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Für eine Wende in der Tierhaltung: Ethische Grundsätze statt industrielle Maßstäbe

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BABY CHICKEN
Thomas Peter / Reuters
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Beim Umgang mit Tieren darf es kein Diktat der Kosteneffizienzgeben. Tierschutz ist als Staatsziel nicht nur im Grundgesetz verankert. Es gibt ein eigenes Tierschutzgesetz, das besagt, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid oder Schäden zugefügt werden dürfe. Doch welchen anderen Grund gibt es für das Kükenschreddern als einen rein ökonomischen? Ist das ein vernünftiger Grund? Ganz klar nein.

Es kann nicht sein, dass jedes Jahr 45 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet werden, weil sie schlicht unrentabel sind. Das ist Ausdruck eines pervertierten Systems, in dem industrielle Maßstäbe über ethischen Grundsätzen stehen. Und das müssen wir umkehren. Wo es solche massiven ethischen Leerstellen gibt, brauchen wir klare gesetzliche Regelungen.

Ich gehe davon aus, dass jede anständige Bäuerin und jeder anständige Bauer ein ureigenes Interesse am Wohlergehen seiner Tiere hat. Dass sie gesund bleiben. Schließlich sind sie ihre oder seine Lebens- und Wirtschaftsgrundlage.

Tiermisshandlungen sind gängige Praxis geworden

Dennoch: Es ist gängige Praxis in deutschen Ställen, Schweinen den Ringelschwanz abzuschneiden und Legehennen die Schnäbel zu kürzen. Klar, schwarze Schafe gibt es immer. Aber diese Missstände ziehen sich durchs System. Sie gehören zum System. Und das ist das Problem. Durch die Auswüchse der Agrarpolitik, die immer größere Ställe mit immer weniger Platz für immer mehr Tiere propagiert, gehört Tierqual zur Praxis, da gibt es kein Drumherumreden.

Und das schadet der Landwirtschaft. Nicht nur weil es den Tieren schlecht geht, sondern auch die meisten Menschen das einfach nicht mehr akzeptieren. Wir müssen also einen Weg finden, wie wir solche Fehlentwicklungen umkehren können.

Wir müssen Tieren mehr Platz einräumen

Diesen Weg gibt es: indem wir den Tieren mehr Platz geben und das, was sie brauchen, um sich einigermaßen wohlzufühlen. Indem wir bestimmte Sachen klar verbieten. Und natürlich muss sich Tierschutz für Bäuerinnen und Bauern auch rentieren. Doch Vertreterinnen und Vertreter der Agroindustrie, zum Beispiel des Deutschen Bauernverbands reden die Probleme klein und wehren sich gegen klarere Regeln, die diese Missstände aufheben könnten.

»Staatliche Bevormundung, Bürokratie und gesetzgeberische Schnellschüsse seien vielleicht die größte Gefahr für eine bäuerliche Landwirtschaft«, so der amtierende Präsident des Bauernverbandes Joachim Rukwied in einer Grundsatzrede im letzten Jahr. Eins ist klar: Blockadehaltung und Realitätsverweigerung bringen uns keinen Schritt weiter. Wir brauchen eine Trendumkehr, wir brauchen eine Agrarwende.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Fleischfabrik Deutschland.
Wie die Massentierhaltung unsere Lebensgrundlagen zerstört und was wir dagegen tun können".

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