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Die rosarote Zwickmühle

28/08/2015 14:57 CEST | Aktualisiert 28/08/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Kein Thema beschäftigt Deutschland momentan so sehr wie der Umgang mit Flüchtlingen. Zuletzt war es die Griechenlandkrise; IS ist ebenso ein Dauerthema. Das internationale Hoch auf die Einführung der Homo-Ehe mit Anleuchtung des weißen Hauses in Regenbogenfarben ging da - zum Glück für die Kanzlerin, die sich bei dem Thema ja "unwohl" fühlt (ist das nicht ein Merkmal des Klimakteriums?) unter, denn jedes andere Thema ist hier zu Lande wichtiger.

Die Bundesländer haben in diesem Jahr bereits mehr als 300.000 Asylsuchende registriert

800.000 oder noch mehr sollen es bis Jahresende werden. Vorweg: Jeder der aus Kriegshorror, IS-Terror, Unterdrückung oder Diskriminierung bei uns Obhut sucht, verdient ein Willkommen, eine anständige Behandlung und Versorgung sowie schnelle Bereitstellung einer Unterkunft.

Die Brandanschläge auf Heime für Asylsuchende sind - gelinde gesagt - widerwärtig. Doch die Kanzlerin wird in Heidenau mit Buhrufen empfangen, Gauck spricht beim Besuch einer Erstaufnahmeunterkunft in Berlin von "einem hellen und einem dunklen Deutschland".

Keiner aber ist bislang auf die Idee gekommen das Thema Asylsuchende mit dem Thema Homosexualität in Zusammenhang zu bringen, das ist wie selbstverständlich nachrangig. Die mit Abstand meisten Asylbewerber, 42,1%, kommen aus Syrien. Dort sind homosexuelle Handlungen als „widernatürliche" Handlungen verboten und werden mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren belegt.

Mit deutlichem Abstand folgen Kosovo und Albanien wo Homosexualität nicht strafrechtlich verfolgt aber auch als nachrangig eingestuft wird. Dann folgen der Irak, Afghanistan, dazwischen Mazedonien, das auf Grund liberaler Einstellung zur Homosexualität hier nicht Thema ist, Eritrea, Nigeria und Pakistan.

Zunächst Irak: Das dortige Strafrecht verbietet Homosexualität nicht ausdrücklich, aber die Menschen werden von Milizen getötet oder von Richtern unter Bezug auf Schariarecht verurteilt. In Afghanistan ist Homosexualität mit einer Strafandrohung von fünf bis 15 Jahren verboten.

In Eritrea: Ebenso Verbot mit Bestrafung bis zu drei Jahren. In Nigeria ist die Lage der Homosexuellen schändlich, Strafmaß 14 Jahre bis zur Todesstrafe zudem erfolgt eine massive und weltweit umstrittene Verschärfung der Gesetze, die dann auch soziale Beziehungen wie Restaurantbesuch sowie Medienkonsum einschränken; in 12 nördlichen Bundesstaaten gilt die Scharia, in der als Maximalstrafe die Todesstrafe durch Steinigung vorgesehen ist.

Homosexuelle Flüchtlinge aus Pakistan sollten bevorzugt behandelt werden

Homosexuelle Handlungen sind auch in Pakistan illegal und werden mit Gefängnisstrafen von zwei Jahren bis im Höchstmaß lebenslang bestraft. Homosexuelle Flüchtlinge aus diesen Regionen sollten deshalb bevorzugt behandelt werden.

Allen - berechtigten - Asylsuchenden steht, wie eingangs erwähnt, eine adäquate Behandlung zu. Natürlich sind die körperliche Unversehrtheit, Unterkunft und Nahrung vordringlich, aber hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie diese aus z. T. strengst homophoben Kulturen stammenden ein Upgrade auf die westliche Zivilisation erhalten sollten?

Diese Menschen bewegen sich mit einer Art Erbhomophobie unter uns und sehen - wie zuletzt in Berlin geschehen - Männer Hand in Hand laufend, der eine bringt den anderen zum Zug und es gibt einen Abschiedskuss, daraufhin erfolgt blitzartig eine körperliche Attacke, Diebstahl des Smartphones, heftige Prügel, mehrfach abwertende Bemerkungen wie "du Schwuchtel" usw. mit nicht europäischem Akzent.

Nicht berechtigte Asylsuchende werden, so zumindest sehen es die Statuten vor, schnellstmöglich abgeschoben, ab das kann schon lange nicht mehr eingehalten werden und sehr oft erfolgt eine Rückkehr.

Für Homosexuelle bleibt ein mulmiges Gefühl

Einmal durch die zu erwartende Homophobie eines Gros der Asylsuchenden, andererseits zur traditionellen Gegnerschaft aller Schwulen gegen rechts.

Man ist in einer Zwickmühle; Homophobie Zuzuziehender, sofern in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen, wird allenfalls als nachrangig eingestuft wie überhaupt deren Vergehen mit z. T. übertriebener Negierung abgetan werden - jüngst sollte im einer TV-Fahndungssendung ein Mörder gesucht werden, der Beitrag wurde aber gestrichen, da der Delinquent dunkelhäutig war.

Es wird wohl ein Wunschtraum bleiben, Asylanten auch mal mit dem Thema Homosexualität zu konfrontieren und ihnen die Einhaltung hiesiger Gesetze nahezulegen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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Video: Dieses Video bekämpft Homo-Hasser mit dem einzig wirksamen Mittel: Liebe

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