos gebrauchen. Unfassbar, dass in diesen Zeiten manche offenbar nichts anderes zu tun haben, als Häme zu verbreiten.

Doch es kommt noch ärger: Schließlich kämen in den Krisengebieten in Nordafrika, dem Nahen Osten bis Afghanistan permanent zahllose durch IS-Terror um's Leben und darum trauert man nicht. Doch, ich trauere, aber zugegebenermaßen anders. Am leichtesten kann ich das wohl aus ureigenster Perspektive erklären: Ich bin schwul und in Frankreich dürfen Homosexuelle heiraten.

In Tunesien, Libyen, Ägypten, Irak, Afghanistan, Syrien usw. nicht, sondern es stehen darauf schwerste Strafen bis zur Todesstrafe die nach den Richtlinien der Scharia, oder auch in nicht muslimischen Ländern in Afrika, vollzogen wird.

Kein muslimischer Staat ist eine Demokratie

Was ich damit kurz auf einen Nenner bringen will: Kein muslimischer Staat ist eine Demokratie oder schützt Minderheiten vor Verfolgung oder ist imstande bzw. sogar willens, Terrorgruppen wie die IS schon an der Wurzel einzudämmen.

Im Gegenteil: In manchen Regionen wird jemand, der einen "Ungläubigen" ermordet, ein Held. Frankreich hingegen ist mein befreundetes Nachbarland. Es gehört zu meinem Kulturkreis, zur aufgeklärten westlichen Welt, und wenn den Menschen in diesem Land so unfassbar Grauenhaftes passiert, sticht es mich bis in's Herz.

Was kann ich schon tun, außer kleine Zeichen zu geben wie die Kolorierung meines Facebook-Profiles in der Trikolore. Es ist ein Unterschied wenn hier Menschen sterben, oder in Ländern, wo man Homosexuellen wie mir den Tod wünscht. So einfach ist das.

+++ Wir halten euch in unserem NEWS-BLOG über alle aktuellen Entwicklungen zum Paris-Attentat auf dem Laufenden +++

Terror in Paris: Gedanken eines Muslims zu den Anschlägen in Paris

Dbate: Mein Leben unter Putin: Homosexuelle in Russland

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