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Eurovision Song Contest 2016 - ein subjektiver Rundumblick

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JAMIE LEE KRIEWITZ
Mathis Wienand via Getty Images
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Heuer kommen viele Länder sehr bedeutungsschwanger herüber wie UK, das mit "you're not alone" enttäuscht, das klingt wie belangloses Zutatenmixen zu einem Pseudo-Hit. Moldau mit einem Ohrwurm, der das Ohr bald wieder verlässt. Albanien überrascht mit einem gelungenen Meldoy-Mix mit schöner drastischer Stimme der Sängerin Eneda Tarifa. Polen stimm- und melodiegewaltig, könne ein Ohrwurm werden.

Frankreich verblasst hinter dem französisch singenden Österreich, das mit Zoe und Loin d'ici echte Favoriten-Qualitäten besitzt. Schweden - Frans mit "If I were sorry" klingt nach einem xbeliebigen Pseudo-Hit-Eintropf; Donny Montell - I've Been Waiting For This Night" ist typische schwedische Hit-Konfektionsware. Laura Tesoro - "What's The Pressure" hat echte Hitqualitäten, da könnte für Belgien ein Überrschungserfolg rausspringen. Gabriela Gunčíková - "I Stand" wird für Tschechien nicht so viel Punkte herausholen, wie das Lied es verdient hätte.

Für Australien tritt mit Dami im "Sound Of Silence"" - einer der hochfavorisirten Beiträge an. Mazedonien überrascht mit "Kaliopi - Dona" ist ein echter Geheimtipp. "Sergey Lazarev - You are the only one" Russland's Beitrag wird als Favorit gehandelt; mir ist er zu maschinell auf Hit gedopt. Mit "Douwe Bob - Slow Down" gehen die Niederlande auf Nummer sicher, aber ob's klappt?

Justs - "Heartbeat" wird für Lettland vermutlich auf der Strecke bleiben, Agnetes "Icebreaker" für Norwegen muss erst noch beweisen, dass es auch noch die Jury knacken kann. Nicky Burne's "sunlight" geht zu sehr und zu mühelos in's Ohr mit veraltetem Pseudo-Softroch-Touch. Sandhijas: "Sing It Away" ist zu pseudo-getragen und dramatisch, damit wird Finnland nicht viel punkten können.

ZOË mit "Loin d'ici" für Österreich ist für mich der Hauptfavorit.

Lighthouse X - "Soldiers of Love" nicht heraus; Soldaten der Liebe klingt schon sehr gegensätzlich, so als wäre das Christkind ein kleiner IS-Kämpfer. Soldiers of Love gehört für mich zum Schlechtesten, was dieses Jahr vorgetragen wird. Halt, da ist noch ein Superlativ nach unten: "Dalal & Deen feat. Ana Rucner and Jala" - Ljubav Je - während das vorgetragen wird, wünscht man sich einen starken Cocktail oder ein paar Beruhigungspillen; furchtbar, was einem da Bosnia&Herzigova zumuten.

Als hätte das nicht gereicht, bringt die Ukraine einen abscheulichen Beitrag "1944". Damit mutet einem Jamala einfach zuviel zu. Da tut einem ein Osteuropa-Hardrockgitarren-Schlager wie Minus One und "Alter Ego"fast schon gut. ManuElla - Blue and Red hat wenig Melodie - oder textdichterische Mühe benötigt und man ist froh, wenn es zu Ende ist. Jüri Pootsmann - "Play" Estland bringt einen begabten Sänger und ein halbwegs gut klingendes Lied auf die Bühne. IVAN - Help You Fly (Belarus) ist zumindest ungewöhnlich; sehr selten in einem ESC-Jahr, das vor außergewöhnlichen Songs nicht gerade strotzt.

Italien: Francesca Michielin - "No Degree of Separation"; schönes Ohrgeschmeichle, aber Ohrwurmqualität allein reicht meist nicht. Serhat für San Marino ist für mich "der Burner" in diesem Jahr; unerhörter Wiedererkennungswert! Auch Bulgarien macht mit Poli Genova - "If Love Was A Crime" einigen Ohrwurmvorteil fest. Nina Kraljić mit "Lighthouse" für Kroatien schafft den Sprung zur Eingängigkeit hingegen nicht; mit der Melodie mag man sich nicht anfreunden.

Deutschland wird ab Mitte abwärts landen.

Über Jami Lee Striewitz "Ghosts" ist schon alles gesagt worden; ich bin kein Fan der Pseudo-Eingängigkeits-Nummer. Ovidiu Anto's "Moment Of Silence" geht als Geschmackssache durch; mir gefällt es sehr. Erwartungsgemäß bring Island mit Greta Salóme "Hear Them Calling" skandinavische Hitfabrik-Dutzendware. Für Malta geht mit Ira Losco - "Walk on Water" der Versuch eines Granatenohrwurms durch, der aber nicht zündet. ZOË mit "Loin d'ici" für Österreich (!) ist für mich der Hauptfavorit. Charmante Melodie, bestrickende Stimme und Ohrwurmqualitäten, die viele Beiträge heuer vortäuschen; diese Nummer hat sie!

Bei einem Beitrag das gute Aussehen des Sängers zu erwähnen, ist beim ESC allemal drin. Freddie mit "Pioneer" für Ungarn hat zudem einen Poprockbeitrag erster Sahne. Hier hat sich bei Komposition und Text sowie Arrangement wirklich jemand viel Mühe gemacht. Geheimtipp! Rykka mit "The Last Of Our Kind" für die Schweiz macht es sich zu leicht; ein Pseudo-Ohrwurm ist vielmehr keiner. Als Resumee sei gesagt: Österreich hätte den Sieg verdient, Ungarn einen Spitzenplatz; Deutschland wird ab Mitte abwärts landen.

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