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Der Traum vom Homeoffice

27/08/2015 17:43 CEST | Aktualisiert 27/08/2016 11:12 CEST
MECKY via Getty Images

Die Niederlande haben es vorgemacht: das Recht auf Homeoffice ist im Grundgesetz verankert und am 1. Juli in Kraft getreten. Unternehmen müssen nun gute Gründe vorbringen, um einem Mitarbeiter die Arbeit von zu Hause aus zu verweigern. Doch während unsere holländischen Nachbarn bei der Stärkung der Arbeitnehmerrechte schon einen Schritt weiter sind, ist auf deutscher Seite eher wenig davon zu spüren.

Viele Arbeitgeber sind nach wie vor skeptisch, in den meisten Unternehmen herrscht Anwesenheitspflicht. Dabei können nicht nur Angestellte, sondern auch die Unternehmen selbst von flexiblen Arbeitsmodellen profitieren.

Natürlich gibt es schon Ausnahmen: Ich selbst arbeite seit fünf Jahren ausschließlich im Homeoffice. Damit das Ganze funktioniert, müssen jedoch die Voraussetzungen stimmen und Rahmenbedingungen, wie Kernarbeits-und Erreichbarkeitszeiten, klar festgelegt werden. Man sollte auch klären, ob z.B. der Arbeitnehmer Geräte zur Verfügung stellt und Kosten für Instandhaltung und Internetzugang übernimmt. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, ist eine genaue vertragliche Regelung für beide Seiten von Vorteil.

Trennung von Arbeit und Privatleben

Entscheidend für den Erfolg von Heimarbeit ist die richtige Umgebung. Ein separates Arbeitszimmer ist für mich das Wichtigste. Die verschließbare Tür hilft enorm, ein ungestörtes Arbeitsumfeld zu schaffen. Morgens geht man ins Arbeitszimmer zur Arbeit und kann abends das Umfeld auch wieder verlassen.

Mir persönlich erleichtert das die Trennung von Beruf und Privatleben erheblich. Klar festgelegte Arbeitszeiten halte ich konsequent ein und arbeite so auch viel konzentrierter. Optimal ist auch eine eigene Telefonnummer, die ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird.

Professionelle Kleidung

Man muss sich klarmachen, dass das Homeoffice trotz allem keine Wellness-Zone ist. Jogginghose und Schlafanzug haben da nichts zu suchen - meiner Erfahrung nach ist es tatsächlich so, dass Kleidung eine enorme Wirkung im Unterbewusstsein entfaltet.

Ich kleide mich immer genauso, wie ich das auch für das normale Büro tun würde. Das erleichtert einerseits den Rollenwechsel von privat zu professionell und fördert andererseits auch die Motivation und Ernsthaftigkeit bei der Arbeit. Bonus: Man ist auf jede Videokonferenz vorbereitet.

Remote-Zugriff und Arbeitsumgebung

Damit man im Homeoffice auf genau dieselben Systeme mit allen Dokumenten, Programmen und Datenbanken zugreifen kann, muss der Arbeitgeber eine sichere VPN Verbindung bereitstellen, über die man sich in das Unternehmenssystem einwählen kann.

Conference Calls als Videocall

Ehrlich gesagt empfinde ich traditionelle Conference Calls als mühsam und ineffizient. Die Qualität ist oft mehr schlecht als recht, man sieht die Teilnehmer nicht und es ist schwer einzuschätzen, wie die Stimmung im Raum ist. Ich bin daher ein großer Fan von Videokonferenzen. Es gibt eine Reihe von kostenlosen Tools, die sich sowohl für kleinere Besprechungen als auch für größere Online-Meetings eignen.

Das ist zum einen praktisch, weil z.B. der Bildschirm geteilt werden kann und man so die besprochenen Folien oder Inhalte sieht. Zum andern wird auch eine persönliche Verbindung hergestellt, weil die Gesprächspartner im Videochat sichtbar sind. Spezielle, kostenpflichtige Business Tools sind bei Konferenzen mit einer größeren Teilnehmeranzahl vor allem wegen der hohen Sicherheitsstandards eine gute Wahl, damit sind sensible Daten bestmöglich geschützt.

Teilen von Dokumenten

Steht kein firmeneigenes Tool zur Verfügung, bieten verschiedene Cloud Storage Dienste die Möglichkeit, kostenlos Dokumente zu hinterlegen und anschließend für Kollegen oder Geschäftspartner freizugeben. Die Daten lassen sich von jedem Gerät zeitunabhängig aufrufen und können von mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden.

Feedback und Abstimmung

Screencast bzw. Screenshot Programme eignen sich gut für visuelles Feedback. Schickt ein Kollege Textentwürfe, eine Präsentation oder dergleichen, können schnell Screenshots oder kurze Videosequenzen angefertigt werden. Dabei lassen sich Feedback und Änderungsvorschläge visuell und auf der Tonspur hinterlegen. Meiner Erfahrung nach wird so das Feedback besonders deutlich und ähnlich persönlich wie im direkten Gespräch mit den Kollegen. Zudem kann es zeitunabhängig und wiederholt angeschaut werden.

Gut organisiert ist halb gewonnen

Auch im Homeoffice überschlagen sich häufig Aufgaben, Telefontermine und Abgabefristen. Für den notwendigen Überblick hilft mir ein Taskmanager, mit dem ich alle Termine und Aufgaben verwalte und auf einen Blick immer vor Augen habe.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Homeoffice mit gutem Zeitmanagement und den richtigen Tools sehr gut gelingen kann. Für bestimmte Berufsgruppen und Unternehmen ist es daher sicher eine effektive Lösung. Im Vergleich mit den Niederlanden sollten sich meiner Meinung nach auch deutsche Unternehmen noch stärker auf flexible Arbeitsformen einlassen, um den Ansprüchen der Arbeitnehmer gerecht zu werden und sie langfristig an sich zu binden. Und man kann ja klein anfangen - mit einem Tag in der Woche.


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